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Dividenden : Der Auftakt zu einer goldenen Saison

Die Dax-Dividendenrendite steigt auf durchschnittlich 3,8 Prozent Bild: F.A.Z.

Elf von dreißig Dax-Unternehmen dürften in diesem Jahr mehr ausschütten. Damit klettert die Dividendenrendite des Index von 3,2 auf 3,8 Prozent.

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          Die Aktionäre von Thyssen-Krupp haben seit Montag ihre Dividende auf dem Konto. An diesem Dienstag erhalten die Aktionäre von Wincor-Nixdorf ihren Anteil am Geschäftsjahresgewinn. Und am Mittwoch wird Siemens seinen Aktionären Geld überweisen. Diese drei Unternehmen aus dem F.A.Z.-Aktienindex bilden so etwas wie die Vorhut einer wohl goldenen Dividendensaison 2012. Denn in Zeiten gesunkener Aktienkurse und niedriger Zinsen ist die Jagd nach Dividenden für die Jahresrendite immer wichtiger geworden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zahltag für Aktionäre ist der Tag nach der Hauptversammlung. Siemens hat die Dividende von 2,70 auf 3 Euro je Aktie kräftig erhöht. Wer noch am Tag der Hauptversammlung an diesem Dienstag einsteigt, kommt damit auf eine Dividendenrendite (die Dividende bezogen auf den aktuellen Aktienkurs) von 3,8 Prozent. Thyssen-Krupp und Wincor-Nixdorf dagegen zahlen eine im Vergleich zum Vorjahr unveränderte Dividende. Weil ihre Aktienkurse aber deutlich tiefer liegen als vor einem Jahr, ist auch ihre Dividendenrendite gestiegen.

          Melodie für die gesamte Dividendensaison

          Thyssen-Krupp, Wincor-Nixdorf und Siemens sind mit ihren Hauptversammlungen und den anschließenden Dividendenzahlungen so früh im Jahr, weil ihr Geschäftsjahr schon am 30. September 2011 geendet hat. Die eigentliche Ausschüttungsperiode der 30 Dax-Unternehmen startet Anfang April mit Daimler. Einige der 100 Unternehmen aus dem F.A.Z.-Index, darunter auch der Dax-Wert Infineon, setzen den Dividendenreigen schon im März fort.

          Die Ouvertüre aus Thyssen-Krupp, Wincor-Nixdorf und Siemens gibt die Melodie für die gesamte Dividendensaison schon vor. Auch wenn bei vielen Unternehmen die genaue Dividendenhöhe noch nicht beschlossen ist, scheint sicher: Die Dax-Unternehmen werden mehr ausschütten als im Vorjahr. Die Commerzbank schätzt, dass die 30 Dax-Unternehmen die Dividendensumme um 2 auf 27 Milliarden Euro erhöhen. Weil der Dax 9 Prozent tiefer liegt als vor einem Jahr, steigt die durchschnittliche Dividendenrendite von 3,2 auf 3,8 Prozent. Das ist doppelt so viel wie Anleger mit Bundeswertpapieren mit zehn Jahren Laufzeit in einem Jahr verdienen dürften.

          „Nicht nur an der Höhe der Dividendenrendite orientieren“

          Steuerlich sind Ausschüttungen auf Aktien und Anleihen gleich gestellt. Auf Dividenden und Zinsen wird in voller Höhe die Abgeltungsteuer fällig. Die Bank des Anlegers zieht 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ab, sobald der Sparerfreibetrag des Kunden von 801 (Verheiratete: 1602) Euro überschritten ist. Anders als bei Anleihen mit festem Zinskupon aber ist bei Aktien die Dividende nicht für mehrere Jahre sicher. Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, empfiehlt daher: „Anleger sollten sich nicht nur an der Höhe der Dividendenrendite orientieren. Vielmehr sollten sie als zweites Auswahlkriterium hinzufügen, ob die Unternehmen in den kommenden Jahren auch in der Lage sein werden, ihre Dividende zu erhöhen.“

          Für dieses Frühjahr wird erwartet, dass elf Dax-Unternehmen mehr, vier Unternehmen weniger und 15 Unternehmen eine unveränderte Dividende zahlen. Unsicher ist, ob die Aktionäre der Deutschen Börse eine höhere Ausschüttung erhalten. Denn die hohe Dividendenrendite von mehr als 9 Prozent ergibt sich aus der normalen Dividende (2,10 Euro je Aktie) und einem Bonus von 2 Euro für den Fall, dass der Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange gelingt.

          Sicher ist dagegen die Dividende der Telekom. Mit 70 Cent je Aktie wirft sie wegen ihres niedrigen Kurses und vom Sonderfall Deutsche Börse abgesehen, mit 7,8 Prozent die höchste Dividendenrendite im Dax ab. Telekom- und Versorgeraktien aber gehören nicht zu Hürkamps Favoriten, weil sie einen Großteil ihrer Umsätze im Euroraum erzielen und daher kaum in der Lage sein dürften, ihre Dividenden zu erhöhen. Vielmehr drohten wegen der schwachen Gewinnaussichten Kursverluste.

          „Wir halten Unternehmen aus den Sektoren Auto, Chemie und Industrie, die eine Dividendenrendite von 3 bis 5 Prozent haben, für die spannenderen Dividendenwerte“, sagt Hürkamp. Diese Unternehmen hätten die Chance, durch robustes Wachstum außerhalb der Eurozone ihre Umsätze, Gewinne und damit auch Dividenden in den nächsten Jahren zu steigern. „Den Anlegern winken daher neben der Dividendenzahlung zusätzlich noch Kursgewinne“, sagt Hürkamp.

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