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Dividenden-Werte : Ohne Kursdynamik ist eine hohe Rendite wenig wert

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Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von ABM Amro. Bild:

Im Zuge der Baisse ist die Dividende wieder verschärft in Mode gekommen, nachdem sie zuvor angesichts enormer Kursgewinne aus dem Blick geraten waren. Eine hohe Dividendenrendite ist aber nur dann gut, wenn auch der Trend stimmt.

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          Von 1998 bis ins Jahr 2000 kümmerte sich kaum ein Anleger um die Höhe der Dividende. Die Ausschüttung war für sie nicht interessant angesichts des Höhenflugs vieler Aktien in Zuge der kräftigen Hausse. Doch nach dem Rausch kommt häufig ein heftiger Kater: Gerade Besitzer von Technologieaktien wissen ein garstig Lied davon zu singen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung ist in den vergangenen drei Jahren die Dividende wieder verschärft in Mode gekommen - nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres. Davon zeugt der binnen kurzer Zeit stark angeschwollene Mittelzufluß zu und der Erfolg von Aktienfonds, die auf Titel mit einer gemessen am Kurs hohen Ausschüttungsquote setzen und vermehrt angehoben werden (Erfolg der Dividenden-Fonds zieht Nachahmer an).

          Und dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Denn Aktienstrategen rechnen nicht mit großen Kurszuwächsen an der Wall Street oder an den klassischen europäischen Börsen. Vielmehr wird mit einem Jahresplus von im Schnitt rund zehn Prozent gerechnet. Wenn eine Aktie eine Dividendenrendite von vier oder fünf Prozent abwirft, gleicht sie schon der halben Miete - oder anders gesagt: bringt einen namhaften zusätzlichen Ertrag. Deshalb rechnen Aktienstrategen mit einer Renaissance von Dividendenwerten (Wie der Dow auf den Hund kommt).

          Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn manche Aktien weisen eine hohe Dividendenrendite nicht deshalb auf, weil die Ausschüttung so atmenberaubend ist. Der Grund ist vielmehr ein deutlicher Kursverlust.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Enel-Aktie

          Schlechte Beispiele für hohe Dividendenrenditen: GM und Medion

          Beispiel: General Motors hat im vergangenen Jahr 25 Prozent an Wert eingebüßt. So kommt der Titel bei einem Kurs von gut 39 Dollar nun auf eine Dividendenrendite von 5,1 Prozent. Gemessen am Zwölfmonatshoch von gut 55 Dollar errechnen sich bei einer Ausschüttung von zwei Dollar lediglich 3,6 Prozent. Angesichts der Talfahrt des Kurses sind die zwei Dollar je Anteilsschein ein schwacher Trost.

          In deutschen Landen fällt der Computeranbieter Medion im MDax mit einer Dividendenrendite von 4,4 Prozent auf. Das Dumme ist nur: Der aktuelle Kurs von 15,60 Euro liegt Lichtjahre vom 52-Wochenhoch von 37,60 Euro entfernt. Auf diesen Wert bezogen, ergibt sich aus einer Ausschüttung von 70 Cent je Anteilsschein eine Dividendenrendite von nur 1,86 Prozent. Eine Größe, die im MDax nicht weiter auffällt.

          Eine beachtliche Ausschüttung an sich ist auch dann kein Kaufgrund, wenn daraus eine atmenberaubende Quote folgt, wie bei Atoss Software. Das Unternehmen hat für 2003 je Aktie 1,50 Euro ausgeschüttet. Gemessen am derzeitigen Kurs von 10,05 Euro ergibt dies eine Dividendenrendite von fast 15 Prozent. Der Haken: Atoss zahlte zuletzt eine Sonderleistung. 1,50 Euro als Dividende wird es für 2004 nicht geben, wie ein Unternehmenssprecher zu FAZ.NET sagte. Wäre auch merkwürdig: Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von etwa 24 Cent.

          Gute Beispiele für nachhaltig hohe Dividenden: Euroshop, MPC...

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