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DSW-Studie : So viel Dividende gab’s noch nie

Deutschlands Dividendenkönig: Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care Bild: dapd

Deutschlands Unternehmen werden in diesem Jahr eine Rekordsumme an ihre Aktionäre zahlen. Obwohl es nach einer Studie der DSW noch mehr sein könnte.

          Das Jahr 2015 wird ein neues Dividendenrekordjahr – endlich wieder, so die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die am Montag ihre Studie zu diesem Thema veröffentlicht hat. Mit 41,7 Milliarden Euro wird die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2008 von 38,2 Milliarden Euro um 9,2 Prozent übertroffen. Im Vorjahr waren es nur rund 36 Milliarden Euro.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Damit legten die Dividendenzahlungen zum fünften Mal in Folge zu. Den letzten Rückgang hatte es im Krisenjahr 2010 gegeben“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Auch die Zahl der Dividendenzahler unter den Aktiengesellschaften sei mit mehr als 350 so hoch wie noch nie. 89 Prozent der Unternehmen in Dax, M-Dax, Tec-Dax und S-Dax zahlen eine Dividende, unter den Nebenwerten sind es immerhin noch 46 Prozent. Damit ist der Anteil höher als je zuvor. Analysiert wurden die Gewinnausschüttungen aller 616 im deutschen Aktienmarkt notierten Gesellschaften.

          Nur zwei Unternehmen haben die Dividende gestrichen

          Dividenden werden vor allem in den Branchen gezahlt, die viele Aktienanleger als eher langweilig betrachten. So schütten zwar sieben von acht Unternehmen aus der Brachen der nicht-zyklischen Konsumgüter und vier von fünf Versorgern aus, jedoch nur jedes zweite Technologie-Unternehmen. Nur wenig höher sind die Quoten im Gesundheitswesen und bei den Finanzdienstleistern.

          Auch die Zahlungsmoral hat sich demnach verbessert. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen zahlen abermals keine Dividende. Zum Vergleich: 2010 war es jedes vierte. Und nur die Lufthansa und der Eisenbahnzulieferer Vossloh haben die Dividende gestrichen – ein vernachlässigbarer Anteil, der nur 2011 ähnlich niedrig war. Dagegen haben 58 Prozent der Unternehmen die Dividende angehoben, auch das – wenn auch knapp - der höchste Wert seit 2003. Rechnet man Wiederaufnahmen und konstante Ausschüttungen hinzu, so gab es von 83 Prozent der Unternehmen gute Neuigkeiten. Gleichfalls ein Rekordwert.

          Aus Sicht der DSW gibt es dennoch Grundsätzliches zu bemängeln. Trotz teilweise satter Anhebungen schütten die meisten Firmen weit weniger als die Hälfte des Vorjahresgewinns aus. Erfreulich sei allerdings, dass nur jede zehnte Dividende aus der Substanz gezahlt werde, also dass Ausschüttungen trotz Verlusten erfolgen.

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          Die DSW-Studie lässt allerdings auch Zweifel zu, inwieweit Dividendenaktien noch ein gutes Investment sind. Denn die Renditen sinken. Erreichte die realisierte Rendite als Quotient aus Dividende und Jahresdurchschnittskurs etwa für Nebenwerte 2008 noch fast sechs Prozent, so sind es 2015 nur noch wenig mehr als 3 Prozent – und das sind schon mehr als im Vorjahr. Im S-Dax ist die Dividendenrendite seit 2012 von mehr als 5,5 auf wenig mehr als 2 Prozent gefallen. Und auch Dax-Unternehmen zahlten 2009 noch fast 4 Prozent. Heute sind es ebenfalls nur noch wenig mehr als 2 Prozent. Das Dividendenwachstum habe nicht mit den Kursanstiegen  Schritt halten können, so die DSW.

          Größter Dividendenzahler ist nach den Angaben die Allianz: Der Versicherungskonzern zahlt seinen Aktionären 3,1 Milliarden Euro. Im MDax ist es mit 942 Millionen Euro Airbus, unter den Nebenwerten ragen die Postbank und Porsche mit Ausschüttungen von mehr als 300 Millionen Euro heraus.

          In dieser Gruppe gab es auch einige Renditeperlen. So hat die Beteiligungsgesellschaft Custodia seit 2006 nicht nur regelmäßig eine Dividenden gezahlt, sondern bot auch im Durchschnitt eine Rendite von 18,8 Prozent. Indes sind von der ehemaligen Brauerei weniger als 8 Prozent oder weniger als 50.000 Aktien im Streubesitz. Umsatz gibt es nur wenig und auch diesen nur in München.

          Mit immerhin neun Dividendenzahlungen seit 2006 und einer Rendite von 13 Prozent tat sich die Industrie-Holding AdCapital hervor. Zwar bot der ehemalige Gesundheitskartenspezialist UMS, der derzeit nur noch das eigene Vermögen verwaltet, mit 14,6 Prozent noch mehr Rendite, doch war das Unternehmen nicht immer zahlungsfreudig. Unter den etwas bekannteren Aktien stechen der Fernsehsender ProSiebenSat.1 (7,3 Prozent) und der Mobilfunker Drillisch (6,9 Prozent) hervor.

          Dividendenkönig FMC

          Das höchste Dividendenwachstum verzeichnete zuletzt das Verkehrstechnikunternehmen Schaltbau Holding, das seit 2006 die Dividende zehnmal angehoben hat, gefolgt vom Personaldienstleister Amadeus FiRe mit neun Anhebungen. An bekannten Namen befinden sich auf der Liste der Wachstumskönige auch der Internet-Konzern United Internet, der Anlagenbauer Gea oder der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub.

          Die meisten Dividendenanhebungen in Serie verzeichnet der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care (FMC) mit immerhin 18 Anhebungen – eine Ausnahmestellung. Fuchs Petrolub bringt es wie der FMC-Mutterkonzern Fresenius und die Deutsche Gewerbebau nur auf 13.

          Auf der Negativseite steht dagegen der Energiekonzern Eon, dessen Dividendenrendite trotz sinkender Kurse von knapp 7 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt 2,2 Prozent geschrumpft ist. Das zeigt auch die Tücke der Dividendenrendite als Kaufargument. Eine hohe Rendite sei nicht zwangsläufig ein Kaufsignal, sagt Tüngler. Manchmal sei sie schlicht ein Hinweis auf akute Probleme mit dem Geschäftsmodell. Dem sinkenden Kurs folge dann in der Regel recht schnell auch eine Reduzierung der Gewinnausschüttung. Insgesamt scheinen Dividenden eben doch nicht „die neuen Zinsen“ zu sein, wie die Aktien mittlerweile manchmal beworben werden. Das sei aufgrund des mit Aktien durchaus verbundenen Risikos ein hinkender Vergleich, so die DSW.

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