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Dividenden : So wertvoll wie nie

Bild: F.A.Z.

Nur in den Jahren 2007 und 2008 zahlten die 30 Dax-Unternehmen mehr Dividende als in diesem Jahr. Damals notierte der Dax 15 Prozent höher als heute. Und Anleihen standen dank höherer Zinsen in stärkerer Konkurrenz zu Dividendentiteln.

          Der Einzelhandelskonzern Metro hat am Dienstag als letzter von 30 Dax-Konzernen bekanntgegeben, wie viel Dividende er seinen Aktionären am Ende des Tages der Hauptversammlung zahlen wird. Damit ist klar: 23 von 30 Dax-Unternehmen heben ihre Dividende im Vergleich zum Vorjahr an.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alle 30 Dax-Unternehmen zusammen schütten in diesem Halbjahr auf ihre im Dax enthaltenen Aktien 25 Milliarden Euro an Dividenden aus. Das sind 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Und fast so viel wie für die Rekordjahre 2006 und 2007. Damals flossen aus den Gewinnen der Unternehmen in den darauf folgenden Frühjahren 28,1 und 27,3 Milliarden Euro an die Aktionäre. In 2011 wird ein neuer Ausschüttungsrekord auch deshalb knapp verfehlt, weil gerade der größte Zahler, die Deutsche Telekom, als einziger die Dividende kürzt und der zweitgrößte Zahler, Eon, zu den sechs Werten gehört, die ihre Dividende nicht verändern.

          Dividende ist als Renditebeitrag wichtiger als jemals zuvor

          Aus vielerlei Gründen aber ist die Dividende in diesem Jahr als Renditebeitrag wichtiger als jemals zuvor. Dividende erhält von "seinem Unternehmen", wer am Tag der Hauptversammlung bis zum Aktienhandelsende Aktionär ist. Die meisten Aktionärstreffen finden im April und Mai statt (siehe Grafik). Wer jetzt nach dem jüngsten Kursrutsch Aktien kauft, erzielt allein dank der durchschnittlich gezahlten Dividende im Dax eine Jahresrendite vor Steuern von 3,5 Prozent. Das ist, gemessen an früheren Jahren, aber auch am derzeit sehr niedrigen Zinsniveau, ein hoher Wert.

          Vor vier Jahren waren die Dividendenrenditen, also die Dividenden bezogen auf den aktuellen Aktienkurs, trotz Rekordausschüttung niedriger. Denn der Dax stand mit 7800 Punkten 15 Prozent höher als heute. Auch im relativen Vergleich mit Anleihen schneiden dividendenstarke Aktien derzeit gut ab. Normalerweise werfen Bundesanleihen mehr Zinsen ab als Aktien Dividenden. Im langjährigen Durchschnitt liegt die Rendite von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rund 2 Prozentpunkte höher als die Dividendenrendite im Dax. Im Dividendenrekordjahr 2007 betrug die Dividendenrendite, bezogen auf das Kursniveau, im April rund 3,2 Prozent, die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit lag damals bei 4,2 Prozent. Seit Sommer 2008 aber hat sich das Verhältnis umgekehrt. Die Dividendenrendite im Dax ist höher als die Bundrendite. Dies gilt trotz der von 2 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegenen Zinsen nach wie vor.

          Dabei ist die Dividende in Aktienjahren mit hohen Kursgewinnen für den Aktionär nur ein Zubrot. Im langjährigen Durchschnitt trägt die Dividende zur Wertentwicklung des Dax ein Drittel, Kursgewinne tragen zwei Drittel bei. In diesem Jahr verdient der Aktionär allein mit der Dividende rund die Hälfte des über mehre Jahre hinweg üblichen Aktienertrags.

          Gewinnerholung macht hohe Ausschüttungen möglich

          Hohe Dividenden in diesem Jahr sind möglich, weil die Jahresgewinne der Dax-Konzerne sich nach der Krise stark erholt haben. 24 von 30 Dax-Unternehmen, darunter vor allem konjunkturabhängige Unternehmen, haben ihre Dividenden dank kräftig gestiegener Gewinne im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Lufthansa und Daimler, die wegen des Gewinneinbruchs im Jahr 2009 im Vorjahr gar keine Dividende gezahlt haben, nehmen sie wieder auf. Aktionäre von Infineon gehen erstmals seit dem Jahr 2000 nicht leer aus. Die Aktionäre der teilverstaatlichten Commerzbank sind die einzigen im Dax, die 2011 keine Dividende für das Geschäftsjahr 2010 bekommen. Die Deutsche Bank hält zwar die Dividende konstant, hat aber wegen einer Kapitalerhöhung doppelt so viele Aktien zu bedienen wie vor einem Jahr.

          Als einziger der 30 Dax-Konzerne kürzt die Telekom die Dividende von 78 auf 70 Cent. Gemessen an der Gesamtausschüttung von 3 Milliarden Euro, bleibt sie zwar Spitze im Dax. Und wegen des seit Jahren rückläufigen Aktienkurses gehört die T-Aktie mit einer Dividendenrendite von 6,5 Prozent weiterhin zu den Dividendenperlen, zumal ihren Aktionären wegen einer Sonderbehandlung keine Abgeltungsteuer von der Dividende abgezogen wird (siehe Artikel unten auf dieser Seite). Zudem hat die Telekom wie andere europäische Telekomwerte auch für die kommenden Jahre eine mindestens konstante Dividende versprochen (siehe nebenstehenden Artikel). Der Versorger Eon, der die zweithöchste Gewinnausschüttung in diesem Jahr leistet und die Dividende ebenso wie Konkurrent RWE stabil hält, könnte indes in den kommenden Jahren die Dividende kürzen.

          Analysten gehen allerdings davon aus, dass die Unternehmensgewinne im Schnitt auch in den kommenden Jahren weiter steigen werden, allerdings nicht mehr so schnell wie nach der Krise. Schon im Jahr 2012 erscheint dann eine neue Rekordausschüttung im Dax möglich.

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