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Börsennotierte Zulieferer : Die deutschen Apple-Profiteure

Apple-Vorstand Tim Cook bei der Präsentation der neuesten iPhone-Generation. Bild: AP

Im iPhone stecken viele Bauteile deutscher Zulieferer. Diese Unternehmen sind für Anleger interessant.

          Tim Cook lässt die Fans und Mitarbeiter lange warten. Zu Tausenden sind sie in das Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco gekommen, um dem Apple-Chef zu lauschen. Das altehrwürdige Gebäude soll den Rahmen geben für die Präsentation der neuesten Errungenschaften von Apple. Es sind schon 82 Minuten vergangen, die Zuschauer haben schon alles zur neuen Apple-Uhr und zum vergrößerten iPad Pro erfahren, da spricht Tim Cook endlich über das aufgepeppte iPhone 6s, das wichtigste Produkt des wertvollsten Unternehmens der Welt. 60 Prozent der Apple-Umsätze stammen aus dem Verkauf der Smartphones.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein paar tausend Kilometer entfernt in Deutschland werden ebenfalls ein paar Apple-Eingefleischte die Show am Bildschirm verfolgt haben. Und auch ein paar deutsche Unternehmen, die wichtige Bauteile für Apples Geräte liefern. Ihr Geschäft hängt am Wohl und Wehe der Amerikaner. Diese Zulieferer sind teilweise börsennotiert, haben in den vergangenen Jahren spektakuläre Kursgewinne erzielt und damit vom Verkaufserfolg des iPhones profitiert. Analysten erwarten, dass Smartphones weiter sehr gefragt sein werden. Und dass deutsche Firmen darum weiter gute Geschäfte mit Apple und anderen Handyherstellern machen können.

          Zum Beispiel Dialog Semiconductor. Die schwäbische Firma baut Chips und Signalschaltungen für mobile Geräte. Auch wenn Dialog Semiconductor nicht auf der offiziellen Zuliefererliste steht, die Apple veröffentlicht, dürften bis zu drei Viertel des Umsatzes von Apple abhängen, schätzen Analysten. So hat sich der Aktienkurs seit Anfang 2014 fast verdreifacht. Werden die Apple-Geräte allerdings irgendwann weniger gefragt sein, wird Dialog Semiconductor dies deutlich spüren. Kein anderer deutscher Apple-Zulieferer ist so abhängig von den Amerikanern. Die Analysten sehen darin derzeit eine Chance. Zwei Drittel von ihnen empfehlen die Aktie zum Kauf. Das ist ein sehr hoher Anteil. Unter den deutschen Apple-Zulieferern ist „Dialog“ der Favorit der Analysten.

          Ähnlich positiv sehen sie die Aussichten des Reutlinger Maschinenbauers Manz, der Anlagen zur Produktion von Displays herstellt, vor allem für den Glasschnitt und die Legierung. Apple lobt Manz auf seiner Homepage für den „wichtigen Beitrag für Apples Durchbruch in der Displaytechnologie“. Sogar über eine Übernahme von Manz durch Apple wurde spekuliert, was jedoch von Manz zurückgewiesen wurde. Der Aktienkurs hat sich seit Anfang 2013 zwischenzeitlich verfünffacht. Dabei profitierte der Kurs auch von der Abkehr des Unternehmens vom kriselnden Solargeschäft. Seit April ist die Aktie in den allgemeinen Börsenabschwung hineingeraten. Der Kurs ist dabei auf das Niveau zum Jahresanfang gefallen. Aber auch bei Manz empfehlen zwei Drittel der Analysten die Aktie zum Kauf.

          Kräftig profitiert hat vom Smartphone-Boom ebenfalls LPKF aus der Nähe von Hannover. Das Unternehmen baut Maschinen und Laser, mit denen sich feinste Leiterbahnen direkt in Kunststoffgehäuse integrieren lassen. Handy- und Tablet-Hersteller haben diese Technik in großem Stil genutzt und dort zum Beispiel die Antennen eingebaut. Das Verfahren spart Platz und erhöht die Effizienz. Der Aktienkurs hat sich zwischen 2012 und 2014 vervierfacht. Doch seitdem hat LPKF ein Problem. Die Handyhersteller sind mit den Lasern ausgestattet und brauchen derzeit keine neuen Maschinen. Der Markt ist weitgehend gesättigt. LPKF hat das zwar kommen sehen, aber das Ausmaß unterschätzt. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz, und die Firma machte Verluste. Der Aktienkurs ist kräftig eingebrochen und notiert so tief wie seit Anfang 2013 nicht mehr. LPKF hat jetzt ein Sparprogramm aufgelegt, mit dem das Unternehmen 2016 wieder profitabel wachsen will. Entlassungen konnten zwar bisher vermieden werden, aber es wird kaum mehr neu eingestellt, Gehaltserhöhungen fallen aus, das Weihnachtsgeld ist ans Ergebnis gekoppelt. Die Analysten sind noch nicht überzeugt. Kauf- und Verkaufsempfehlungen halten sich die Waage. LPKF ist eine Aktie für risikofreudige Anleger, die auf die Wende setzen. Kommt sie, locken hohe Kursgewinne.

          Neben diesen meist mittelständischen Zulieferern gibt es auch einige Großunternehmen, die vom Smartphone-Boom profitieren. Sie haben aber ein breites Produktangebot, ihre Gewinnentwicklung und damit auch der Aktienkurs hängen nicht so stark vom Geschäft mit den Handyproduzenten ab wie bei den Mittelständlern. Osram zum Beispiel. Die Münchner, die sich erst 2013 von Siemens abspalteten, bauen unter anderem Leuchtdioden für Blitzlicht oder die Displaybeleuchtung. Und Dioden für die Helligkeitsanpassung, für die berührungsempfindlichen Displays oder zur Entsperrung. Die Tochtergesellschaft Opto Semiconductors macht ungefähr 20 Prozent des Umsatzes von Osram aus, wobei nicht bekannt ist, wie wichtig Handyhersteller dabei sind. Die Kursentwicklung war zuletzt erfreulich. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Kurs fast verdoppelt. Die Analysten sind vorsichtig optimistisch. Zumindest gibt es doppelt so viele Kauf- wie Verkaufsempfehlungen. Die meisten raten aber zum Halten der Aktie.

          Selbst einige Dax-Unternehmen haben Apple & Co. als Kunden. Henkel liefert zum Beispiel Klebstoffe und Schutzlacke. Was der Chiphersteller Infineon verkauft, ist nicht veröffentlicht. Vermutlich sind es Komponenten für die Netzteile. Das Geschäft macht aber bei den Dax-Firmen nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes aus. Auf einen weiteren Erfolg der Apple-Produkte wetten Anleger also eher mit den Aktien der mittelständischen Zulieferer.

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