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Deutsche Bank : Rechtsrisiken belasten den Aktienkurs

Hauptquartier der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Bild: AP

Wegen Rückstellungen für Rechtsrisiken sinkt der Aktienkurs der Deutschen Bank weiter. Analysten sehen im Zahlenwerk zwar auch eine gute Entwicklung, doch die Skepsis bezüglich des Kapitals überwiegt.

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          Die zusätzlichen Rückstellungen für Rechtsrisiken und die weiterhin bestehenden Zweifel an der Kapitalausstattung haben den Aktienkurs der Deutschen Bank auch am Mittwoch gedrückt. Der Titel gab in der Spitze um 3,4 Prozent auf 33,32 Euro nach. Am Vortag hatte der Kurs in Reaktion auf den Bericht zum zweiten Quartal schon um 3,9 Prozent schwächer geschlossen. Die Verluste sind auf die unerwartet hohen Rückstellungen für Rechtsrisiken von 630 Millionen Euro zurückzuführen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar hatte der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain schon Anfang Juni auf einer Investorenkonferenz vor weiteren Belastungen aufgrund der Rechtsrisiken gewarnt. Doch das Ausmaß der neuen Vorsorgen hat dann doch die Anleger enttäuscht, zumal schon im vergangenen Jahr dafür 2,4 Milliarden Euro zurückgestellt worden sind. Damit bereitet sich die Bank für Zahlungen im Zusammenhang mit der Manipulation von Interbankenzinsen wie etwa dem Libor, den Klagen wegen verlustreicher Hypothekenanleihen in den Vereinigten Staaten oder dem Verfahren um die Insolvenz des Münchner Medienkonzerns Kirch vor.

          Deutsche Bank
          Deutsche Bank : Bild: F.A.Z.

          Jedoch zeigten sich einige Analysten wie zum Beispiel Fiona Swaffield von der Royal Bank of Canada von den Fortschritten in der Reduzierung der Kosten sowie in der Verringerung der Verschuldungsquote im zweiten Quartal angetan. Gleichwohl weist auch sie auf die hohen Belastungen der Rechtsrisiken hin. Als solide wertete JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein die Ergebnisse im zweiten Quartal.

          Ohne Altlasten wäre das Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um die Hälfte auf 1,49 Milliarden Euro gestiegen. So ging es aber um fast ein Fünftel auf 792 Millionen Euro zurück. Auch die Analysten der Credit Suisse schätzten die zugrunde liegenden Ergebnisse als gut ein. Doch sehen sie wie auch Abouhossein noch immer Risiken in der Kapitalausstattung.

          Das Thema sei noch nicht endgültig geklärt

          Auf der Analystenkonferenz hat Finanzvorstand Stefan Krause erläutert, wie die Deutsche Bank ihre Bilanzsumme verringern will, um den Anforderungen der Aufsichtsbehörden bezüglich des Verhältnisses zwischen Eigenkapital und Bilanzsumme entsprechen zu können. Schon jetzt erfüllt die Bank nach eigenen Angaben die im neuen Regelwerk (Basel III) vorgesehene Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von 3 Prozent.

          Die Credit-Suisse-Analysten loben zwar die vorgestellten Maßnahmen, halten aber das Thema aufgrund der noch laufenden Diskussion über die Leverage Ratio noch nicht für endgültig geklärt. Sie stören sich auch daran, dass die Bank in ihren Berechnungen annimmt, die deutsche Finanzaufsicht Bafin würde hybride Kapitalinstrumente über 11 Milliarden Euro als hartes Eigenkapital anerkennen.

          Die Bilanzsumme will der Vorstand insgesamt um bis zu 250 Milliarden Euro reduzieren. Dabei denkt er an eine effizientere Verrechnung von Derivatepositionen, die Überprüfung ungenutzter Kreditlinien, den Abbau von Risiken in der internen Abwicklungseinheit und Verbesserungen in der Verwaltung von Kreditsicherheiten. Darüber hinaus sollen Handelsbestände und die Liquiditätsreserve gestrafft werden. Letztere belief sich Ende Juni auf 213 Milliarden Euro, was in der Bank als komfortabel gesehen wird.

          Der Spielraum zur Reduzierung wird zwischen 15 und 20 Milliarden Euro gesehen, um gleichzeitig die aufsichtsrechtlichen Vorgaben zu erfüllen. Ob der Bilanzabbau ausreicht, daran zweifelt JP-Morgan-Analyst Abouhossein. Er hält eher einen Betrag von 500 Milliarden Euro für nötig. Jedoch überwiegen bei Bloomberg die zuversichtlichen Einstufungen der Deutschen Bank. 26 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, zehn zum Halten und nur vier zum Verkauf.

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