https://www.faz.net/-gv6-8id14

Aktien-Analyse : Disney trotzt den Tragödien von Orlando

  • -Aktualisiert am

Der erste Disney-Vergnügungspark in China wurde letzte Woche eröffnet. Bild: AP

Die Eröffnung eines Parks in China wird überschattet. Die Analysten trauen der Aktie trotzdem viel zu.

          Für Bob Iger, den Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Unterhaltungskonzerns Walt Disney, sollte es eine triumphale Woche werden. Iger war nach Schanghai geflogen, um am Donnerstag den ersten Disney-Vergnügungspark in China zu eröffnen. Die schlimmen Nachrichten aus Orlando, dem Standort des Freizeitparks Disney World in Florida, überschatteten diese Festivitäten allerdings.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Erst hatte ein Attentäter in einem Nachtclub der Stadt am vorvergangenen Wochenende 49 Menschen mit einem Sturmgewehr getötet. Der später von der Polizei erschossene Schütze gab sich als islamistischer Terrorist aus und soll zuvor auch mehrfach Disney World als potentielles Anschlagsziel ausgekundschaftet haben. Nach dem Terroranschlag hatte Disney die Sicherheitsvorkehrungen in den Parks erhöht und eine Million Dollar für einen Opferfonds gespendet.

          Am vergangenen Dienstag kam dann am Strand eines künstlich angelegten Sees in einer Disney-Hotelanlage ein zweijähriger Junge durch einen Alligator-Angriff ums Leben. Erst nach einer 17 Stunden langen Suche fanden Taucher die Leiche des ertrunkenen Kleinkinds, das vom Alligator unter Wasser gezogen wurde. Iger schickte den Leiter der Freizeitpark-Sparte sofort aus Schanghai zurück nach Orlando. Der Konzern gab eine Pressemitteilung heraus, um der betroffenen Familie im Namen der „am Boden zerstörten Mitarbeiter“ ihr Mitgefühl angesichts des „tragischen Unfalls“ auszudrücken. Iger telefonierte zudem mit der Familie des Jungen.

          Das sind alles richtige Schritte, wie ein Unternehmen auf solche Krisensituation reagieren muss. Aber dabei dürfte es nicht bleiben. Die ersten, auf Schadensersatzklagen und Personenschäden spezialisierten Rechtsanwälte haben Disney nach dem Alligator-Angriff schon Fahrlässigkeit vorgeworfen. Am Strand der Anlage, wo der Junge im flachen Wasser watete, standen zwar Schilder, die das Schwimmen untersagten.

          Vor Alligatoren wurde allerdings nicht gewarnt. „Das ist ein großer Fall von Schadensersatz und einer, den Disney besser hinter verschlossenen Türen löst. Wie kann man das Leben eines Kindes mit einer Summe bewerten?“, sagte Anwalt Nicholas Gerson aus Florida. Es wird über eine mehrstellige Millionen-Dollar-Summe spekuliert.

          Disney hat die Strände des Freizeitparks nach dem Angriff umgehend geschlossen und damit begonnen, neue Warnschilder für Alligatoren aufzustellen. In Florida ist es nicht ungewöhnlich, dass die Reptilien in Swimmingpools oder auf Golfplätzen auftauchen. Attacken auf Menschen sind gleichwohl selten. Viele Strände und andere öffentliche Plätze warnen Besucher aber vor der potentiellen Bedrohung. Disney ist in einer besonders prekären Lage, weil der Vergnügungspark Touristen aus aller Welt, darunter auch viele Deutsche, anzieht. Orlando zählt zu den meistbesuchten Städten in den Vereinigten Staaten.

          Die Gefahr für Disney liegt nicht nur in der Höhe des Schadensersatzes

          Der Aktienkurs von Disney hat auf die tragischen Nachrichten dennoch kaum negativ reagiert. In der vergangenen Woche steig der Kurs des Dow-Jones-Titels insgesamt um knapp 2 Prozent und erholte sich damit von zeitweiligen Verlusten. Am Montag legten die Titel im frühen Handel weiter um 1 Prozent zu.

          Die Gefahr für Disney liegt nicht nur in der Höhe des Schadensersatzes. Das Unternehmen muss vor allem vermeiden, dass es zu einem öffentlichen Verfahren oder einer Auseinandersetzung mit der Familie oder ihren Anwälten kommt, die das Bild des Konzerns und der Freizeitparks als „glücklichster Ort der Welt“ nachhaltig beschädigen könnte. Disney achtet gemeinhin peinlich genau auf dieses Image.

          Das Unternehmen hat nach Angaben der Fachpublikation „Hollywood Reporter“ schon das Drehbuch für die Dschungel-Kreuzfahrt geändert, eine der Attraktionen der Vergnügungsparks. Der Kapitän der „Jungle Cruise“ warnte die Eltern auf der Fahrt, auf ihre Kinder aufzupassen, weil es sonst die Krokodile tun würden - ein Spruch, der im Kontext dieser Woche nur noch makaber wirkt.

          Analysten an der Wall Street konzentrierten sich in ihren Kommentaren auf den neuen Freizeitpark in Schanghai. Die Meinungen waren gemischt. „Wir glauben nicht, dass Schanghai Disneyland für sich allein eine bedeutende finanzielle Triebfeder ist“, meinte Analystin Marci Ryvicker von der Bank Wells Fargo. Die Gelegenheiten, die sich möglicherweise in der Zukunft etwa durch die thematische Umsetzung von Filmen bieten, wollte Ryvicker nicht quantifizieren.

          Der Konzern hat sich darauf spezialisiert, neue Inhalte wie den erfolgreichen Film „Die Eiskönigin“ konsequent in anderen Bereichen des Konzerns zu Geld zu machen. Neben Fernsehserien, Spielzeug oder bedruckter Kleidung gehören dazu auch die Freizeitparks. Für den Analysten Anthony DiClemente von der japanischen Bank Nomura, der die Aktien von Disney zum Kauf empfiehlt, geht es nicht nur um einen Freizeitpark, sondern auch um den Vertrieb von Filmen und Verbraucherprodukten. „Es geht um die Marke von Disney auf der ganzen Welt. Es geht darum, eine Flagge in China zu hissen“, sagte DiClemente dem Fernsehsender CNBC. Es werde die Einnahmen von Disney „definitiv“ stützen.

          Weitere Themen

          Tesla unter Feuer

          „Roter Alarm“ : Tesla unter Feuer

          Kritik gab es am E-Auto-Pionier Tesla schon immer. Doch mittlerweile kommt sie auch von früheren Freunden.

          Das Leid der Fürsten

          Traditionsbank unter Druck : Das Leid der Fürsten

          Hilft striktes Kostenmanagement tatsächlich, schwierige Zeiten zu überstehen ? Der traditionsreichen Fürstlich Castell’schen Bank macht die Niedrigzinsphase besonders zu schaffen.

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Moskau und die Europawahl : Im Informationskrieg

          Kremltreue Kräfte wollen deutsche Wähler manipulieren. Frühere Agenten von CIA und NSA haben Indizien zusammengetragen, die Russland belasten. Eine Spurensuche.
          Ein kleines Boot im Illulissat-Fjord vor Westgrönland.

          Meeresanstieg um 2 Meter : Polarforscher verschärfen Warnung vor Eisschmelze

          Diese Warnung stellt alle Klimaberichte in den Schatten: Das Meer steigt um zwei Meter, 187 Millionen Menschen könnten in den nächsten drei Generationen ihr Zuhause verlieren. Ein beunruhigendes Klimawandel-Update von 22 Polarexperten.

          Nordkorea : Steigender Unmut, verschärfte Töne

          Beschlagnahmter Frachter, verstopfte Kommunikationskanäle: Monate nach dem gescheiterten Gipfel in Hanoi steht es nicht gut um den politischen Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel. Auf der Sachebene aber gibt es Hoffnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.