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Lohnenswerte Anlage : Gut verdienen an der Auto-Maut

Aktien privater Mautbetreiber versprechen hohe Dividende und geringe Kursschwankungen Bild: dpa

Während in Deutschland noch über die Einführung der PKW-Maut gestritten wird, sind Mautfirmen bereits auf der ganzen Welt börsennotiert. Für Anleger sind sie attraktiv. Solange der Verkehr fließt.

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          Seit Wochen wird in Deutschland über die Pkw-Maut gestritten. Und über kaputte Brücken und fehlende Milliarden für die Instandhaltung der Straßen. Privates Kapital soll irgendwann helfen. Im Ausland ist man schon viel weiter. Dort betreiben private Unternehmen Autobahnen und Tunnel. Sie sind auch an der Börse zu kaufen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für die Anleger sind das interessante Aktien. „Sie zahlen hohe Dividenden, und die Kurse schwanken in der Regel nicht so stark wie bei anderen Aktien“, sagt Manoj Patel aus Chicago, Fondsmanager des Fonds DWS Global Infrastructure. Denn die Betreiber der Mautstraßen haben ein risikoarmes Geschäftsmodell: Die Preise sind in Verträgen mit dem Staat festgelegt und beinhalten teilweise sogar einen Inflationsausgleich. Sie wurden bisher fast nie zu Lasten der Betreiber verändert. Die Umsätze entwickeln sich kalkulierbar wie das Verkehrsaufkommen, das ähnlich wie das Wirtschaftswachstum um bis zu drei Prozent jährlich steigt. Auch die Instandhaltungskosten sind gut abzuschätzen.

          Reine Mautfirmen sind selten

          Die Gewinne schwanken daher wenig. „Sie wachsen jährlich zwischen 5 und 7 Prozent, in schlechten Zeiten auch einmal nur um 4 Prozent“, sagt Daniele Patti, Infrastrukturanalyst der Fondsgesellschaft AGI. Die Margen sind hoch und betragen bis zu 50 Prozent.

          Von solchen börsennotierten Mautunternehmen gibt es weltweit nur knapp 20. Einige haben ihren Sitz in Südeuropa wie Vinci, Eiffage oder Atlantia und betreiben Autobahnen in Italien, Frankreich und Spanien. Einige chinesische Highway-Betreiber sind an der Börse in Hongkong notiert, aus Australien kommen Transurban und Macquarie Atlas Roads, andere Firmen sitzen in Südamerika und Mexiko. Die wenigsten Gesellschaften sind reine Straßenbetreiber, andere führen auch Flughäfen. Die meisten haben zudem eine große Bausparte integriert.

          Besonders schwankungsarm sind die Aktien der reinen Mautfirmen. Ist auch noch Baugeschäft enthalten, pendeln die Aktien stärker und sind weniger margenstark. Im Konjunkturabschwung leiden sie mehr, im Aufschwung haben sie aber mehr Potential nach oben.

          Derzeit ist eigentlich eine gute Zeit für die Betreiber von Mautstraßen. „Die Spritpreise sind niedrig und bremsen daher nicht das Wachstum des Straßenverkehrs“, sagt Analyst Patti. „Der schwache Euro hilft den Exportunternehmen, die ihre Waren auch über die Autobahnen transportieren. Und niedrige Zinsen erleichtern die Refinanzierung der Investitionen.“

          Infrastrukturfonds bieten Sicherheit

          Der große Störenfried ist derzeit allerdings die Konjunktur. Denn die Aktien sind eine Wette auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Verbessert sie sich, werden mehr Waren auf der Straße transportiert und die Menschen können es sich leisten, mehr Auto zu fahren. Das belastet derzeit die Mautfirmen in Südeuropa, wo die Wirtschaft schwächelt.

          Und trotzdem: Die Aktie einer der größten reinen Mautunternehmen, der italienischen Atlantia, ist bis zum Sommer stärker als der Gesamtmarkt gestiegen, obwohl die Konjunkturaussichten des Landes schlecht sind. Das liegt daran, dass Atlantia auch lukrative Flughäfen betreibt und Straßen außerhalb des Landes, etwa in Chile und Brasilien, wo eine wachsende Mittelschicht mehr Auto fährt. Zum anderen ist es wegen der bergigen Topographie Italiens anders als in Spanien nicht so attraktiv, auf der kostenlosen Landstraße zu fahren.

          Das spricht gegen die spanische Firma Abertis, deren Konzessionsverträge zudem viel kürzere Laufzeiten haben. Attraktiver erscheint ein Investment in die spanische Baufirma Ferrovial, die einen bedeutenden Teil der Gewinne aus Mautstrecken in Kanada und den Vereinigten Staaten erzielt. Wer ganz mutig ist, kann in die mexikanische Firma Pinfra einsteigen, die vom Aufschwung des Landes profitiert. Wer es lieber etwas sicherer mag, kauft Infrastrukturfonds. Sie investieren nicht nur in Mautunternehmen, sondern auch in Baufirmen, Energie- und Telekom-Netze.

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