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Deutsche Börse : Aufsichtsrat kämpft um Börsenchef Kengeter

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengerter Bild: AFP

Trotz des zunehmenden Drucks von vielen Seiten soll der Vertrag von Börsenchef Kengeter verlängert werden – aber nicht um fünf Jahre.

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          Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hält weiter an dem Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter fest. Wie diese Zeitung erfuhr, soll der im März 2018 auslaufende Vertrag Kengeters nach wie vor verlängert werden, allerdings wohl nicht für die übliche Dauer von fünf Jahren. Am Mittwoch war aus dem Aufsichtsrat gesickert, dass dort schon überlegt werde, Kengeter wegen der fortlaufenden Ermittlungen zu Insidergeschäften kurzfristig durch Finanzvorstand Gregor Pottmeyer zu ersetzen (F.A.Z. vom 10. August). Entsprechende Überlegungen gelten aber nach Informationen dieser Zeitung als letztes Mittel – und sind nicht weiter vertieft worden. Auch werde derzeit nicht extern nach geeigneten Kandidaten gesucht.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gegen Kengeter und die Deutsche Börse wird seit Monaten wegen des Verdachts auf Insiderhandel sowie die verspätete Information der Anleger über die inzwischen gescheiterten Fusionspläne mit der Londoner Börse ermittelt. Inzwischen haben zudem die beim hessischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Börsenaufsicht sowie die Wertpapieraufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angekündigt, die Zuverlässigkeit von Kengeter und anderen Managern der Börse überprüfen zu wollen.

          Wie zu hören ist, rechnet man am Stammsitz der Börse in Eschborn bei Frankfurt aber weiter damit, dass Kengeter sowohl aus den staatsanwaltlichen Ermittlungen wie auch aus den Zuverlässigkeitsüberprüfungen unbeschadet hervorgeht. Allerdings geht man inzwischen davon aus, dass mit einem Abschluss der Untersuchungen nicht vor der Bundestagswahl am 24. September zu rechnen ist. Schon in der Woche danach könnte dann aber Kengeters Vertrag verlängert werden. Dass dabei nun offenbar nicht die herkömmliche Vertragslaufzeit von fünf Jahren zur Rede steht, spricht wohl dafür, dass der Aufsichtsrat nach einem Kompromiss sucht, mit dem alle Beteiligten das Gesicht wahren können – und die Kengeter die Chance gibt, das Unternehmen selbst in ruhigeres Fahrwasser zu steuern.

          Entscheidung über Vorschlag der Staatsantwaltschaft in zwei Wochen

          Der Aufsichtsrat will auf seiner nächsten Sitzung in zwei Wochen darüber entscheiden, ob er dem Vorschlag der Frankfurter Staatsanwaltschaft zustimmen will. Sie hat laut einer Ad-hoc-Meldung der Börse angeboten, das Verfahren gegen Kengeter einzustellen, wenn das Unternehmen eine Geldbuße von insgesamt 10,5 Millionen Euro wegen der beiden Vorwürfe zahlt. Auch um diese Ad-hoc-Meldung gibt es allerdings wieder Ärger. Denn die Staatsanwaltschaft streitet eine solche Vereinbarung öffentlich ab; die Bafin überprüft nun wiederum, ob die Börse mit dieser Mitteilung die Anleger in die Irre geführt hat. In der Börse ist man sich seiner Sache aber weiterhin sicher. So gilt es auch als ausgemacht, dass der Aufsichtsrat den Vorschlag der Staatsanwaltschaft annimmt.

          Je länger der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Faber allerdings an Kengeter festhält, desto enger dürfte auch sein eigenes Schicksal an einen positiven Ausgang des Vorgangs geknüpft sein. Im Umfeld der Börse wird der Ruf nach einem kompletten Neuanfang lauter. Mancher erinnert an das Jahr 2005, als – ebenfalls nach einem gescheiterten Fusionsversuch mit London und dem teils öffentlich ausgefochtenen Streit mit wichtigen Investoren – erst der Vorstandsvorsitzende Werner Seifert und etwas später der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer abtraten.

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          Auf die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat dürfte sich Kengeter zumindest nicht verlassen können. Der Betriebsrat hat in einem Schreiben an die Mitarbeiter beklagt, dass die Konzernführung offenbar bereit sei, für die Beilegung der Ermittlungen 10,5 Millionen Euro zu zahlen, während an der Belegschaft seit Jahren gespart werde. Er sieht in dem Verfahren den schwersten Reputationsschaden, den der Börsenbetreiber in seiner langen Geschichte bislang einstecken musste.

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