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Deutscher Aktienmarkt : Die Mathematik der Dax-Rekorde

Das bisherige Allzeithoch im Dax liegt bei 10.984,69 Punkten Bild: Reuters

Der deutsche Aktienindex erreicht ständig neue Höchststände. Das hat nichts mit übertriebener Euphorie zu tun. Die Investoren können einfach nur gut rechnen.

          Wie oft der deutsche Aktienindex, besser bekannt als Dax, seit Jahresanfang eine neue Bestmarke erzielt hat, dürften selbst die interessiertesten Anleger am Ende nicht mehr so genau mitgezählt haben. Eine Zeitlang purzelten die Rekorde im Minutentakt, der bislang letzte gemessene Höchststand stammt vom Anfang der vergangenen Woche:

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Dienstag war das, gegen zehn Uhr vormittags, als Deutschlands Börsenbarometer bei genau 10.984,69 Punkten haltmachte - der höchste je festgestellte Wert, den der Dax im Verlauf eines Börsentages erzielt hat. Und auch wenn dem Aktienbarometer vor dem Wochenende die Kraft ausging, stammt ebenfalls der höchste je gemessene Schlussstand aus den vergangenen Tagen: Am Mittwoch verabschiedete sich der Dax mit 10.911 Punkten aus dem Handel.

          So viel zur Statistik. Doch angesichts der Höchststände beschäftigt Anleger vor allem eine Frage: Wird dies nun so weitergehen und die Marke von 11 000 Punkten gar schon in der nächsten Woche fallen? Oder stehen die beeindruckenden Kurszuwächse (seit Anfang Januar waren es gut zehn Prozent) in Wahrheit auf einem ziemlich brüchigen Fundament?

          Natürlich lässt sich dies an der Börse nie ohne Zweifel beantworten. Aber die einhellige Meinung unter Analysten und Fondsmanagern in diesen Tagen ist: Dieser Börsenaufschwung ist noch nicht vorbei. Wobei die Argumente für Aktien seit Wochen die gleichen sind und sie die Experten wie in einer Endlosschleife vortragen. Argument eins: das neue Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB), das die Zinsen für Staatsanleihen auf immer neue Tiefststände fallen lässt und damit viele Anleger geradezu in die lukrativere Alternative Aktien hineintreibt. Argument zwei: der fallende Kurs des Euro, der es den exportstarken Dax-Firmen erleichtert, ihre Waren ins Ausland zu verkaufen. Und Argument drei: der in den vergangenen Monaten ebenfalls stark gefallene Ölpreis, der dazu führt, dass die meisten Dax-Unternehmen nun wesentlich günstiger produzieren können. Alles richtig, alles wahr. Aber soll das alles sein?

          Tatsächlich gibt es ein weiteres starkes Argument für Aktien, das zwar unter Profianlegern eine große Rolle spielt, das jedoch in der Öffentlichkeit nie diskutiert wird: vielleicht, weil es mit Mathematik zu tun hat - keiner schwierigen zwar, aber eben doch mit Zahlen. Es lautet: Die derzeitigen Zinsen nahe null verändern die Kalkulationsgrundlage in einer Rechnung entscheidend, die viele Investoren anwenden, um den Wert eines Unternehmens zu schätzen - und genau den wollen Aktionäre schließlich kennen.

          Die Rechnung hört in der Fachsprache auf den Namen „Barwertmethode“ oder auch „Discounted Cashflow“. Ihr Ergebnis, so viel sei schon vorweggenommen, zeigt: In Zeiten von so gut wie nicht vorhandenen Zinsen werden Aktiengesellschaften quasi automatisch wertvoller und lohnen darum den Kauf. Wie aber kommt man zu diesem Schluss?

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