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Hightech aus Aschheim : Die cleveren Jungs von Wirecard

Was Wirecard seinen Inhabern nicht bietet, ist eine stattliche Dividende. 16 Cent je Aktie sollen es für das Geschäftsjahr 2016 sein, zwei Cent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Ausschüttung am Konzernüberschuss ist von zwölf auf sieben Prozent zurückgegangen. Braun begründet dies damit, dass sich das Unternehmen als Wachstumswert verstehe: „Man sollte in Wirecard investieren, weil man an das Wachstum der Digitalisierung glaubt.“ Noch werden 85 Prozent der globalen Transaktionen bar abgewickelt, der Rest elektronisch mit Karte oder digital über Internet oder Apps. „Wir stehen erst am Anfang, das beginnt erst richtig anzuziehen“, sagt Braun.

„offline“ Fuß zu fassen ist schwierig

Dass der Boom im Online-Handel weitergeht und damit die digitale Zahlungsabwicklung kein Ende nimmt, darauf kann sich Wirecard verlassen. Schwieriger ist es, „offline“ Fuß zu fassen, also in den Geschäften in Innenstädten. Ladeninhaber tun sich schwer damit, ihre Kassen nachzurüsten oder sie durch moderne Terminals oder Tablets zu ersetzen. Das liegt auch daran, dass die Liebe der Deutschen zum Bargeld unverbrüchlich ist, auch wenn sie allmählich öfter mit Plastikkarte oder Smartphone bezahlen. Braun drückt sich diplomatisch aus, um die hiesige Eigenart zu beschreiben. „Der deutsche Konsument ist dem Komfort sehr aufgeschlossen, wird aber nie ein Vorreiter sein. Aber wenn immer mehr Menschen merken, dass sie ihren Kaffee einfach mit dem Smartphone bezahlen können, wollen sie so eine positive Erfahrung viel häufiger machen.“

Eine spezielle Gruppe nimmt das Angebot, in Deutschland per Smartphone zu bezahlen, gerne an: nämlich Chinesen, die zu Besuch sind. Seit Wirecard mit dem zu Alibaba gehörigen Bezahldienst Alipay 2015 eine Kooperation begonnen hat, haben Einzelhandelsketten wie Rossmann, Zwilling und Body Shop oder Warenhäuser wie Printemps ein kleines Zusatzgerät an ihren Kassen installiert und setzen darauf, dass die Chinesen ihrem Ruf als ausgabefreudige Touristen gerecht werden. Im Schnitt geben sie 3000 Euro im Urlaub aus, dreimal so viel wie Deutsche. „Digitalisierung erzeugt, wenn man es richtig macht, im stationären Handel eine direkte Umsatzsteigerung, vergleichbar wie wir sie im Online-Handel sehen“, sagt Braun.

Wirecard wächst deutlich stärker als der Markt, für dieses Jahr ist ein organisches Wachstum von 23 Prozent angepeilt. Ehrgeizig ist die von Braun ausgegebene „Vision 2020“. Sie sieht eine Verdreifachung des Transaktionsvolumens gegenüber 2016 vor, von 67 Milliarden Euro auf 190 Milliarden Euro im Jahr 2020. Der Umsatz, der im vergangenen Jahr erstmals knapp über eine Milliarde Euro betrug, soll dann auf 2,5 Milliarden Euro steigen. „Die nächsten zehn Jahre werden die zurückliegenden zehn Jahre noch einmal deutlich in den Schatten stellen“, sagt Markus Braun. Aufregende Zeiten selbst für ein Tech-Unternehmen wie Wirecard, das sich ansonsten eher bedeckt hält.

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