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Deutscher Aktienmarkt : Der M-Dax ist der Beste

Hoch hinaus mit dem M-Dax Bild: Solinas/SIS

Kein Aktienindex in Deutschland läuft so gut wie der M-Dax. Dort treffen sich die erfolgreichen Exportunternehmen.

          Wer an deutsche Aktien denkt, denkt an den Dax. Doch die Meinung Dax gleich deutscher Aktienmarkt ist fatal. Sie nimmt den Anlegern die besten Chancen. Denn der Dax umfasst nur die 30 größten Titel Deutschlands. Echte Perlen finden sich aber viel häufiger unter den mittelgroßen Unternehmen: im M-Dax.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das zeigt sich an dessen Wertentwicklung. Auf lange Sicht schlägt er den großen Bruder um Längen. 1988 sind beide Indizes mit 1000 Punkten gestartet. Der Dax notiert mittlerweile auf 8400 Punkten, der M-Dax aber auf mehr als 14.000 Punkten. Er hat die alten Höchststände von 2007 schon im vergangenen Jahr überschritten, der Dax erst in diesem Frühjahr. Und auch jetzt eilt der M-Dax von einem zum nächsten Rekordhoch, während der Dax knapp unter seinem Rekord vom Mai gefangen ist.

          Der M-Dax ist Heimat von 50 Unternehmen mit einem mittleren Börsenwert. Das klingt bescheidener, als es ist. Dort finden sich immer noch bekannte Firmen mit Milliardenumsätzen. Wie TUI, Puma oder Metro. Wie Stada, MAN oder der Axel Springer Konzern. Was den M-Dax aber so erfolgreich macht, ist die chancenreichere Branchenstruktur. „Er hat einen stärkeren Industrieanteil“, sagt Kai Franke, Chefstratege der BHF-Bank. „Und daher erwarte ich, dass er auch dieses und nächstes Jahr den Dax schlagen dürfte.“ Denn die Konjunktur im Euroraum und in anderen Regionen erholt sich. „Davon profitiert der M-Dax.“

          Häufige Übernahmeaktivitäten treiben die Kurse

          Schließlich ist die starke deutsche Exportindustrie im M-Dax versammelt. Drei Viertel der Umsätze der M-Dax-Firmen gehen in den Export, rund doppelt so viel wie im Schnitt der deutschen Wirtschaft. In dem Index finden sich Autozulieferer wie Dürr oder Leoni, Maschinen- und Anlagenbauer wie Gildemeister, aber auch Baufirmen wie Bilfinger und Hochtief, die es im Dax nicht mehr gibt. Sie sind global vertreten, profitieren vom Wachstum der Schwellenländer, haben aber teilweise eine profitablere Nische mit weniger Konkurrenz gefunden als die Exportwerte im Dax. Sie sind häufig Weltmarktführer.

          Vergleich Dax und M-Dax seit 2003 sowie Gewinner im M-Dax seit Jahresbeginn Bilderstrecke

          Zum Erfolg des M-Dax trugen auch die Immobilienfirmen wie die Gagfah oder LEG Immobilien bei. Auch diese Branche ist im Dax nicht vertreten. Mal belastend, zuletzt aber stützend waren auch die Medienwerte wie Pro Sieben Sat1 und Sky Deutschland, die der Dax nicht kennt, und Konsumtitel wie Hugo Boss, Gerry Weber oder die Wende bei der Metro. Hinzu kam, dass anders als im großen Aktienindex Bankwerte, die den Markt seit langem bremsen, kaum vertreten sind.

          Aber nicht nur die Branchenmischung begünstigt derzeit den M-Dax. „Im M-Dax sind auch häufiger Übernahmeaktivitäten zu beobachten“, sagt BHF-Stratege Franke. Wie jüngst das Kaufangebot von Vodafone an Kabel Deutschland. Das treibt die Kurse. Im Dax sind solche Deals besonders teuer und daher selten. Auch die Aktivitäten von Finanzinvestoren, die oft die Kurse ansteigen lassen, gibt es im M-Dax, aber fast nie im Dax. Ein Beispiel ist das Engagement von Permira bei Hugo Boss. Zudem gibt es noch einige inhabergeführte Firmen wie Fielmann, Gerry Weber oder Krones. Und zumindest im M-Dax scheint die Regel zu gelten, dass das gut für den Kurs ist, weil die Unternehmensstrategie langfristiger und weniger an einzelnen Quartalszahlen ausgerichtet ist.

          Günstig ist der Index nicht mehr

          Der M-Dax hat also einige strukturelle Vorteile, die ihm helfen, den Dax zu schlagen. Aber gilt das immer, auch jetzt? Wenn die Wirtschaft einbricht, dann leidet der Index stärker - wegen des höheren Industrieanteils und dem Drang der Anleger, in solchen Zeiten in sicherere Titel zu gehen. Das sind tendenziell die großen, etablierten Konzerne. In der Finanzkrise 2008 und 2009 sah man das. Und wenn die Krise abebbt, sind die Anleger noch vorsichtig und präferieren zunächst weiter die großen Werte.

          Derzeit ist der Aufschwung aber in einer späteren Phase, der Optimismus ist größer. Hier setzen die Investoren gerne auf mittelgroße Aktien. „Diese Firmen sind nicht so saturiert, das Wachstum ist in der Regel höher“, sagt Guido Hoymann, Leiter des deutschen Aktienresearchs bei der Privatbank Metzler. Das zeigt sich derzeit auch im M-Dax. Der Durchschnitt der Analysten erwartet, dass die Unternehmen ihre Gewinne 2014 um 33 Prozent steigern, Dax-Firmen nur um 13 Prozent. Zudem sind die M-Dax-Werte ausreichend liquide, um sie gut ohne Kursabschlag und ohne Verzögerung kaufen und verkaufen zu können. Das ist ein Vorteil zu den ähnlich erfolgreichen, aber kleineren Aktien im S-Dax.

          Die derzeitige Attraktivität des M-Dax zeigt sich zunehmend in den Bewertungen. Günstig ist der Index nicht mehr. Die Kurse preisen das 16-fache der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne ein. Seit 2007 war im Schnitt nur das 13,5-fache üblich. Im Dax ist es derzeit nur das Elffache, was ungefähr dem Durchschnitt seit 2007 entspricht.

          Vor dem Hintergrund der besseren Aussichten für M-Dax-Firmen ist die höhere Bewertung aber noch zu rechtfertigen. Sie stellt ein Risiko dar: Falls es doch zu ungemütlicheren Zeiten am Aktienmarkt kommen sollte, dürfte der M-Dax genau wegen dieser höheren Bewertung stärker leiden. Aktuell scheint das aber unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Die sich aufhellenden Konjunkturperspektiven für den Euroraum treiben den M-Dax an.

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