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Kritische Rahmenbedingungen : Stahlaktien in der Krise

  • -Aktualisiert am

Mit Aktien von Stahlproduzenten wie ThyssenKrupp hatten Anleger zuletzt keine große Freude. Bild: dpa

Preisdruck, weltweite Stahl-Überkapazitäten und eine schwache Nachfrage. Alles keine guten Argumente, sich als Anleger die seit Jahren schwächelnden Stahlkonzerne anzuschauen. Oder vielleicht genau deshalb?

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          Stahlaktien gehören zu den Verlierern des zu Ende gehenden Börsenjahres 2015. Die Renditen für Aktionäre sind alles andere als stahlhart. Nicht eine der bekannteren Aktien aus der Branche konnte auf Sicht der vergangenen 12 Monate den Anteilseignern einen Gewinn im Depot einbringen: Mit dem Papier von Arcelor-Mittal, dem weltgrößten Stahlhersteller, haben Investoren knapp 60 Prozent verloren. Mit Thyssen-Krupp ging es gut 15 Prozent in den Keller, Salzgitter kommt immerhin nur auf einen Verlust von knapp 2 Prozent, während die österreichische Voestalpine bisher mit einem Minus von 11 Prozent auskommen muss. Und auch der Stahlhändler Klöco musste Federn lassen. Aktionäre haben bisher auf Sicht von zwölf Monaten hier enen Verlust von 12 Prozent gemacht.

          KlöCo musste gerade vor zwei Wochen seinen Anteilseignern erklären, dass man einen hohen Jahresverlust erwarte. Das Duisburger Unternehmen hatte eingeräumt, 2015 einen Verlust von 350 bis 380 Millionen Euro zu erwarten. Grund seien hohe Wertberichtigungen auf das kriselnde Amerika-Geschäft sowie Restrukturierungskosten in Europa. Das Marktumfeld für Stahl- und Metallprodukte in den Vereinigten Staaten habe sich schlechter als allgemein erwartet entwickelt. Seitens der Analysten kamen schnell die ersten Kommentare. Die Wertberichtigungen seien eine „klar negative Überraschung“, schrieben die Analysten der DZ Bank, und ein Indiz dafür, dass die Lage bei Klöco weiter schwierig bleiben werde - wohl eine richtige Einschätzung der Aktienexperten der Genossenschaftsbank. Denn der Konzern kämpft mit Preisdruck, weltweiten Stahl-Überkapazitäten und einer schwachen Nachfrage.

          China drückt auf die Weltmärkte

          Konzernchef Gisbert Rühl hatte deshalb die KlöCo-Anleger bereits auf magere Ergebnisse im laufenden Jahr eingestimmt, eine Besserung sei erst 2016 in Sicht. Und natürlich gab es auch einen hausgemachten Grund für die Misere. „Stahl aus China drückt auf die Weltmärkte und damit auf die Preise in Nordamerika und Europa“, klagte er. In den ersten neun Monaten 2015 hatte der Konzern einen Verlust von 85 Millionen Euro ausgewiesen, im Vorjahr stand noch ein Gewinn von 26 Millionen Euro in den Büchern. In 2016 will man sich aus der Verlustzone heraus kämpfen - dabei soll auch ein Sparprogramm helfen. Ob diese Maßnahmen jedoch reichen, den Stahlhändler wieder profitabel und für Anleger attraktiv zu machen, wird sich zeigen. Die Klöco-Aktie ist schon seit Jahren ein Verlustgeschäft für Investoren. Auf Sicht der letzten fünf Jahre haben Anleger hier über 60 Prozent Verlust gemacht. Dabei zählt das Unternehmen in Europa und Nordamerika zu den führenden seiner Branche.Doch auch die Zukunft wird wohl nicht leichter werden.

          Die deutschen Stahlkocher mit Branchengrößen wie Thyssenkrupp und Salzgitter müssen sich auf ein Krisenjahr 2016 einstellen. Die deutsche Rohstahlproduktion werde im kommenden Jahr voraussichtlich um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen sinken, teilte der Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl jüngst mit. "Die Stahlindustrie befindet sich weltweit in der Krise, der sich auch die Stahlindustrie in Deutschland nicht entziehen kann", sagte Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff. Auch er wirft China  Dumpingpreise vor. Da in der Volksrepublik die Nachfrage schwächelt, drängten die dortigen Hersteller auf die Weltmärkte. Seit 2012 habe China seine Exporte mehr als verdoppelt. Die Politik sei nun am Zug, um faire Handelsbedingungen durchzusetzen. Handelsschutz-Instrumente der EU müssten konsequent umgesetzt und es müsse auch über Verschärfungen nachgedacht werden. Auch dürfe es für die Industrie in Europa nicht zu neuen Belastungen durch den Klimaschutz kommen, forderte Kerkhoff. Erst im November hatte der Verband seine Jahresprognose für 2015 kassiert - er rechnet nun mit einer Stagnation der Rohstahlproduktion in Deutschland bei 42,9 Millionen Tonnen anstatt eines Wachstums um einen Prozent. 2007 produzierten die Unternehmen hierzulande noch 48,3 Millionen Tonnen.

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