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Krise in China : Die neue Angst um die Weltwirtschaft

Gegenwärtig sind es die sinkenden Preise von Öl und anderen Rohstoffen, die an der Börse für Unruhe sorgen Bild: AP

Investoren sind beunruhigt: Rund um die Welt sinken die Preise für Rohstoffe. Der Dax verliert in wenigen Tagen 1000 Punkte. Sind die Sorgen um die Weltwirtschaft berechtigt?

          Die Krise in China und anderen Schwellenländern beunruhigt die Investoren in der ganzen Welt immer mehr. Auch am Donnerstag deutete die Kursentwicklung an den Finanzmärkten auf eine sich abzeichnende Krisenstimmung. Nach den deutlichen Vortagesverlusten büßte der Dax bis kurz vor Handelsschluss 1 weiteres Prozent auf 10575 Punkte ein. Der Euro Stoxx 50, Leitindex für den Euroraum, verlor 1,2 Prozent auf 3390 Punkte. Abermals waren die Kursverluste an den chinesischen Börsen der Auslöser. Der Leitindex der Börse in Schanghai gab um 3,4 Prozent nach. Auch in Hongkong gaben die Kurse deutlich nach. Gefragt waren dagegen sichere Häfen. Hierzu zählen deutsche Bundesanleihen, die hohe Kursgewinne verzeichneten. Damit verbunden sank die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihe bis auf 0,57 Prozent, den niedrigsten Stand seit dem 2. Juni.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Blick der Anleger hat sich in diesen Tagen geweitet. Vorbei die Zeit, als die Verhandlungen im kleinen Griechenland Tag für Tag die Börsen beeindrucken konnten. Im Augenblick beschäftigt eine viel grundlegendere Frage die Finanzmärkte: Wie geht es weiter mit dem Wachstum der Weltwirtschaft? Die letzten Prognosen etwa vom Internationalen Währungsfonds waren zwar zuversichtlich gewesen. Aber da hatte man die Sorgen um China auch noch nicht so im Blick wie jetzt. Das billige Öl war stets als Grund dafür genannt worden, dass die Weltwirtschaft sich in nächster Zeit gut entwickeln werde. Nicht überragend zwar, die Zeiten wirklich hoher Wachstumsraten schienen erstmal vorbei. Aber doch immerhin 3,5 Prozent Wachstum für 2015 und 3,8 Prozent für 2016 wurden vorhergesagt.

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          Doch nun nimmt die Skepsis zu. „Das Beste liegt hinter uns“, so der am Donnerstag veröffentlichte Kommentar von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Die Entwicklungsländer wie etwa China fallen seiner Ansicht nach mehr und mehr als Wachstumslokomotiven aus. Diese Rolle müssten nun Industrieländer, insbesondere die Vereinigten Staaten, Deutschland und Großbritannien einnehmen. Doch sie kämpften nach der Finanzkrise mit einer zunehmenden Regulierung des Finanzsektors und einer Investitionszurückhaltung. Bielmeier erwartet in den kommenden Jahren eine konjunkturelle Abkühlung in den Industrieländern. „Die Aktienmärkte sollten hiervon in Mitleidenschaft gezogen werden und das Zinsniveau sollte noch länger sehr niedrig bleiben“, lautet sein Fazit.

          Gegenwärtig sind es die sinkenden Preise von Öl und anderen Rohstoffen, die an der Börse für Unruhe sorgen. Sie werden – zumindest von manchen – als Zeichen dafür gedeutet, dass es um die Weltwirtschaft womöglich schlechter bestellt ist als gedacht und der Hunger der Industrie nach Öl und anderen Produktionsmaterialien deshalb schon bald nachlassen könnte. Der Preis für Rohöl ist immer weiter gesunken, für die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) noch stärker als für die hierzulande relevantere Nordsee-Sorte Brent. Mit 40,21 Dollar je Fass (159 Liter) erreichte WTI am Donnerstag sein Sechseinhalb-Jahres-Tief, Brent fiel zeitweise auf 46,31 Dollar und notierte damit so tief wie zuletzt Mitte Januar.

          Auch die Preise für die meisten Industriemetalle sind stark gesunken, lediglich Gold konnte von der Entwicklung ein wenig profitieren. Es kostete mit 1142 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) am Donnerstag zeitweise so viel wie seit fünf Wochen nicht mehr. Ähnlich wie Anleihen von Staaten mit höchster Kreditwürdigkeit gilt auch das Edelmetall als sicherer Hafen. In unruhigen Zeiten flüchten die Anleger dorthin. Die Unruhe belegt ein etwas längerer Blick auf die Entwicklung an den Aktienmärkte in den vergangenen Tagen. Der Dax hat seit Montag vergangener Woche, als die Sorgen um China zunahmen, schon mehr als 1000 Punkte verloren.

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