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Deutsche Bank : Die Guggenheims von der Wall Street

  • -Aktualisiert am
Meyer Guggenheim im Kreise seiner sieben Söhne
          3 Min.

          Eine der letzten Amtshandlungen des Schweizers Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank könnte der Verkauf eines großen Geschäftsbereichs an eine amerikanische Investmentgesellschaft mit Schweizer Wurzeln sein. Die Deutsche Bank hatte in dieser Woche mitgeteilt, mit der Gesellschaft Guggenheim Partners exklusiv über den Verkauf großer Teile ihrer Vermögensverwaltung zu verhandeln. Die meisten Leute werden beim Namen Guggenheim allerdings weder an Vermögensverwaltung noch an die Schweiz denken.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die ersten Assoziationen dürften die berühmten Museen in New York oder Bilbao sein, die auf den 1949 verstorbenen amerikanischen Kunstsammler Solomon R. Guggenheim und seine Stiftung zurückgehen. Kinokenner werden sich möglicherweise an die Szene im Film „Titanic“ erinnern, in der Millionär Benjamin Guggenheim im eleganten Frack eine Schwimmweste ablehnt. „Wir haben unsere besten Sachen an und wir sind bereit, als Gentlemen unterzugehen“, sagt Benjamin Guggenheim, einer der sechs Brüder Solomons, der den Untergang des Schiffes im Jahr 1912 nicht überlebte.

          Dass Solomon Guggenheim Kunstwerke sammeln und sich Benjamin Guggenheim ein Erste-Klasse-Ticket auf der Titanic leisten konnte, hatten sie ihrem Vater zu verdanken, der aus der Schweiz stammte. Meyer Guggenheim, ein zunächst mittelloser Jude aus dem Kanton Aargau, war Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Eltern nach Philadelphia ausgewandert und hatte dort ein Importgeschäft aufgebaut. Er spekulierte mit Erfolg auf Aktien von Eisenbahngesellschaften und erwarb 1881 für 5.000 Dollar einen Anteil an zwei Minen in Colorado, in denen hohe Vorkommen an Blei und Silber entdeckt wurden. Damit legte er den Grundstock für ein riesiges Bergbauimperium.

          Das Erbe des Erfolgs der Guggenheim Familie

          Zeitweise kontrollierten die Guggenheims mehr als vier Fünftel der weltweiten Vorkommen für Kupfer, Blei und Silber, bevor sie sich in den zwanziger Jahren weitgehend aus diesem Geschäft zurückzogen. Die Nachkommen von Meyer Guggenheim, der 1905 gestorben war, widmeten sich fortan anderen Interessen wie Wohltätigkeit, Kunst, Politik oder Pferderennen.

          Guggenheim Partners ist ein relativ neuer Name an der Wall Street, auch wenn sich die Gesellschaft in der Tradition der Familie sieht und auf ihrer Internetseite das „Erbe des Erfolgs“ der Guggenheims herausstellt. Gegründet wurde Guggenheim Partners vor erst zwölf Jahren von Peter Lawson-Johnston II, einem Urenkel Solomon Guggenheims. Mit seinem Vater und dem Vorstandsvorsitzenden von Guggenheim Partners, Mark Walter, sitzt Lawson-Johnston II auch im Beirat der Guggenheim-Stiftung. Die Stiftung und die Deutsche Bank hatten kürzlich das Ende ihrer jahrelangen Kooperation bei der Kunstgalerie „Deutsche Guggenheim“ in der Berliner Repräsentanz des Kreditinstituts angekündigt.

          Der geschäftliche Schwerpunkt von Guggenheim Partners liegt auf der Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden, zu denen Versicherer oder Pensionsfonds gehören. Mit einem verwalteten Vermögen von etwas mehr als 125 Milliarden Dollar rangiert Guggenheim in der Branche allerdings nur unter „ferner liefen“. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft Towers Watson stand Guggenheim auf der Liste der größten Vermögensverwalter Ende 2010 nur auf Rang 164. Die Deutsche Bank lag dagegen auf dem sechsten Platz.

          Guggenheim würde sein Vermögen verfünffachen

          Guggenheim hatte seine Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren schon regelmäßig mit kleineren Zukäufen erweitert. Mit den nun zum Verkauf stehenden Bereichen der Deutschen Bank, zu dem unter anderem die amerikanische Publikumsfondssparte DWS Americas und das globale Geschäft für institutionelle Kunden DB Advisors gehören, würde Guggenheim sein verwaltetes Vermögen auf einen Schlag mehr als verfünffachen. Die Mitarbeiterzahl der Gesellschaft, die zwei Hauptsitze in New York und Chicago sowie weitere Büros an 25 Standorten in zehn Ländern hat, würde von derzeit 1.700 auf 3.200 klettern. Ihre Publikumsfondsgesellschaften in Deutschland, Europa und Asien will die Deutsche Bank allerdings behalten.

          In den vergangenen Jahren baute Guggenheim auch das Investmentbanking aus, den Wertpapierhandel sowie die Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen. Dafür ist ein Mann verantwortlich, der an der Wall Street einen guten Ruf hat, obwohl er seine Karriere bei einer berüchtigten Adresse gemacht hat. Es handelt sich um Alan Schwartz, der zwei Monate lang Vorstandsvorsitzender von Bear Stearns war, bevor die in Schieflage geratene Investmentbank 2008 von der Großbank JP Morgan Chase geschluckt wurde. Als Schwartz Mitte 2009 bei Guggenheim Partners anheuerte, machte er die Stoßrichtung klar. „Ich werde mich darauf konzentrieren, die bisherige Wertpapiersparte von Guggenheim, die auf den Vertrieb und den Handel festverzinslicher Papiere spezialisiert ist, in eine Investmentbank mit einem vollständigen Dienstleistungsangebot zu verwandeln“, sagte er damals. Übersetzt heißt das: Guggenheim Partners will eine Investmentbank vom Schlage der führenden Wall-Street-Häuser Goldman Sachs oder Morgan Stanley werden.

          Schwartz hat schon mehrfach die Schwierigkeiten anderer Firmen ausgenutzt, um die Expertise von Guggenheim im Investmentbanking zu erweitern. Der Landesbank Baden-Württemberg kaufte Guggenheim 2010 ihre kleine New Yorker Wertpapiersparte LBBW Securities ab. Die Bank war wegen der Finanzkrise unter Druck geraten und musste sich von Beteiligungen trennen. Im vergangenen November kam die Washington Research Group, ein Team von auf Regulierung und Politik spezialisierten Analysten, zu Guggenheim. Die Washington Research Group gehörte davor dem nach riskanten Wetten zusammengebrochenen Wertpapierhaus MF Global. Damit stärkte sich Guggenheim Partners auch für den Wettbewerb mit der Deutschen Bank, die an der Wall Street ebenfalls eine große Präsenz im Investmentbanking hat - genauso wie die Banken UBS oder Credit Suisse aus der alten Heimat der Familie Guggenheim.

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