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Geldanlage : Die Trump-Wette am Aktienmarkt

An der Frankfurter Börse gaben zuletzt die Pharmaaktien nach. Bild: dpa

Auch nach der ersten Pressekonferenz des künftigen amerikanischen Präsidenten tippen Anleger im Dunkeln. Was ist im Moment attraktiver: das Geld in amerikanische Aktien zu stecken - oder doch lieber in hiesige?

          Die erste Pressekonferenz von Donald Trump nach der Wahl hat die Börsen nicht erschüttert. Vor allem Pharmaaktien aber gaben nach. Trump hatte die hohen Preise und die Herstellung von Medikamenten außerhalb der Vereinigten Staaten kritisiert. Seine Worte wurden zum Teil so gedeutet, dass er die Medikamentenpreise deckeln könnte. „Wenn es sich die Unternehmen unter Donald Trump einfacher vorgestellt haben als unter Hillary Clinton, dann wurden sie gestern auf den Boden der Tatsachen geholt“, sagte Michael Hewson, Analyst von CMC Markets.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ließ schon am Mittwoch amerikanische Pharmaaktien wie Bristol-Myers Squibb und Alexion verlieren. Am Mittwoch gaben dann auch deutsche Pharmawerte wie Merck (minus 1,4 Prozent), Fresenius (minus 0,7 Prozent) und Bayer (minus 0,8 Prozent) im Deutschen Aktienindex Dax sowie Stada (minus 1,5 Prozent) im M-Dax nach.

          Für Enttäuschung sorgte, dass Trump sich kaum zu seinen Plänen für eine expansivere Fiskalpolitik äußerte - weder konkretisierte er sein Infrastrukturprogramm, noch gab es Details zu den in Aussicht gestellten Steuererleichterungen. Der „Trumpflation“-Trade, also die Hoffnung der Investoren auf ein Konjunkturpaket, stehe damit weiterhin auf wackligen Füßen, kommentierte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

          DAX ®

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          Das schwächte den Dollar, der Euro konnte im Gegenzug auf den höchsten Stand des Jahres zulegen. Der amerikanische Aktienindex Dow Jones schloss am Mittwoch 0,5 Prozent im Plus auf 19.954 Punkten, am Donnerstag eröffnete er mit einem Minus. Der Deutsche Aktienindex Dax reagierte am Donnerstag unter anderem auf den teureren Euro und verlor 1,1 Prozent auf 11.521 Punkte.

          Dow Jones

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          Nach diesen ersten Erfahrungen mit einem öffentlichen Auftritt des künftigen amerikanischen Präsidenten kann man die Frage stellen: Was ist im Moment attraktiver für Anleger - das Geld in amerikanische Aktien zu stecken oder doch lieber in hiesige?

          Die Begeisterung deutscher Aktienstrategen für Amerika jedenfalls scheint im Moment nicht besonders groß zu sein. „Aus unserer Sicht spricht mehr für europäische als für amerikanische Aktien“, sagt Timo Schwietering, Kapitalmarktstratege des Bankhauses Metzler. Auf Sicht von fünf bis sieben Jahren werde der Aktienmarkt in Europa den in Amerika schlagen. In den vergangenen Jahren sei es eher umgekehrt gewesen.

          Dahinter stehe ein Paradigmenwechsel, die „Reflation“: „Wir stehen vor einer Phase mit mehr Inflation und Wachstum in der Welt“, sagte Schwietering. „Für dieses Jahr rechnen wir mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 Prozent, das ist das höchste seit 2012.“ Davon profitierten eher Value-Aktien, wie klassische Industriewerte und Banken in Europa, weniger Growth-Aktien wie Technologiewerte in Amerika. Auf eine Frist von fünf bis sieben Jahren werde man mit amerikanischen Aktien real 1 Prozent im Jahr verdienen können, mit europäischen 5,7 Prozent. Was Trump mache, sei hingegen noch eine Blackbox: „Die erste Pressekonferenz war nicht so, dass man viel davon ablesen kann.“

          Unter dem Blickwinkel des Wirtschaftswachstums sollte europäischen Aktien der Vorzug gegeben werden, meinte auch Michael Heise, der Chefvolkswirt der Allianz. Diese hinkten seit Jahren hinter dem amerikanischen Markt hinterher - obwohl das Wachstumstempo beider Regionen inzwischen gleichauf liege. Trotz stabilen Wachstums in beiden Regionen dürfte das Aktienmarktgeschehen sehr volatil werden.

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