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Deutsche Wohnen : Wohnimmobilienaktien gegen die Euro-Krise

Eine Deutsche-Wohnen-Immobilie in Siemensstadt in Berlin Bild: Deutsche Wohnen

Nach einer Kapitalerhöhung ist Deutsche Wohnen die größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft. Ihr Kurs könnte zunächst ausgereizt sein, darum scheint „halten“ klüger als „kaufen“ zu sein.

          Wohnimmobilien sind gefragt. Die niedrigen Zinsen, Sorgen um den Euro und die Suche nach Sachwerten lassen viele Menschen nach Wohnungen Ausschau halten. Zwar ging die Finanzkrise vom amerikanischen Immobilienmarkt aus, wo seit 2007 die zuvor kräftig gestiegenen Preise fallen. Auch in Irland und Spanien gelten zu stark gestiegene Immobilienpreise als Ursache dafür, dass Banken viele Kredite abschreiben müssen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Deutschland indes gilt das alles nicht: „Deutschland stellt die Ausnahme dar“, heißt es von Analysten der Deutschen Bank. Trotz leichter Preissteigerungen in den vergangenen Jahren seien die Bewertungen nahe historischer Tiefstände. Da Deutschland bei Anlegern als sicherer Hafen gelte und sich seine Wirtschaftskraft besser entwickeln werde als die anderer Länder Europas, sollten auch die Immobilienpreise zulegen, vermutet die Deutsche Bank und schließt: „Die Immobilienpreise dürften in Städten mit über 500.000 Einwohnern am stärksten ansteigen.“

          Wer nicht in ein einzelnes Immobilienobjekt investieren will, kann auf Aktien von Wohnimmobiliengesellschaften zurückgreifen. Sie zählen derzeit zu den Favoriten der Anleger. Seit Jahresanfang haben Deutsche Wohnen und GSW den F.A.Z.-Aktienindex deutlich geschlagen. Der Kurs der Deutschen Wohnen hat seit Jahresanfang um 39 Prozent zugelegt und erreichte in dieser Woche den höchsten Stand sei vier Jahren. Auch der Kurs der seit Mitte 2011 börsennotierten GSW, der 53.000 Wohnungen überwiegend in Berlin gehören, ist immerhin 37 Prozent geklettert und steht so hoch wie nie zuvor.

          Der F.A.Z-Aktienindex dagegen ist seit Jahresanfang nur um 11 Prozent gestiegen. „Die Anleger besinnen sich auf sichere und inflationsgeschützte Anlagen“, erklärt sich Frank Neumann, der für das Bankhaus Lampe Immobiliengesellschaften analysiert, deren überdurchschnittliche Kursentwicklung.

          Neumann hat allerdings den starken Kursanstieg von Deutsche Wohnen jetzt zum Anlass genommen, die Aktie von „kaufen“ auf „halten“ zurückzustufen. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Die Aktie der Deutschen Wohnen ist inzwischen mit einem Aufschlag von 16 Prozent auf den Nettoinventarwert ihrer knapp 73.000 Wohnungen bewertet. Damit scheint mir das Kurspotential weitgehend ausgereizt.“ Mit der von den Anlegern vor einem Monat ungewöhnlich positiv aufgenommenen Kapitalerhöhung - der zweiten binnen sechs Monaten - um 460 Millionen Euro hat Deutsche Wohnen mit einem Börsenwert von gut 2 Milliarden Euro sogar die Gagfah als wertvollste börsennotierte Wohnimmobiliengesellschaft abgelöst.

          Dabei ist der Kurs dieser Wohnungsgesellschaft, die ihre Refinanzierungsstruktur neu aufstellen muss, ist in dieser Woche so hoch geklettert wie seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr. Gleichwohl sieht Neumann bei Gagfah, der mit 150.000 Einheiten das Doppelte an Wohnungen gehört wie Deutscher Wohnen, Kurspotential, da die Refinanzierung bei Gagfah vorankommen sollte und sich damit das Sentiment verbessert. Außerdem biete die Aktie einen hohen Abschlag zum Nettoinventarwert der Wohnungen.

          Eine fast perfekte Absicherung

          Auch die wieder angezogenen Transaktionen haben die Stimmung für Wohnimmobiliengesellschaften verbessert. So kaufte Patrizia im Februar von der LBBW für 1,4 Milliarden Euro 21.500 Wohneinheiten, die Deutsche Wohnen von Barclays im Mai für 1,2 Milliarden Euro 23.500 Wohneinheiten und die TAG Immobilien von der Bayern LB im März 25.000 Wohneinheiten für 960 Millionen Euro. Von der Deutschen Wohnen werden nach der Kapitalerhöhung weitere Übernahmen erwartet.

          Die Aktienkurse der deutschen Wohnungsgesellschaften scheinen eine fast perfekte Absicherung gegen die Kursverluste des Euro an den Devisenmärkten. Seit einem Monat hat der Euro zu fast allen der wichtigsten 16 Währungen verloren: Am stärksten sind die Kursverluste zum mexikanischen Peso mit fast 8 Prozent, aber auch zu den Weltwährungen Yen, Dollar und Pfund hat der Euro jeweils mehr als 3 Prozent an Wert eingebüßt. Darin spiegelt sich der fortdauernde Vertrauensverlust der Anleger in die Stabilität der Europäischen Währungsunion.

          Deutsche Wohnimmobilien zählen zu den wenigen Aktien, die sich mit ihrer Kursentwicklung dagegenstemmen. Davon wollen die Gläubiger der Deutschen Annington profitieren. Sie gaben vor einer Woche der größten deutschen Wohngesellschaft fünf Jahre länger Zeit, um ein im Sommer 2013 fälliges Darlehen von 4,4 Milliarden Euro abzulösen. Damit scheint der Börsengang des Dax-Kandidaten näher gerückt.

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