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Aktien-Anlage : Diese Aktien gewinnen trotz Brexit-Crash hinzu

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Jede Menge Whiskey-Fässer von Diageo - dem weltweit tätigen Hersteller alkoholischer Getränke, dessen Aktien am Schwarzen Freitag gefragt sind. Bild: AP

Das überraschende Ja der Briten zu einem EU-Austritt hat Anlegern einen schwarzen Freitag beschert. Die Börsenkurse fielen oft im zweistelligen Bereich. Es gibt aber auch Aktien, die an einem solchen Tag gegen den Trend hinzugewinnen.

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          Der Ausgang des britischen Referendums traf die internationalen Finanzmärkte hart. Der überwiegende Teil der Marktteilnehmer hatte bis zuletzt darauf gesetzt, dass die Briten mehrheitlich für einen Verbleib in der EU stimmen. Als sich das Ja zum Ausscheiden abzeichnete, stürzten zunächst die Kurse in Asien und das britische Pfund ab. Der Nikkei in Tokio schloss 7,92 Prozent im Minus, der Hang Seng in Hongkong 2,9 Prozent im Minus.

          Das britische Pfund rutschte auf knapp 1,33 Dollar ab und erreichte damit den tiefsten Stand seit 1985. Binnen eines Tages verlor die britische Währung damit mehr als 10 Prozent an Wert. Auch der Deutsche Aktienindex kam gehörig unter die Räder und markierte den größten Kursverlust seit 2008. Auf breiter Front verloren im Dax die deutschen Standardwerte teilweise über 15 Prozent an Wert.

          Kursausschläge an den Aktienmärkten bieten aber neben Verkaufsmöglichkeiten auch im Gegenzug die Option, bei diversen Aktien günstig einzusteigen. Oder man „flüchtet“ in andere Depot-Positionen, die einem als Anleger vermeintlich mittel- bis langfristige bessere Renditepotentiale versprechen. Entsprechend ist an diesem „schwarzen Freitag“ beispielsweise Gold besonders gefragt.

          Das glänzende Edelmetall war am Freitag so teuer wie zuletzt vor mehr als zwei Jahren. Auch Goldminen-und Silberminen-Aktien sind besonders begehrt. Beispielsweise die britische Rangold Resources oder eine in Deutschland eher unbekannte Fresnillo. Beide Aktien klettern an diesem Brexit-Tag mehr als 10 Prozent.

          Der Brexit-Schock hat zudem Aktien aus der Konsumgüter- und Pharmabranche und auch aus dem Immobiliensektor am Freitag nur geringfügig getroffen. Entsprechend der Devise, dass Dinge des täglichen Bedarfs sowie Lebensmittel oder auch Medikamente auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten benötigt werden, gaben solche als defensiv bezeichneten Aktien im Vergleich zum Gesamtmarkt weit unterdurchschnittlich nach oder legten sogar zu.

          Unter anderem gewinnen Aktien wie British American Tobacco, der Verbrauchsgüter-Konzern Unilever sowie der Getränke-Konzern Diageo gegen den Trend, während der britische Leitindex „Footsie“ mit Verlusten von mehr als 7 Prozent zu kämpfen hat. Bekannte Pharma-Konzerne wie Glaxo Smith Kline und Astra Zeneca können ebenfalls ihre Aktionäre heute mit steigenden Kursen auf dem Börsenparkett angesichts der Verluste auf breiter Front.

          Im Dax verbuchten die Anteilsscheine von Henkel am frühen Nachmittag ein Plus von 0,2 Prozent. Sie profitierten zugleich auch von einem Zukauf: Der Konsumgüterkonzern stärkt sein Amerika-Geschäft mit der Übernahme des Waschmittelherstellers The Sun Products für 3,2 Milliarden Euro. Laut Berenberg-Analyst James Targett ist dies genau der Schritt, auf den viele schon gewartet hätten.

          „Die Investoren sind vorerst ratlos und suchen die sicheren Häfen“, begründete Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner die relative Stärke der als defensiv geltenden Unternehmen. „Qualität und Sicherheit bilden derzeit die beiden wichtigsten Kriterien der großen institutionellen Investoren, um in Aktien zu investieren.“

          Laut Bert Flossbach, Mitbegründer von Deutschlands größtem Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sind Ereignisse wie der Brexit auch Chancen. „Man schaut auf eine Firma und denkt: guter Laden, aber leider etwas teuer und dann kommt nun so eine Situation und da halte ich die Hand auf. Das ist der Tag, an dem ich möglicherweise mal diese oder jene Aktie zu dem Preis bekomme, zu dem ich sie immer mal haben wollte.“ Und bei hohen Risiken auf der Konjunkturseite, ob nun der Brexit oder auch Wirtschaftsrisiken in China oder die Präsidentenwahl in Amerika, blieben defensive Werte die erste Wahl und gehörten dann zu den „robustesten“.

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