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Münchener Rück : Was bleibt, ist die Dividende

Starinvestor Warren Buffett mag die Rückversicherungen nicht mehr. Bild: AP

Starinvestor Warren Buffett verkauft die Aktien der „Münchener Rück“. Was heißt das für die Kleinaktionäre?

          3 Min.

          Kaum einem Großaktionär wird ein solch sicheres Gespür für lukrative Börsengeschäfte nachgesagt wie Warren Buffett. Der 85 Jahre alte Milliardär und Investmentguru versteht sich seit Jahrzehnten darauf, unterbewerte Firmen zu identifizieren. Wegen dieses Instinkts und seiner Herkunft nennt man ihn das „Orakel von Omaha“. Wann immer er mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway bei einer Aktiengesellschaft einsteigt, finden sich schnell andere, die genauso handeln. Im umgekehrten Fall gilt das nur eingeschränkt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Jedenfalls hat der schrittweise Rückzug des amerikanischen Großinvestors aus der Munich Re kaum Spuren hinterlassen. Ende vergangener Woche hatte Buffett für etwa 1,5 Milliarden Euro Aktien des weltgrößten Rückversicherers verkauft und am Donnerstag noch mal ein Aktienpaket abgegeben.

          Dennoch ist der Titel nicht eingebrochen, sein Kurs bewegt sich parallel zum Dax. Nun ließe sich vortrefflich darüber streiten, welche Entwicklung die Munich-Re-Aktie ohne Buffett genommen hätte. Die meisten Analysten haben ihr Urteil nicht verändert. Das amerikanische Analysehaus Bernstein Research bleibt ebenso bei seiner „Market-Perform“-Empfehlung wie die Investmentbank Goldman Sachs, die unverändert zum Verkauf der Aktie rät. Im Konsensrating des Börsendienstes Bloomberg empfehlen 13 von 36 Analysten den Kauf, 17 das Halten und nur sechs den Verkauf.

          Und dennoch ist der Abschied von Buffett für die Munich Re kein gutes Signal. Schon Ende September hatte Buffett, dessen Gesellschaften Berkshire Hathaway und National Indemnity Company direkt und indirekt gut 12 Prozent des Grundkapitals zugerechnet wurden, erstmals Aktien verkauft und die Meldeschwelle von 10 Prozent unterschritten. Der Starinvestor, der auch die amerikanischen Versicherer General Re und BH Reinsurance besitzt, ist skeptisch für die Versicherer der Versicherer, es sei „ein Geschäft, dessen Aussichten sich zum Schlechten verändert haben“.

          Pensionsfonds werden zur Konkurrenz

          Das sehen die Rückversicherer ähnlich. Risiken zu übernehmen ist nicht allein Versicherern vorbehalten. Bei Industrierisiken gibt es inzwischen immer größere Selbstbehalte der Rückversicherungskunden. Und angesichts historisch niedriger Zinsen dringen neue Wettbewerber wie Pensionsfonds oder Hedgefonds in das angestammte Geschäft ein. Die Preise für Katastrophenanleihen und andere verbriefte Versicherungsrisiken sind ins Rutschen gekommen, die Margen haben sich zusehends verschlechtert.

          Die Lebensversicherer wiederum, die im Auftrag ihrer Kunden Milliarden anlegen, müssen früher eingegangene Garantieversprechen erfüllen, doch finden sie kaum noch lukrative Investitionsmöglichkeiten. Auch bei der Munich Re, zu der der Erstversicherer Ergo gehört, schmelzen die Kapitalanlageerträge unaufhörlich. Obendrein stellt die Digitalisierung die Versicherer vor große Herausforderungen. Immer mehr Menschen kaufen Versicherungen im Internet, vor allem junge Kunden suchen nicht zuerst den Versicherungsmakler auf. Der Online-Absatz hat sich in Deutschland in zehn Jahren vervierfacht.

          Sind die guten Zeiten der Assekuranz vorbei? Warren Buffet sieht das offenbar so. Die Munich Re muss das hinnehmen. „Wir freuen uns, dass Warren Buffett uns viele Jahre als bedeutender Anleger begleitet hat“, erklärte Finanzvorstand Jörg Schneider vor ein paar Monaten. Was sollte er auch anderes sagen?

          Viel Dividende

          Bei der Munich Re war Buffett seit Oktober 2010 einer der größten Aktionäre und hatte sowohl von der hohen Dividendenausschüttung wie auch der Kurssteigerung der Aktie profitiert. In den vergangenen fünf Jahren legte die Munich-Re-Aktie um mehr als 80 Prozent zu.

          In derselben Zeit schüttete die Aktiengesellschaft gut 6 Milliarden Euro Dividende aus, und Buffett dürfte davon gut 650 Millionen Euro erhalten haben. Buffetts Einstieg inmitten der Wirtschafts- und Finanzkriese durften die Münchner als Gütesiegel sehen. Als Buffett kam, ging ein anderer, sehr viel unbequemerer Aktionär: Cevian Capital. Der Schwede Lars Förberg hatte sich 2007 mit seiner Investmentfirma mit knapp 3 Prozent beteiligt und das Management in der Münchner Königinstraße mit ehrgeizigen und öffentlich vorgetragenen Rendite- und Kurszielen verschreckt.

          So etwas war dem 1880 gegründeten Konzern weitgehend fremd. Lange waren dessen Aktien fest im Besitz der damaligen Deutschland AG, die Allianz hielt ein Viertel der Anteile, auch die Hypovereinsbank, die Deutsche Bank und die Dresdner Bank waren beteiligt. Heute sind die Aktien im Streubesitz. Als interessanter Dividendenwert, sagen die meisten Analysten, taugt die Munich-Re-Aktie allemal.

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