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Dividenden : Die Stars im Dax schütten aus

Bild: Bengt Fosshag

Die Firmengewinne machen Aktionäre froh. Einige Aktien bringen mehr als acht Prozent Dividendenrendite. Der Trumpf ist vor allem Stabilität. Aber nicht jede Dividendenaktie hat auch langfristig gute Karten.

          3 Min.

          Die Firmen im Deutschen Aktienindex Dax überweisen ihren Aktionären im kommen Jahr voraussichtlich Gewinnausschüttungen von vier Prozent des aktuellen Aktienwertes - das bringt Anlegern mehr Rendite als sie mit Tagesgeldkonten und festverzinslichen Wertpapieren bekommen.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und dazu haben die Aktionäre die Chancen auf Wertsteigerungen - so wie in den vergangenen Wochen, in denen der Dax fast täglich neue Höchststände erreicht hat, so dass er jetzt erst mal eine Pause machen muss.

          8 Prozent und mehr

          Doch die vier Prozent sind noch gar nicht das höchste der Anlegergefühle, das ist noch gar nicht der Rekord: Einige Firmen schütten gar so viel aus, dass ihre frischen Aktionäre mehr als acht Prozent Rendite machen. Und in Amerika fordern die Aktionäre gar noch höhere Ausschüttungen, weil die Firmen auf mehr als 100 Milliarden Dollar sitzen. Kein Wunder, dass so mancher Börsianer Aktien inzwischen nicht nur als die lukrativere Anlage ansieht, sondern auch als die sicherere. Schließlich steigt die Dividende mit, wenn eine Inflation kommt.

          Ein Blick auf die Kurse stimmt da allerdings nicht so hoffnungsfroh. Denn er zeigt: Gerade die Aktien mit den höchsten Dividenden haben in den vergangenen Monaten kaum an Wert gewonnen - und das, während der Dax von Rekord zu Rekord eilte.

          Telekommunikationsfirmen wie die Deutsche Telekom, Freenet und Drillisch? Kaum wertvoller als im Frühjahr. Der Immobilienkonzern Gagfah? Unter dem Kurs vom Jahresanfang. Eon, RWE? Die Verlierer dieses Jahres im Deutschen Aktienindex. Nun haben all diese Firmen ein vergleichsweise stabiles Geschäft auch in Rezessionen, deshalb sind ihre Kurse in der Krise nicht weit gesunken - doch im Aufschwung scheinen die Aktionäre mit ihnen kaum Geld zu verdienen.

          Glaube an Nachhaltigkeit

          Da scheint es kein Wunder zu sein, dass die Dividendenrenditen so hoch sind. Schließlich bringen schlechte Kurse hohe Dividendenrenditen: Je geringer der Kurs, den der Aktionär zahlen musste, desto mehr macht die Dividende prozentual an Rendite. Anleger kennen das noch aus der Finanzkrise: Damals waren die Dividenden rechnerisch sehr hoch, einfach weil die Kurse so niedrig waren.

          Doch damals war die Zukunft der Firmen ungewiss, es war auch mit anderen Geldanlagen viel zu verdienen - zum Beispiel mit Firmenanleihen. Jetzt aber sind deren Zinsen niedrig, so dass die Dividenden fast mehr Prozente abwerfen als die Anleihen. Dazu kommt, dass die Firmen nach der Krise wieder profitabler werden. „Viele schütten von Jahr zu Jahr mehr aus“, sagt der Vermögensverwalter Bert Flossbach. Deshalb hält er die hohen Dividendenrenditen grundsätzlich nicht für ein schlechtes Zeichen.

          Und ewig lockt die Telekom

          Hohe Ausschüttungen allein sind allerdings noch kein Qualitätsmerkmal für eine Aktie. Erst mal bringt die Ausschüttung dem Anleger nämlich gar nichts: Seine Dividende wird am Ausschüttungstag direkt vom Kurs abgezogen; diesen Abschlag muss die Aktie dann erst einmal wieder aufholen.

          Wie das wirkt, sieht man zum Beispiel an den Telekommunikationsfirmen, vor allem der Deutschen Telekom. Seit Jahren liefert die Telekom eine Dividendenrendite von mehr als 7 Prozent. Doch ihr Geschäft ist schwer, viele Kunden wandern ab, der Gewinn steigt nur sehr langsam. Deshalb holt der Kurs den Dividendenabschlag selten auf. Aber wenn die Aktionäre die Dividenden der vergangenen Jahre zusammenzählen und auf den Preis aufschlagen, haben sie an der Telekom auch keinen Verlust gemacht.

          So kann man auch in die Zukunft rechnen: Wenn die Telekom ihre Dividende beibehält, haben Aktionäre nach 15 Jahren allein durch die Dividenden ihre investierte Summe zurück - und die Chance darauf, dass die Firma selbst und damit die Aktie auch dann noch etwas wert ist. Diese Rechnung überzeugt auch den einen oder anderen Profi - zum Beispiel den Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. „Ich halte die Telekom heute für ein gut gemanagtes Unternehmen. Das Wachstum ist nicht so groß, aber die Dividendenrendite ist super.“

          Lieber Rückversicherer als Versorgern

          Unbeliebt sind dagegen die Energiefirmen, und zwar bei quasi allen Anlegern. Noch schütten sie hohe Dividenden aus, doch ob sie sich das auch in Zukunft noch leisten können, das ist fraglich. Keiner weiß, wie viel die Firmen am Ende für die Verlängerung der Kernkraftwerk-Laufzeiten bezahlen. Oder ob die von der nächsten Regierung zurückgedreht wird. Sicher ist dagegen ein hoher Aufwand für den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Das Chance-Risiko-Verhältnis ist nicht so attraktiv“, resümiert Ehrhardt.

          Sehr gut angesehen sind dagegen die Rückversicherungen. Von den eigentlichen Versicherern wie der Allianz sind zwar nicht alle Anleger überzeugt, weil niemand weiß, ob sie angesichts niedriger Zinsen in den nächsten Jahren noch die Rendite erwirtschaften können, die sie ihren Versicherten garantiert haben.

          Doch die Rückversicherer haben dieses Problem nicht. Bei Naturkatastrophen müssen die zwar viel bezahlen, doch dafür machen sie in ruhigen Jahren auch viel Gewinn. „Ich weiß nicht, warum die Leute so wenige Versicherer kaufen“, sagt der Vermögensverwalter Hendrik Leber. Die Hannover Rück bringt 5,4 Prozent Dividendenrendite, die Münchener Rück 5,3. Den legendären amerikanischen Investor Warren Buffett hat das überzeugt - er hat jüngst seinen Anteil an der Münchener Rückversicherung erhöht.

          Stabilität statt Höhenflüge

          All das sind natürlich keine Firmen, die im Aufschwung viel gewinnen können. Große Kursgewinne bringen sie darum selten - aber dafür Stabilität in der Krise Und wer über mehrere Jahre anlegt, steht am Ende oft besser da. Der Div-Dax, in dem immer die 15 dividendenstärksten Aktien im Dax vertreten sind, ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich besser gelaufen als der Dax selbst - obwohl er in der Finanzkrise ausnahmsweise extrem getroffen war, weil ausgerechnet die Banken zuvor hohe Dividenden ausgeschüttet hatten.

          Und wo es jetzt so hohe Dividenden gibt, hat Vermögensverwalter Jens Ehrhardt einen Tipp: „Man muss jetzt mal wieder gute Sachen kaufen und liegenlassen.“

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