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Dividende : Aktionäre bekommen weniger

Dividende nur noch symbolisch Bild: AP

Die Ausschüttungen der im Dax notierten Unternehmen dürften im laufenden Jahr von 28 auf 24 Milliarden Euro sinken. Die Stunde der Wahrheit beginnt am Freitag mit der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp.

          Die Dividendensaison 2009 wird den Aktionären kein neuerliches Rekordjahr bescheren. Nach fünf Jahren in Folge mit steigenden Dividendenzahlungen gehen die Analysten im Durchschnitt von einer Dividendenzahlung von gut 24 Milliarden Euro der Dax-Konzerne für das Geschäftsjahr 2008 aus. Das wären 4 Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor. Die Ausschüttungen lägen damit aber noch höher als für 2006 und für alle Jahre davor.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Große Kürzungen erst im kommenden Jahr erwartet

          „Im Sinne der Dividendenkontinuität senken die Konzerne in einer Wirtschaftskrise im ersten Jahr die Ausschüttungen oft nicht so drastisch“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. „Die große Anpassung gerade bei zyklischen Titeln wird erst im nächsten Jahr erfolgen.“ Dann sei es wahrscheinlich, dass Autokonzerne wie BMW und Daimler keine Dividende mehr zahlen werden. Schon jetzt würden einige Unternehmen trotz Verlusten Dividenden zahlen.

          Die meisten Dax-Konzerne haben im Jahr 2008 aber noch ordentliche Gewinne erwirtschaftet, und daran wollen sie auch ihre Aktionäre teilhaben lassen. Gleich 15 Dax-Unternehmen werden wohl ihre Ausschüttungen gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Spitzenreiter dürfte mit 3,5 Milliarden Euro abermals die Deutsche Telekom werden. Aber auch die Energieversorger Eon und RWE lassen sich mit Ausschüttungen von etwa 2,7 und 2,4 Milliarden Euro nicht lumpen. Beide Konzerne werden nach einhelliger Meinung der Analysten nach einem äußerst erfolgreichen Geschäftsjahr 2008 die Dividenden deutlich erhöhen.

          Niedrige Kurse, hohe Renditen

          Besonders verwöhnt werden dürften die Aktionäre des Düngemittelherstellers K+S. Hier rechnen die Experten nach einem Rekordgeschäftsjahr mit einer Verfünffachung der Dividende von 50 Cent je Aktie auf 2,50 Euro. In Relation zum Aktienkurs ergibt sich so eine Dividendenrendite von gut 7 Prozent.

          Ähnlich hohe oder sogar noch höhere Dividendenrenditen winken nach teils drastischen Kursverlusten bei einer ganzen Reihe von Dax-Konzernen. Die sehr hohe Dividendenrendite werten Analysten jedoch als Indiz dafür, dass die Märkte die Ertragskraft der Konzerne schwinden sehen. Dividenden, wie sie dieses Jahr womöglich noch gezahlt werden, gelten im nächsten Jahr in dieser Höhe gemeinhin als unwahrscheinlich.

          Schuld sind die Banken

          Insgesamt rechnen die Analysten neben den 15 Dax-Werten mit steigenden Dividenden bei 8 Konzernen mit konstanten Zahlungen. Dass es insgesamt jedoch zu einem klaren Rückgang der Dividenden kommen wird, liegt an den Finanzwerten. Die Deutsche Bank hat vorige Woche einen Verlust von knapp 4 Milliarden Euro gemeldet und ihre Dividende von 4,50 Euro auf 50 Cent gekürzt.

          Dass das größte deutsche Kreditinstitut überhaupt noch knapp 300 Millionen Euro an die Aktionäre ausschütten will, wird als symbolischer Akt gewertet. Die Aktionäre wird es kaum trösten. Im Vorjahr erhielten sie noch mehr als 2,5 Milliarden Euro. Zudem mussten die Aktionäre zusehen, wie der Aktienkurs von 80 Euro vor einem Jahr auf nun knapp 18 Euro fiel.

          Noch betrüblicher ist die Lage bei der Commerzbank und der Postbank. Hier werden die Aktionäre gar keine Ausschüttung mehr bekommen. Im Vorjahr gab es noch für jede Commerzbank-Aktie einen Euro und damit insgesamt gut 700 Millionen Euro für die Aktionäre. Die Postbank-Anteilseigner hatten noch 1,25 Euro je Aktie erhalten und damit etwa 270 Millionen Euro. Allianz-Aktionäre werden wohl 500 Millionen Euro weniger als im Vorjahr erhalten, die Münchner- Rück-Eigentümer könnten hingegen sogar mit einer Ausschüttung in Vorjahreshöhe rechnen.

          Neben den Finanzwerten dürften auch Daimler, BMW und die Lufthansa weniger ausschütten. Traditionell ohne Dividende werden die Infineon-Aktionäre bleiben. Am Freitag beginnt die Dividendensaison mit der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp in Bochum. Am nächsten Dienstag lädt Siemens seine Eigentümer nach München. Beide Konzerne beenden wie Infineon ihr Geschäftsjahr bereits im September. Die Unternehmen, die im Dezember ihren Jahresabschluss haben, schütten allesamt im April und Mai ihre Dividenden aus.

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