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Finanzpolitik Trumps : Ein Hauch von Reagan

Eine aggressive Finanzpolitik würde ganz im Zeichen der Strategie Ronald Reagans stehen. Bild: Picture-Alliance

Ein kräftiger Anstieg der Renditen und ein Rekord an der Wall Street zeigen: Die Märkte sehen Trump in der Tradition Reagans. Expansive Finanzpolitik könnte Wachstum und Realzins treiben.

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          „Wenn Sie jetzt reich werden wollen, müssen Sie bei zehnjährigen Anleihen short gehen“, bemerkte am Mittwochabend ein führender deutscher Manager aus der Finanzbranche trocken. „Short gehen“ heißt in der Sprache der Finanzmärkte: auf sinkende Kurse und auf steigende Renditen der Anleihen setzen. Der Mann liegt offenbar nicht schlecht. Am Donnerstag setzte sich rund um den Globus – in Amerika wie in Europa, in Lateinamerika wie in Asien und Australien – ein Anstieg der Renditen fort, der schon seit einigen Monaten beobachtbar ist, mit der Wahl Donald Trumps ins Weiße Haus aber erheblich an Dynamik gewinnt. Mitte des Jahres wiesen in der Welt Anleihen im Wert von rund 11 Milliarden Euro negative Renditen auf. Heute kommen Anleihen mit negativen Renditen noch auf einen Marktwert von weniger als 9 Milliarden Euro. Kommt hier eine Trendwende in Gang?

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Noch weiß niemand, wie die amerikanische Wirtschafts- und Finanzpolitik unter Trump aussehen wird. Aber an den Finanzmärkten wächst die Überzeugung, dass Trump eine aggressive Finanzpolitik betreiben wird, in der Steuersenkungen und zusätzliche Ausgaben zum Beispiel für die Infrastruktur überwiegend durch neue Staatsschulden finanziert werden. Eine solche Strategie würde Angebotspolitik und Nachfragepolitik miteinander kombinieren – und sie erinnert an die Finanzpolitik Ronald Reagans aus den achtziger Jahren. Aus dieser Zeit ist bekannt, wie eine solche Politik wirken kann: Sie regt das Wirtschaftswachstum an, sie treibt wegen der hohen Neuverschuldung den Realzins (das ist der um die Inflationsrate bereinigte Zins) – und sie hinterlässt auf lange Sicht einen höheren Berg an Staatsschulden, für den sich auf absehbare Zeit aber kaum jemand interessiert.

          Bild: F.A.Z.

          Für die Finanzmärkte bedeutet dieses Szenario auf kurze und mittlere Sicht: Steigende Anleiherenditen gehen mit Kursverlusten für bestehende Anleihen einher, aber im Gegenzug eröffnet eine Zunahme des Wirtschaftswachstums Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne und haussierende Aktienkurse. Genau dies lässt sich derzeit beobachten: Die Kurse der Anleihen fallen, aber an der Wall Street erreicht der Dow Jones einen neuen historischen Rekord.

          Populismus verleite zu expansiverer Finanzpolitik

          An den Märkten beginnen sich die Teilnehmer auf ein solches Szenario einzustellen. „Der wirtschaftliche Ausblick verbessert sich, da sich Potential für eine deutliche Beschleunigung des Wirtschaftswachstums eröffnet“, schreibt Joseph LaVorgna, der Chefökonom der Deutschen Bank für Amerika. Als Grund für seine Wachstumshoffnungen nennt er eine „hohe Wahrscheinlichkeit einer bedeutenden finanzpolitischen Stimulanz“, gefolgt von einer optimistischeren Zukunftseinschätzung der Unternehmen und damit zunehmenden Ausgaben für private Investitionen.

          Der politische Populismus werde Regierungen in Amerika und Europa zu einer expansiven Finanzpolitik verleiten, „was wiederum höhere Haushaltsdefizite und eine steigende Staatsverschuldung nach sich ziehen dürfte“, urteilt die französische Fondsgesellschaft Carmignac. „Deshalb dürfte das volkswirtschaftliche Umfeld im Jahr 2017 ganz grundsätzlich durch eine expansivere Haushaltspolitik bestimmt werden.“

          Michael Hasenstab, Fondsmanager in der amerikanischen Fondsgesellschaft Templeton, nennt neben der Aussicht auf höheres Wirtschaftswachstum zwei weitere Gründe für die steigenden Renditen am Anleihemarkt: Zum einen nehme mit der finanzpolitischen Stimulierung einer ohnehin schon recht gut laufenden Wirtschaft das Inflationspotential zu. Und zweitens seien die Kurse am amerikanischen Anleihemarkt ohnehin stark überhöht gewesen; eine Korrektur wäre überfällig gewesen.

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