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Prominente Vorbilder : Die Lemminge der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Wenn Warren Buffett dran leckt, muss es unbedingt gut sein? Bild: Reuters

Privatanleger kopieren häufig Ideen berühmter Börsenprofis. Jüngstes Beispiel für diese Reflexreaktion ist der Einstieg von Warren Buffetts Berkshire Hathaway bei Apple. Zahlt sich das aus?

          3 Min.

          Seit Berkshire Hathaway, die Anlagegesellschaft des Multimilliardärs Warren Buffett, Anfang der vergangenen Woche in einer Pflichtmitteilung eine neue Beteiligung an Apple meldete, sind die Aktien des kalifornischen Elektronikkonzerns an der Wall Street wieder en vogue. Der schon geraume Zeit unter Druck stehende Apple-Kurs ist seither um fast 7 Prozent gestiegen. Allein am ersten Tag war der Börsenwert von Apple um gigantische 18 Milliarden Dollar angeschwollen. Das entspricht fast dem gesamten Börsenwert der Deutschen Bank. Die Euphorie der Börsianer ließ auch nicht nach, als klar wurde, dass Buffett selbst mit der Entscheidung gar nichts zu tun hatte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Den Kauf von Apple verantwortete vielmehr einer seiner beiden designierten Nachfolger in der Rolle des Chefanlegers von Berkshire, also einer der ehemaligen Hedgefondsmanager Todd Combs oder Ted Weschler. Sowohl Combs als auch Weschler verwalten jeweils rund 9 Milliarden Dollar des insgesamt 130 Milliarden Dollar schweren Aktienportfolios von Berkshire und sprechen sich bei ihren Entscheidungen nicht vorher mit Buffett ab. Aber Buffett hatte die beiden immerhin zu Berkshire gelockt und wiederholt öffentlich gelobt. Das reichte vielen Anlegern offenbar, um in einer Reflexreaktion Apple-Aktien zu kaufen, solange der Starinvestor über einige Ecken damit zu tun hat.

          Studie bezweifelt langfristigen Nutzen

          Derartige Reaktionen auf die Anlageentscheidungen von Börsenstars a là Buffett sind nicht ungewöhnlich. Viele Anleger kopieren auch die Anlagen von großen Hedgefonds – Lemmingen nicht unähnlich. Es gibt sogar Indizes, die den bekannten Lieblingsaktien von Hedgefonds folgen. Doch lohnt es sich für Privatanleger, auf den Zug aufzuspringen? Für langfristig orientierte Anleger steht das eher in Frage, obwohl kurzfristig starke Kursbewegungen der entsprechenden Aktien nicht ungewöhnlich sind.

          Anleger, die Apple nach der Mitteilung von Berkshire gekauft hatten, reagieren auf alte Informationen. Große Anleger, darunter Hedgefonds, müssen ihre Positionen im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar nämlich erst 45 Tage nach dem Ende des jeweiligen Quartals offenlegen. Falls Berkshire die Aktien früh im ersten Quartal erworben hat, sind bis zur Meldung möglicherweise schon mehr als vier Monate vergangen. Im Fall von Berkshire, die Aktien in der Regel länger halten, kann man davon ausgehen, dass sich die Aktien weiter im Portfolio befinden. Schnell agierende Hedgefonds haben die Papiere aber möglicherweise schon vor der Mitteilungsfrist wieder abgestoßen. Zudem müssen nicht alle Positionen in der sogenannten Form 13(f) offengelegt werden. Wenn es die Anlagestrategie beeinträchtigen würde, erlaubt die Börsenaufsicht SEC, Anlagen geheim zu halten. Die Mitteilungspflicht betrifft zudem nur amerikanische Aktien, die die Fonds gekauft haben. Wetten auf fallende Kurse über sogenannte Leerverkäufe, ausländische Titel oder Termingeschäfte, mit denen sich ebenfalls auf Aktien setzen lässt, sind nicht in der Mitteilung enthalten.

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