https://www.faz.net/-gv6-yh2m

Dividenden : Banken werden zum Wachstumsmotor

J.P. Morgans Hauptquartier in New York Bild: dapd

Einige große amerikanische Finanzinstitute haben die Krise hinter sich gelassen. Dies zeigt sich in den Ankündigungen, die Dividendenausschüttungen zu erhöhen und eigene Aktien zurückzukaufen. Die Fed mahnt zur Vorsicht.

          Die stärksten Institute unter den großen amerikanischen Banken haben die Finanzkrise offenbar weitgehend abgehakt. Banken wie J.P. Morgan Chase und Wells Fargo haben Ende der vergangenen Woche umgehend die Erhöhung von Dividenden und die Rückkäufe eigener Aktien angekündigt, nachdem sie nach bestandenem Belastungstest von der Notenbank Fed dafür grünes Licht erhalten hatten. Kreditinstitute, deren Aktien traditionell als Dividendentitel gelten, hatten die Ausschüttungen auf Druck der Regierung während der Finanzkrise stark reduziert. Die Banken mussten mehr Kapital vorhalten, um hohe Verluste vor allem im Hypothekengeschäft abzufedern.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Kurz nachdem J.P. Morgan eine Verfünffachung der Dividende avisiert hatte, machte die Bank auch mit einem gigantischen Darlehen von sich reden. J.P. Morgan lieh dem Telekommunikationsriesen AT&T 20 Milliarden Dollar für die Übernahme von T-Mobile USA, der amerikanischen Mobilfunktochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Das ist der größte Einzelkredit, den die Bank jemals vergeben hat. „Es ist ein gutes Zeichen für die gesamte Branche“, sagte Erik Oja, ein Analyst der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s. Ein Kredit in diesem Volumen wäre bis vor kurzem nicht möglich gewesen. J.P. Morgan, die einzige Großbank ohne Quartalsverlust während der Finanzkrise, habe jüngst die Kreditvergabe wieder forciert, sagt der Analyst.

          An der Börse wird eine fortschreitende geschäftliche Erholung der Banken seit geraumer Zeit unterstellt. Seit Anfang Dezember ist das Branchenbarometer KBW Bank Index um rund 16 Prozent gestiegen. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 kletterte dagegen nur um 10 Prozent.

          Finanztitel als stärkste Wachstumsmotoren

          Zum Kursaufschwung trug neben der Hoffnung auf Dividenden auch das verbesserte Kreditumfeld bei. Banken hatten angesichts der konjunkturellen Belebung in den vergangenen Quartalen die Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite reduziert. Analysten an der Wall Street erwarten für die Finanzbranche nach der starken Erholung im vergangenen Jahr auch für 2011 ein kräftiges Gewinnwachstum. Nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters kalkulieren Auguren für die im S&P 500 abgebildeten Finanzwerte für 2011 durchschnittlich mit einem Gewinnwachstum um 23,4 Prozent. Damit würden Finanztitel neben Energieunternehmen und Grundstoffherstellern zu den stärksten Wachstumsmotoren unter amerikanischen Aktiengesellschaften gehören.

          Pessimisten unter den Börsianern sorgen sich allerdings, dass das mögliche Ende der geldpolitischen Lockerung die Kurse von Bankaktien und den Aktienmarkt allgemein belasten könnte. Die Notenbank kauft derzeit noch Staatsanleihen, um die Zinsen niedrig zu halten. Dieses Programm läuft Ende Juni allerdings aus. Der Aktienmarktstratege David Rosenberg vom kanadischen Vermögensverwalter Gluskin Sheff fürchtet deswegen Kursverluste bei konjunktursensiblen Titeln, zu denen auch Finanzdienstleister gehören. Andere Auguren wie Michael Darda vom Wertpapierhaus MKM Partners glauben allerdings, dass die Wirtschaft auf festeren Füßen steht, da Banken wieder mehr Kredite an Firmen und Verbraucher vergeben.

          Fed mahnt zur Zurückhaltung

          Analysten der Bank Goldman Sachs erwarten nun angesichts steigender Gewinnerwartungen für J.P. Morgan Chase, Konkurrent Wells Fargo und State Street höhere Dividenden bis zum Jahr 2013. Neben J.P. Morgan, Wells Fargo und State Street hatten auch die Kreditinstitute U.S. Bancorp, BB&T und PNC Financial nach den Belastungstests der Fed die Erhöhung von Dividenden angekündigt. Die Fed hatte den Banken allerdings nahegelegt, die Dividenden in diesem Jahr auf höchstens 30 Prozent des Gewinns zu begrenzen. Vor der Finanzkrise hatten Banken bis zu 50 Prozent ihrer Gewinne ausgeschüttet.

          Eine Ausnahme unter den großen Banken bildet allerdings die Citigroup, die mit am stärksten von der Finanzkrise getroffen worden war. Die Citigroup, die derzeit gar keine Dividende zahlt, hat zum Wochenanfang aber auch eine kleine Ausschüttung von 1 Cent je Aktie angekündigt. Dazu reduziert die Bank die Zahl der ausstehenden Aktien um den Faktor 10. Damit erhöht sich der Aktienkurs, auch wenn sich am gesamten Börsenwert nichts ändert. Aktiengesellschaften versprechen sich davon eine stärkere Nachfrage institutioneller Investoren, die teilweise keine Aktien mit niedrigen Kursen kaufen dürfen. Eine deutlichere Anhebung der Dividende erwägt die Citigroup frühestens ab dem Jahr 2012. Die Bank of America, die ebenfalls stark unter der Krise gelitten hatte, will im zweiten Halbjahr 2011 bei der Fed eine Erhöhung der Dividende beantragen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.