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Chemie und Pharma : Die Bayer-Aktie ist an einem kritischen Punkt

  • Aktualisiert am

„Bayer braucht keinen politischen Schutz”: Vorstandsvorsitzender Werner Wenning Bild: dpa

Bayer-Chef Werner Wenning sieht keine Gefahr mehr für 2007. Damit hat er seiner Aktie genau zum richtigen Zeitpunkt einen Schubser gegeben. Denn der Kurs befindet sich an einem kritischen Punkt. Der Aufwärtstrend seit 2003 ist in Gefahr.

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          Die Bayer-Aktie hat sich seit 2003 ausgezeichnet entwickelt. Seit dem Tief ging es stetig und recht stabil nach oben. Zuletzt wurden sogar die Hochkurse aus dem Jahr 2000 übertroffen. Doch wie viele andere Standardwerte war die Aktie auch von der jüngsten Börsenkrise in diesem Jahr stark betroffen. Der Kurs fiel von 66 Euro in der Spitze fast wieder bis auf 50 Euro zurück.

          Das ist ein interessanter und kritischer Punkt zugleich. Denn dort verläuft derzeit auch der langfristige Aufwärtstrend seit 2003. Dieser war in den vergangenen fünf Jahren erst einmal so stark in Gefahr wie im Moment. Da tat es der Aktie am Montag gut, dass Vorstandschef Werner Wenning nebenbei übers Wochenende einfach mal bestätigte: Es gibt nichts Neues. Nur eben, dass im vergangenen Jahr alles so gelaufen ist, wie er das schon immer gesagt hat. Keine berauschende Nachricht, aber eine, die den Kurs stützte und erst mal nicht weiter fallen ließ. Dazu trug aber sicher auch bei, dass die Börse insgesamt in Rosenmontagsstimmung war.

          Bayer will die Gewinnmarge erhöhen

          Entscheidend dürfte nun aber der weitere Ausblick sein. Schafft Bayer weiteres Wachstum oder geht es nun zur Abwechslung mal wieder seitwärts? Das Interview, das Wenning der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ gab, lieferte da wenig Aufschluss - bis auf dies: „2007 lag das Ziel bei 25 Prozent im Health-Care-Bereich - bezogen auf das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Bis zum Jahr 2009 streben wir 28 Prozent Marge an, auch dank der Integration von Schering. Sie bringt uns Synergien von mehr als 800 Millionen Euro.“

          Bayer: Eines der letzten Konglomerate in der Chemieindustrie

          Das ist eine gute Nachricht, die den Kurs stützen sollte. Denn sie verheißt weiter steigende Gewinne, wenn es auch mit dem Umsatz nach oben geht. Davon dürfte wohl auszugehen sein, zumindest mit einem einstelligen Prozentsatz.

          Gleichwohl ist die Aktie relativ teuer geworden. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis auf der Basis des laufenden Jahres liegt über dem Schnitt der 30 Dax-Unternehmen. Auch die Dividendenrendite ist mit gut zwei Prozent nicht übermäßig attraktiv. Da gibt es bessere Varianten unter den 30 Dax-Werten. Insofern war der Kursrückgang in den vergangenen Wochen berechtigt, weil die Aktie relativ weit vorausgelaufen ist.

          Gedämpfte Gewinnprognosen der Analysten

          Fundamental ist der Konzern zusammen mit Schering inzwischen zwar wesentlich besser aufgestellt. Doch im globalen Maßstab ist Bayer immer noch klein. Das stört Wenning allerdings noch wenig: „Unser Pharmageschäft liegt in der Größenordnung von 10 Milliarden Euro. Unsere besondere Stärke ist das Spezialitätengeschäft, das sich nicht an den Allgemeinmediziner richtet, sondern an den Facharzt. Hier sind wir die Nummer 6 weltweit.“ Auch das ist nicht Spitze, rechtfertigt also keine Bewertung, die deutlich über dem Marktniveau läge.

          Ohnehin fallen die Gewinnprognosen der Analysten für 2008 relativ gedämpft aus. Erst 2009 soll der Gewinn wieder abheben. Doch dies ist noch relativ weit weg. Ein wenig Vorsicht schadet daher überhaupt nicht. Es liegt nun an dem Chef selbst, bei nächster Gelegenheit, die weiteren Perspektiven stärker aufzuhellen als am vergangenen Wochenende.

          Magere Kursaussichten

          Eines dürfte dabei jedoch klar sein: Eine weitere Kursverdopplung innerhalb von zwei Jahren wie zuletzt wird wohl kaum erneut zu machen sein. Dafür dürfte Bayer - wenn überhaupt - das nächste Mal mindestens doppelt so lange brauchen. Und selbst dies setzte im Schnitt ein Gewinnwachstum von mehr als 15 Prozent pro Jahr voraus. Ob Bayer das schafft? Da müssen die Kosten aber noch kräftig runter. Denn schlankere Strukturen sind eine unbedingte Voraussetzung dafür.


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