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Fintech : Die Deutsche Bank wird zum Marktplatz

Die Deutsche Bank will neue Wege gehen. Bild: Cornelia Sick

Im Wettbewerb mit der digitalen Konkurrenz holt die Deutsche Bank zum Gegenangriff aus. Mit neuer App, Robo-Beratern und ungewöhnlichen Kooperationen versucht sie sich selbst als Fintech.

          Die Privatkunden der Deutschen Bank können demnächst über ihr Online-Konto auch Geld auf Tagesgeldkonten bei anderen Banken im Ausland anlegen. Dort werden häufig höhere Zinsen gezahlt als in Deutschland, durch die zunehmende Vereinheitlichung der Einlagensicherung in der Europäischen Union ist das Geld aber zumindest rechtlich ebenso bis zu 100 000 Euro abgesichert. Auch ihre Online-Konten bei anderen deutschen Banken und Sparkassen können die Kunden demnächst über ihr Deutsche-Bank-Portal einsehen und bedienen, so dass sie das Onlinebanking der Konkurrenz selbst gar nicht mehr aufsuchen müssen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die beiden Zusatzangebote kooperiert die Deutsche Bank mit jungen Startups, die dafür die Technik entwickelt haben (Fintechs). Die Vermittlung an ausländische Tagesgeldanbieter läuft über das Hamburger Fintech Deposit Solutions, das über seine Internetseite Zinspilot.de schon heute deutsche Tages- und Festgeldanleger an Banken etwa in Großbritannien, Österreich oder Malta vermittelt, die teils noch mehr als 2 Prozent Zinsen zahlen. Den Zugriff auf die Konten bei anderen Banken ermöglicht das ebenfalls in Hamburg sitzende Fintech Figo, das sich auf die Aggregation von Finanzdaten konzentriert hat.

          Die Deutsche Bank nimmt Anlauf zum großen Sprung in die digitale Zukunft. Lange galten die deutschen Banken und Sparkassen in der Hinsicht lange als verschlafen, was es vielen kleinen Finanztechnologie-Start-ups ermöglichte, mit guten einfachen Ideen in einzelne Geschäftssparten vorzudringen. Am Dienstag zeigte die Deutsche Bank in ihrer Frankfurter Zentrale aber mit gleich mehreren Produkten und Initiativen, dass sie dem Treiben nicht länger tatenlos zusehen will.

          „Es geht nicht mehr um die Digitalisierung des Bankgeschäfts, es geht um die Zukunft des Bankings in einer digitalisierten Welt“, sagte Privatkundenvorstand Christian Sewing während eines Pressegesprächs. In dieser Welt, so die Vermutung der Banker, halten die Kunden nicht mehr einer Hausbank edel die Treue, sondern machen „Cherry Picking“, suchen sich also die besten Angebote für das jeweilige Finanzvorhaben - zum Beispiel die beste Hausfinanzierung oder das attraktivste Tagesgeldangebot auf einem Vergleichsportal.

          Die neuen Plattformen für die Digitalangebote der Bank sollen daher so konstruiert sein, dass andere Unternehmen ihre Angebote relativ einfach an die der Bank andocken können. Mit der Öffnung für Fintechs sollen die Kunden der Bank nun deren Geschäftsideen nutzen können, ohne dass sie der Bank den Rücken kehren müssen. So will sie auch ihre automatisierte Anlageberatung (Robo-Advisor) gemeinsam mit dem Frankfurter Softwareunternehmen Fincite so weit ausbauen, dass auch die Berater in den Filialen in ihren Kundengesprächen auf sie zurückgreifen können.

          Kooperationen sind wichtig

          „Es war immer klar, dass wir die Digitalisierung nicht alleine schaffen können“, sagte Privatkundenvorstand Christian Sewing am Dienstag bei der Vorstellung dieser Kooperationen. Damit folgen sie der Strategie, die auch viele Fintechs inzwischen wählen - nämlich gute Angebote wie Legosteine miteinander zu kombinieren (F.A.Z. vom Samstag). 750 Millionen Euro will die Bank bis zum Jahr 2020 in die Digitalisierung ihres Privat- und Firmenkundengeschäfts investieren, den Löwenanteil der einen Milliarde Euro, die die Bank vor einem Jahr für Investitionen bekanntgegeben hat. Schon in wenigen Monaten sollen die Kunden über neue Internetlösungen zum Beispiel innerhalb weniger Stunden ein Konto eröffnen oder innerhalb von zwei Tagen eine Baufinanzierung abschließen können,

          In der nächsten Woche bringt die Bank ihre neue Konto-App auf den Markt, die ebenfalls in Fintech-Manier sehr einfach und übersichtlich zu bedienen ist und von jedem Kunden je nach persönlichen Vorlieben selbst gestaltet werden kann. Die Kontodaten für Überweisungen kann er ähnlich wie seine Kontaktadressen mit Fotos versehen, auch das Hintergrundbild der App kann er selbst wählen.

          Statt in langweiligen unübersichtlichen Listen sind die Kontoumsätze grafisch aufbereitet - in Donut-Form, wie sie bei der Bank sagen. In der nächsten Woche wird die App zunächst im iTunes-Store für Apple-Geräte erhältlich sein. In zwei Monaten soll dann die Variante für das Betriebssystem Android folgen, das die meisten anderen Smartphones und Tablets verwenden. Mehrfach betonte Sewing, wie wichtig für die Bank der mobile Zugang zu ihren Kunden sei. In wenigen Wochen werde der Punkt erreicht sein, an dem mehr als die Hälfte der Zugriffe auf das Onlinebanking über Mobilgeräte erfolge. „Der Kunde ist der Souverän geworden; er entscheidet frei, wann, wo und wie er mit der Bank in Kontakt tritt“, sagte Sewing.

          Um auch weiter am Puls der Zeit bleiben zu können, hat die Bank gerade ihr drittes „Innovation Lab“ eröffnet; nach Berlin und London will sie nun auch im Silicon Valley ganz nah an den neuesten Techniktrends sein und möglichst früh mit den Fintechs mit den besten Ideen zusammenarbeiten. Im Herbst soll noch ein weiteres in New York eröffnet werden. „Wir wollen für Fintechs erster Ansprechpartner in der Bankenwelt sein“, sagte Markus Pertlwieser, der die Digitalsparte im Privat- und Firmenkundengeschäft leitet.

          In Frankfurt baut die Bank daher gerade eine „Digitalfabrik“ auf. Mehr als 400 Softwareentwickler, IT-Spezialisten sowie Bankexperten aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft sollen darin gemeinsam an neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen arbeiten. Zudem soll es 50 Arbeitsplätze für externe Kooperationspartner aus der Fintech-Branche geben. Damit unterstütze die Bank auch die Initiative der Hessischen Landesregierung, die in Frankfurt gemeinsam mit mehreren Finanzplatzakteuren einen starken Fintech-Sektor aufbauen will, sagte Sewing.

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