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Image-Kampagne : Hilfsaktion für die Aktie

Den Ort kennt jeder, das Geschäft kaum einer: Das Wissen der Deutschen über Aktien ist äußerst begrenzt. Bild: AFP

Die Aktie fristet hierzulande ein tristes Dasein: Von der Politik wird sie ausgegrenzt und von der Gesellschaft missverstanden. Die großen Direktbanken wollen ihr nun helfen.

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          Hilfsorganisationen werden üblicherweise für gute Zwecke gegründet. Dabei ist in der Regel unumstritten, dass der Zweck gut ist. Die „Aktion pro Aktie“ hat es in dieser Hinsicht deutlich schwerer. Sie will einer guten Sache helfen, die mehrheitlich nicht für gut befunden wird. Festgestellt hat dies eine Umfrage von Mitte 2014, die von den Direktbanken ING-Diba, Comdirect, Consors und DAB bei der Puls Marktforschung in Auftrag gegeben wurde.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das bevölkerungsrepräsentative Ergebnis bestätigt alle Vorurteile gegenüber Aktien und damit auch zahlreiche frühere Umfragen. Demnach sehen 46 Prozent der Befragten in der Aktie ein reines Spekulationsobjekt. 18 Prozent halten die Aktie für einen Kredit, den sie Unternehmen geben. 8 Prozent meinen, es sei eine Anlage ohne konkreten Wert dahinter und 3 Prozent sehen in ihr immerhin eine Urkunde, die man sich an die Wand hängen kann.

          Dass es sich bei einer Aktie um eine direkte Beteiligung an einem Unternehmen handelt, ist einem Gutteil der Bevölkerung schlicht nicht bekannt. Sichtbar wird dies auch in der Fokussierung der Bevölkerung auf den Aktienkurs. Nur 30 Prozent bejahen die Frage, ob es neben der Kursentwicklung einen weiteren Renditebestandteil gibt. Nur 22 Prozent nennen die Dividende. Dabei macht diese Ausschüttung des Unternehmensgewinns an die Aktionäre einen Gutteil der Aktienrendite aus.

          Deutsche überschätzen ihr Sparbuch

          Die Aktienrendite selbst wird dabei auch in dieser Umfrage weit unterschätzt. Gefragt nach der Dax-Entwicklung der vergangenen fünf Jahre nennen unter den sechs angegebenen Möglichkeiten nur 10 Prozent die Verdopplung, die es in der jüngsten Hausse tatsächlich gegeben hat. Fast genauso viele meinten, der Dax sei gefallen.

          Überschätzt wird hingegen die Rendite von Festgeld, Tagesgeld und Sparbuch. Tief sitzen zudem die Vorurteile gegenüber Aktien. 51 Prozent betrachten Aktien als nur für „Reiche“ geeignet. Die Direktbanken gewähren hierzu einen Blick in die rund 1,6 Millionen Depots ihrer Kunden: davon legt ein Drittel weniger als 2000 Euro an. Insgesamt die Hälfte der Depots erreicht ein Volumen von weniger als 5000 Euro, zwei Drittel bleiben unter 10.000 Euro.

          Die Einstiegshürde in Aktien ist zudem geringer als vielfach vermutet. Knapp ein Drittel der Befragten könnte sich vorstellen in Aktien Geld anzulegen, wenn dies schon mit kleinen Summen von weniger als 100 Euro möglich wäre. Dabei bieten die meisten Banken längst günstige Aktiensparpläne ab 50 Euro monatlicher Einzahlung an.

          Bank verdient wenig an Aktienkauf

          Ebenfalls skeptisch stimmt viele Anleger das hohe Risiko der Geldanlage in Aktien. 50 Prozent halten Aktien langfristig für sehr risikoreich. Dabei zeigt zum Beispiel das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts, dass ein am Dax orientiertes breit gestreutes Aktiendepot im Anlagezeitraum von mehr als zehn Jahren trotz Telekom-Aktie, Finanzkrise und Dotcom-Blase noch nie für Verluste, sondern in den meisten Fällen für sehr ansehnliche jährliche Renditen gesorgt hat.

          Das Kernanliegen der „Aktion pro Aktie“, die am Freitag in der Frankfurter Börse vorgestellt wurde, liegt damit zunächst in der Aufklärung der Bevölkerung. Eine Hürde zeigt sich dabei schon in der Umfrage. Hier meinten 61 Prozent, an Aktien verdienten vor allem die Banken. Mithin werden viele die Aktion als stark interessengeleitet bewerten.

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