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Deutsche Bank : Eine Frage der Perspektive

Die Deutsche Bank und ihr Chef Bild: dpa

Die Deutsche Bank ist im Vergleich zu anderen deutschen Banken zwar gut durch die Finanzkrise gekommen. Doch es gibt Gründe, warum die Bäume nicht in den Himmel wachsen dürften.

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          Es kommt auf den Blickwinkel an: Die Deutsche Bank ist im Vergleich zu anderen deutschen Banken gut durch die Finanzkrise gekommen; zudem ist ihr Aktienkurs seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent gestiegen. Sieht man sich jedoch die Liste der größten Banken der Welt - gemessen an deren aktuellem Börsenwert - im Zeitablauf an, lassen sich keine rechten Fortschritte erkennen. Mit einem Börsenwert von rund 35 Milliarden Euro zählt die Deutsche Bank nach diesem Kriterium zur unteren Hälfte der zweiten Liga.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Unterschiede gibt es zudem auch in der Wahrnehmung der Perspektiven. Während sich die Führung der Bank auf einer Investoren-Tagung kürzlich optimistisch gab, reagierten viele Analysten eher verhalten. Die Deutsche Bank läuft, so wie sie heute aufgestellt ist, gut. Aber wo sind ihre Wachstumsperspektiven?

          Selbsternannter Krisengewinner

          Die Kraftquelle der Deutschen Bank bleibt das global betriebene Investmentbanking, in dem sie insgesamt zu den führenden fünf Häusern auf der ganzen Welt zählt. Bei Devisen und Zinsprodukten gehört sie zur absoluten Weltspitze, im Geschäft mit Aktien, Rohstoffen sowie in der Beratung von Fusionen und Übernahmen existiert noch ein Nachholbedarf. Die Bank selbst behauptet, dass sie im Investmentbanking zu den Gewinnern der Finanzkrise zähle, weil ein paar ehemals bedeutende Marktteilnehmer nachgelassen haben.

          Bild: F.A.Z.

          Die Deutsche Bank dagegen hat im Zuge der Reduzierung von Risiken zwar ihre Bilanzsumme und ihren Eigenhandel deutlich reduziert. Ganz ohne Eigenhandel geht es freilich aber nicht, denn die Bank agiert als Marktmacher für rund 50.000 Finanzprodukte. Es gehört zu den Aufgaben eines Marktmachers, in den von ihm betreuten Produkten Präsenz zu zeigen und Geschäfte zu tätigen schon alleine deshalb, damit es nachvollziehbare Marktpreise gibt. Sehr viel bedeutender für die Deutsche Bank ist indes der Verkauf von Finanzprodukten wie Anleihen, Geldmarktpapieren, Devisen und börsengehandelten Indexfonds (ETF) an andere Finanzhäuser, und hier in erster Linie an andere Banken.

          Wetterwendisches Kerngeschäft

          Das Investmentbanking der Deutschen Bank ist in der jüngsten Zeit prächtig gelaufen und hat ganz überwiegend zum letztjährigen Konzerngewinn von 5 Milliarden Euro beigetragen. Die Analysten von Morgan Stanley haben ihre Erhöhung des Kursziels für die Aktie der Deutschen Bank von 58 auf 62 Euro mit der Erwartung höherer Erlöse im Investmentbanking begründet.

          Aber es lassen sich zwei Gründe anführen, warum die Bäume auch hier nicht in den Himmel wachsen dürften: Zum einen ist das Investmentbanking abhängig von der Entwicklung der Kapitalmärkte und damit potentiell wetterwendisch - auch wenn die gegenwärtige Verfassung der Märkte auf absehbar weiterhin günstige Geschäftsmöglichkeiten weist. Zum zweiten bleibt Eigenkapital ein knappes Gut, auch wenn die Führung der Bank die aktuelle Ausstattung mit Eigenmitteln als sehr ordentlich darstellt.

          Nachsehen bei internationalen Akquisitionen

          Bezeichnend ist allerdings der verlorene Bieterwettbewerb mit dem Konkurrenten J.P. Morgan um den mittelgroßen britischen Rohstoffhändler RBS Sempra. Der Kauf dieses Unternehmens hätte in die Strategie der Deutschen Bank gepasst, die im Rohstoffgeschäft wachsen will. J.P. Morgan gewann, weil die sehr viel größeren und sehr viel kapitalstärkeren Amerikaner ein Gebot abgaben, auf das die Deutsche Bank erst nach einer längeren internen Überprüfung ihrer Möglichkeiten hätte reagieren können.

          Somit bleibt es bei kleinen Investitionen wie dem Erwerb von knapp 50 Prozent an der neuseeländischen Investmentgesellschaft Craigs Investment Partners. Und in den Niederlanden hat sie gerade 700 Millionen Euro für den Ausbau ihres dortigen Firmenkundengeschäfts ausgegeben.

          Viel Arbeit mit der Postbank

          Jenseits des Investmentbankings bleibt die Übernahme der Postbank ein in der Öffentlichkeit vieldiskutiertes Thema, aber vermutlich eilt es aus Sicht der Deutschen Bank nicht. Der hauptsächliche Reiz der Postbank für den Frankfurter Branchenprimus besteht in der Gelegenheit, eine IT-Plattform für Geschäfte mit dann rund 20 Millionen Kunden zu etablieren.

          Dies würde die Kosten des Massengeschäfts, die in Deutschland viel höher liegen als etwa bei den spanischen Großbanken, sehr viel erträglicher gestalten. Allerdings schleppt die Postbank aus Sicht der Deutschen Bank noch zu viele Aktiva in ihrer Bilanz mit sich herum. Die Analysten der HSBC folgern, dass die Deutsche Bank für die Vollübernahme der Postbank ihr Eigenkapital erhöhen müsste. Ob die Frankfurter daran derzeit Interesse besäßen, darf bezweifelt werden.

          Hoffen auf gute Nachrichten

          Auch wenn die Aktie der Deutschen Bank gerade gut läuft, gelten Bankaktien an den internationalen Kapitalmärkten immer noch als leicht überdurchschnittlich riskante Titel. Neue Aktien ließen sich daher wohl nur mit einem spürbaren Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs plazieren. Die HSBC hat auch mit Blick auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck im Privatkundengeschäft sowie möglichen Belastungen durch eine weitere hohe Risikovorsorge ihr Kursziel bei 58 Euro und die Einschätzung der Aktie bei „neutral“ belassen.

          Ebenfalls „neutral“ bewerten die Analysten der West LB das Papier der Deutschen Bank. Der Kurs habe das bisherige Ziel von 54 Euro überschreiten, heißt es. Selbst die erwarteten guten Nachrichten aus dem Investmentbanking rechtfertigten keine höhere Bewertung. Wenn die Aktie der Deutschen Bank weiterhin überdurchschnittlich gut abschneiden soll, wären zusätzliche gute Nachrichten aus dem Hause selbst keine schlechte Idee.

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