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Wahlkampfspenden : Die Wall Street tendiert zu Hillary Clinton

  • -Aktualisiert am

Präsidenschaftskandidatin Hillary Clinton Bild: AFP

Donald Trump heuert einen ehemaligen Manager von Goldman Sachs als Spendensammler an, doch viele New Yorker Börsianer unterstützen lieber Hillary Clinton. An der Wall Street herrscht hohe Unsicherheit.

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          Die meisten spendablen Banker an der Wall Street scheinen sich die Demokratin Hillary Clinton als amerikanische Präsidentin zu wünschen. Die ehemalige Außenministerin erhielt zuletzt Geld von Spendern, die zuvor bei den Vorwahlen ausgeschiedene Republikaner finanziell unterstützt hatten. Das gilt besonders für Geldgeber moderaterer Kandidaten wie Jeb Bush, dem ehemaligen Gouverneur von Florida, und Marco Rubio, der den gleichen Bundesstaat im Senat vertritt. Nach einer Auswertung des „Wall Street Journal“, das sich auf Daten des überparteilichen Center for Responsive Politics stützt, hat Clinton im März 53 Prozent aller von Bankangestellten ausgestellten Wahlkampfschecks bekommen. Im vergangenen Jahr und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres lag ihr Anteil noch bei einem Drittel.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Bush gab den Vorwahlkampf nach enttäuschenden Ergebnissen im Februar auf. Rubio folgte ihm Mitte März. Clinton hat insgesamt 4,2 Millionen Dollar an der Wall Street eingesammelt. Allein im März belief sich die Summe auf 344.000 Dollar. Nach einer Analyse des überparteilichen Organisation Crowdpac haben mehr als 500 Geldgeber, darunter viele Wall-Street-Banker, die mehr als 200 Dollar an einen später ausgeschiedenen Republikaner gespendet hatten, seither Clinton unterstützt.

          „Sie wissen nicht viel über Trump“

          Das signalisiert eine hohe Unsicherheit an der Wall Street wegen des absehbaren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Trump ist die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner trotz großer innerparteilicher Bedenken praktisch nicht mehr zu nehmen, da alle seine Konkurrenten ausgeschieden sind. Der New Yorker Immobilienunternehmer hat führende Wirtschaftsvertreter mit seinen unorthodoxen Positionen und kontroversen Aussagen verunsichert. Er will unter anderem eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen, um illegale Einwanderung zu unterbinden. Dazu hat er sich wiederholt kritisch zu Freihandelsabkommen geäußert und China mit Strafzöllen gedroht.

          Eine Gruppe von vermögenden Hedgefondsmanagern, darunter der wegen seiner Staatsanleihen-Kampagne gegen die argentinische Regierung bekannt gewordene Milliardär Paul Singer, hatte eine konservative Lobbygruppe (Super PAC) finanziell unterstützt, die Trump stoppen wollte. Singer, der sich für Rubio ausgesprochen hatte, hält nach eigenen Worten allerdings weder Trump noch Clinton für akzeptabel.

          Clinton hat mit dem Wall-Street-Kritiker Bernie Sanders immer noch einen zähen Konkurrenten, führt aber deutlich bei den für die Nominierung nötigen Delegiertenstimmen. Sanders setzt Clinton wegen ihrer langjährigen Beziehungen zur Wall Street unter Druck, die sie unter anderem als frühere Senatorin von New York aufgebaut hat. „Wirtschaftsvertreter sind nicht davon überzeugt, dass Trump ein wirtschaftsfreundlicher Kandidat sein wird. Sie wissen nicht viel über Trump“, sagt der republikanische Lobbyist Ed Rodgers. „Hillary kennen sie. Und sie wissen, dass sie nicht wirtschaftsfeindlich ist.“

          Clinton von Sanders heftig kritisiert

          Spender aus der Finanzbranche sind auch die wichtigsten Geldgeber der Super PAC Priorities USA Action, die Hillary Clinton unterstützt. Insgesamt sind bis Ende März 18,7 Millionen Dollar aus der Finanzbrache in die Lobbygruppe geflossen. Eine Super PAC kann – im Gegensatz zu den Kandidaten selbst – unbegrenzte Summen von Einzelpersonen und Unternehmen einsammeln. Diese Organisationen dürfen ihre Strategie aber nicht direkt mit den Kandidaten oder der Partei koordinieren.

          Donald Trump hat seinen Wahlkampf bislang aus eigener Tasche sowie mit kleineren Spenden von Privatpersonen finanziert. Trump nutzte das wie Clintons Konkurrent Sanders gerne als Argument, um den politischen Einfluss der Finanzbranche auf Washington anzuprangern. Den Rest seines Wahlkampfs, der mehr als eine Milliarde Dollar kosten dürfte, will Trump allerdings nicht selbst finanzieren. Um das Spendensammeln professionell zu organisieren, hat Trump kürzlich die Position des Finanzchefs für seinen Kampagne mit Steven Mnuchin besetzt. Mnuchin ist Hedgefondsmanager und ehemaliger Manager der Investmentbank Goldman Sachs, die das Vorzeigebeispiel für den Einfluss der Wall Street in Washington ist.

          Zahlreiche ehemals führende Angestellte von Goldman Sachs bekleideten oder bekleiden Schlüsselpositionen in der Politik oder bei Aufsichtsbehörden. Hillary Clinton wird daher wiederholt von Sanders wegen einiger bezahlter Reden bei Goldman Sachs attackiert.

          Generell hält der Einfluss politischer Ereignisse auf Börsenkurse nicht lange an. Börsianer mögen allerdings keine Unwägbarkeiten. Anlagestrategen hatten die Kursschwankungen an der Wall Street in den ersten Monaten des Jahres jedenfalls auch auf den überraschenden Aufstieg von Sanders und Trump bei den Vorwahlen zurückgeführt.

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