https://www.faz.net/-gv6-8zd6n

Hightech aus Aschheim : Die cleveren Jungs von Wirecard

Es wurde kein Wertpapier gefunden!

Wirecard ging 2000 an die Börse, hat also die turbulente Dotcom-Blase erfolgreich durchlitten und erweiterte stetig das Geschäftsfeld. Alsbald übernahm die Firma für Online-Händler nicht nur die Zahlungsabwicklung, sondern auch das Risikomanagement, schützte sie also vor säumigen oder zahlungsunfähigen Kunden. Die Firma gibt, seit sie 2006 mit einer Banklizenz ausgestattet wurde, eigene Kreditkarten heraus, und frühzeitig verschrieb man sich im beschaulichen Aschheim dem mobilen Bezahlen rund ums Smartphone. Vor zwei Jahren entwickelte Wirecard eine App namens „boon“, über die das kontaktlose Bezahlen an der Ladenkasse möglich ist und die demnächst auch Kontoführung, Versicherungsverwaltung und Bonusprogramme ermöglicht. „In der Hochtechnologie führt eine Technologie zur nächsten, es wird nie die ultimative Killer-App geben“, sagt Vorstandschef Braun, mit einem Anteil von sieben Prozent der größte Wirecard-Einzelaktionär. An der schier grenzenlosen technologischen Entwicklung maßgeblich mitzuwirken, das betrachtet der CEO als „großes Privileg“.

In den vergangenen Jahren hat Wirecard das Wachstum vorangetrieben, ist nach der jüngsten Übernahme des amerikanischen Kartenherausgebers Citi Prepaid Card Services nun auf allen fünf Kontinenten vertreten, hat 29.000 Groß- und 150.000 Kleinkunden und nennt sich Marktführer. Der Aktienkurs stieg stetig, in den vergangenen zehn Jahren um 560 Prozent. Die Anleger waren zufrieden.

Eine stattliche Dividende

Jedenfalls bis zum Februar vergangenen Jahres, als sie von vermeintlichen Enthüllungen einer bis dahin unbekannten Research-Firma namens Zatarra aufgeschreckt wurden. Zatarra erhob im Internet schwere Anschuldigungen, bezichtigte Wirecard in einem 101-seitigen Report der Geldwäsche, des illegalen Glücksspiels und der Bestechung und gab für die Aktie ein Kursziel von null Euro aus. Zwar wies Wirecard alle Vorwürfe zurück, doch viele Anteilseigner reagierten verunsichert. Sie erinnerten sich plötzlich daran, dass Wirecards Vorgängerfirma EBS-Holding in den Frühzeiten des Internets auch Zahlungen für Kunden aus der Glücksspiel- und Pornoszene abgewickelt hatte. Der Aktienkurs gab um bis zu einem Viertel nach, eine Milliarde Euro gingen binnen kürzester Zeit verloren.

Vor dieser Attacke hatten mehrere Hedgefonds auf fallende Kurse der Wirecard-Aktie gewettet. Nach einer Anzeige der Bankenaufsichtsbehörde Bafin ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nun gegen mehrere Verdächtige wegen Kursmanipulation. Je nach Verlauf des Strafverfahrens entscheidet Wirecard, ob das Unternehmen auch zivilrechtlich vorgeht. Braun mag sich dazu nicht weiter äußern, er setzt darauf, vorübergehend verunsicherte Anleger mit seiner strategischen Ausrichtung zu überzeugen. Bisher ist sie aufgegangen: Die Wirecard-Aktie, die vor der Leerverkaufsattacke rund 46 Euro kostete, hat sich nicht nur erholt, sondern jüngst auch ein Rekordhoch von 60,90 Euro erreicht. An der Börse ist Wirecard rund sieben Milliarden Euro wert, und die Analysten sehen noch weiteres Potential. Von 28 Analysten raten 19 zum Kauf des Tec-Dax-Werts, nur einer empfiehlt den Verkauf.

Weitere Themen

Topmeldungen

DFB-Liebling Robin Gosens : „Zwick mich mal“

Die Geschichte von Robin Gosens gibt es eigentlich nicht mehr: Von einem, der auf dem Dorfplatz entdeckt wurde und nun bei der EM für überwältigende Momente sorgt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.