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Sechs Jahre nach der Rettung : Hypo Real Estate kommt zurück an die Börse

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Hypo Real Estate klingt so unfreundlich... Bild: dpa

Der Name Hypo Real Estate klingt schlecht in den Ohren deutscher Anleger. Nun kommt die mit viel Geld vom Bund gerettete Bank zurück an die Börse - unter neuem Namen mit altem Geschäft.

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          Der Name „Hypo Real Estate“ (HRE) ist in Deutschland fest verbunden mit der Finanzkrise, die vor einigen Jahren die Börsen und die Welt erschütterte. Aus dem Nachlass will nun der Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland, die daraus ausgegliederte Hypothekenbank PBB (Pfandbriefbank) an die Börse bringen.

          Damit kehrt die HRE als PBB zu ihren Wurzeln zurück. Im Oktober 2003 hatte die damalige Hypo-Vereinsbank (HVB) die auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen spezialisierte Gesellschaft an die Börse gebracht. Damals wurde der gesunde Teil der angeschlagenen ehemaligen HVB Real Estate ausgegliedert, während die HVB viele der Risiken übernahm und die Bank mit frischem Kapital ausstattete.

          Jetzt werden bis zu 80 Prozent der Anteile an der neuen PBB in einer Preisspanne von 10,75 bis 12,75 Euro angeboten. Der Staat bleibt mit 20 Prozent zunächst für mindestens zwei Jahre Großaktionär. Gezeichnet werden können die bis zu 107,6 Millionen Aktien seit Mittwoch und noch bis zum 15. Juli. Es wäre der größte Börsengang dieses Jahres in Deutschland.

          Die PBB wird mit dem 0,56- bis 0,66-fachen des auf knapp 2,6 Milliarden Euro veranschlagten Buchwerts ihrer Kredite und Papiere taxiert. Das ist weniger als der größere Wettbewerber Aareal Bank, der mit mehr als dem 0,8-fachen bewertet wird.

          Doch die Ertragskraft der PBB war 2014 nicht berauschend. Auch wenn sie von den meisten Altlasten der Finanzkrise befreit ist, so trägt sie ihre eigenen Belastungen mit sich. 2014 verbuchte das Institut von einen Gewinn von nur 4 Millionen Euro, nachdem 112 Millionen Euro herausgerechnet wurden, größtenteils Lasten aus ihren Verbindungen mit der österreichischen Pleitebank Hypo-Alpe-Adria, die heute Heta heißt.

          Aufholbedarf

          Dabei war das Geschäft so schlecht nicht gelaufen: Der für das Ergebnis im wesentlichen verantwortliche Zinsüberschuss war um mehr als 30 Prozent auf 421 Millionen Euro gestiegen und auch das – zwar weiter negative - Handelsergebnis hatte sich um 21 Millionen Euro verbessert. Insgesamt verzeichnete die PBB damit operative Erträge von 326 Millionen Euro.

          Das entspricht nahezu dem Gewinn, den die Aareal Bank in diesem Zeitraum eingefahren hat. Bei operativen Erträgen von 861 Millionen Euro verdiente sie 335 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss stieg wie bei der PBB um 30 Prozent. Damit steht die Aareal Bank deutlich besser da als die PBB.

          Bezogen auf 2014 wird die Aareal mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 7 gehandelt, die PBB mit 360 bis 428. Rechnet man die Heta-Belastungen heraus, so ergibt sich ein KGV von 12,5 bis knapp 15. Die PBB hat also etwas aufzuholen.

          Im ersten Quartal verbuchte die Bank einen Gewinn von 39 Millionen Euro bei operativen Erträgen von 93 Millionen. Das klingt schon deutlich besser, wenngleich der Gewinn im Vergleich zur Vorjahresperiode trotz leicht höhere Erträge gesunken ist. Die Aareal schnitt dagegen schwächer ab.

          Privatisierungspflicht wird erfüllt

          Die PBB will weiter als konservativer Immobilienfinanzierer auftreten. Mit einem Neugeschäft von neun Milliarden Euro sieht man sich als drittgrößter Kreditgeber in diesem Bereich in Deutschland. Im ersten Quartal reichte sie 2,7 Milliarden Euro an neuen Krediten aus, im zweiten Quartal kaum weniger. Daneben finanziert die PBB noch staatliche und kommunale Infrastruktur-Projekte; hier läuft das Neugeschäft allerdings laut Prospekt eher schleppend. Die Bank prüfe eine Ausweitung des Geschäfts auf andere Märkte.

          Die Pfandbriefbank lockt Anleger mit der Aussicht auf eine Dividendenquote von 40 bis 50 Prozent ihres Jahresgewinns. 2015 muss sie dabei freilich eine Abschreibung von rund 80 Millionen Euro auf Anleihen der früheren österreichischen Hypo Alpe Adria (HGAA) wettmachen, die voraussichtlich nur teilweise getilgt werden.

          Der erhoffte Milliardenerlös fließt vollständig der Bundesregierung zu, die damit ihre Pflicht zur Privatisierung vorzeitig erfüllen will, die ihr von der EU-Kommission als Auflage für die Rettungsaktion in der Finanzkrise gemacht worden war. Den Verkauf an einen Finanzinvestor oder einen ausländischen Konkurrenten hatte der Bund seinerzeit verworfen

          Eher für anglo-amerikanische Investoren

          Ob sich deutsche Privatanleger für die Aktie werden erwärmen können, ist angesichts der Unternehmensgeschichte nicht wirklich wahrscheinlich. Mit der Emission sollen daher vor allem institutionelle Anleger aus Amerika und England angesprochen werden.

          Nimmt man vorbörsliche Kurse als Indiz, so gibt es Interesse. Beim Händler Schnigge und auf der Plattform Tradegate wird die Aktie mit Kursen zwischen 11,75und 12,70 Euro im oberen Bereich der Zeichnungsspanne gehandelt

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