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Aktie deutlich im Minus : Rekordstrafe bringt Deutsche Bank in Bedrängnis

  • -Aktualisiert am

Durcheinandergewirbelt: Die Deutsche Bank hatte offenbar nicht annähernd mit einer solch hohen Strafe gerechnet. Bild: Lukas Kreibig

Es wird brenzlig, wenn die Strafe gegen die Deutsche Bank nur annähernd so hoch ausfällt, wie angedroht. Sie hat mit deutlich weniger als 14 Milliarden Dollar gerechnet. Eine Kapitalerhöhung scheint schwierig. Was bleibt?

          Amerika hat eine Rekordstrafe gegen die Deutsche Bank angekündigt. Satte 14 Milliarden Dollar sind gefordert. Wenn die Strafe am Ende der Verhandlungen nur annähernd so hoch wäre, könnte das der Deutschen Bank das Genick brechen. Zurückgestellt für alle wahrscheinlichen Rechtsrisiken hat sie derzeit nur 5,5 Milliarden Euro. Da daraus aber auch noch andere große Fälle wie etwa Geldwäschevorwürfe in Russland beglichen werden sollen, rechnen etwa die Analysten der Berenberg Bank damit, dass nur etwa 3 Milliarden davon für den Hypothekenstreit in Amerika reserviert sind.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alles was darüber hinaus geht, wird für die Bank zum Problem. Sie müsste es als Verlust verbuchen, was ihr Eigenkapital erheblich drücken würde. Doch gerade bei diesen Kapitalpuffern für schlechte Zeiten verstehen wiederum die Bankenaufseher keinen Spaß. Eine Kapitalerhöhung über die Börse wäre eine Lösung. Doch gerade wegen der Rechtsrisiken will im Moment keiner Aktien von europäischen Banken kaufen. Und zu dem derzeit mickrigen Kurs müsste die Bank sehr viel neues Papier ausgeben, um überhaupt auf eine nennenswerte Summe zu kommen. Das wiederum ist schlecht für die bestehenden Anteilseigner.

          Eine Beteiligung des Staates an Deutschlands größter Bank gilt daher vielerorts schon nicht mehr als ausgeschlossen. Ähnlich hatte es der Bund schließlich schon einmal mit der Commerzbank in der Finanzkrise getan, an der er noch heute 15 Prozent hält. Im Volk kommen solche Bankenrettungen aber  gar nicht gut an. So könnte auch ein anderes zuletzt diskutiertes Szenario wieder an Aktualität gewinnen: eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank. Zu ersten Gesprächen hatten sich die Vorstandsvorsitzenden John Cryan und Martin Zielke schon im August einmal zusammengesetzt, sie aber nach allem was zu hören ist, sogleich wieder aufgegeben. Nach Informationen der F.A.Z. war schon dieses Treffen auf Initiative des Bundesfinanzministeriums, dem Großaktionär der Commerzbank, anberaumt worden.

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          Öffentliche Forderung ungewöhnlich

          Dass die Einstiegsforderung des Justizministeriums öffentlich wird, ist ungewöhnlich. In der Regel liegen die Strafen, auf die sich Banken und Behörden in langwierigen Verhandlungen verständigen, deutlich darunter.  

          Die drohende Milliardenbuße drückt nun kräftig auf die Stimmung an der Frankfurter Börse. Der zarte Erholungsversuch der Aktien aus den vergangenen Wochen wurde jäh ausgebremst: Mit einem Verlust von mehr als 8 Prozent fielen Deutsche-Bank-Aktien am Freitag auf knapp unter 12 Euro und damit wieder auf den Stand von Mitte August zurück. Ihr Rekordtief hatten sie Anfang jenes Monats bei 11,06 Euro markiert. Der Deutschen Bank machen die allgemein niedrigen Zinsen sowie hauseigene Probleme seit langem schwer zu schaffen. Das Geldhaus hatte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust eingefahren.

          DAX ®

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          Es sei zwar üblich, mit einer überhöhten Forderung in die Verhandlungen zu gehen, sagte ein Börsianer. Die nun angesetzten 14 Milliarden Dollar seien aber eine Hausnummer, von der aus die Vorstellungen der Bank von einer Einigung auf einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag nun kaum vorstellbar erscheine.

          Laut dem Analysten Jacques-Henri Gaulard von Kepler Cheuvreux war am Markt zuletzt von einem Betrag von 2,4 Milliarden Dollar ausgegangen worden. Soviel hatte Konkurrent Goldman Sachs in einem ähnlichen Fall bezahlt. Schwierig macht die Verhandlungen Gaulard zufolge auch die politische Brisanz angesichts der nahen Präsidentschaftswahlen und der jüngsten Forderung der EU-Kommission gegenüber Apple, 13 Milliarden Euro an Steuern nachzuzahlen.

          Letztlich hält er es zwar für "sehr unwahrscheinlich", dass die Deutsche Bank wirklich 14 Milliarden Dollar zahlen muss. Die Kursentwicklung werde aber unter enormer Unsicherheit leiden bis eine Entscheidung getroffen sei. Er gab daher nun auch seine Präferenz der Deutsche-Bank-Aktie gegenüber anderen Bankpapieren auf.

          Teure juristische Pleiten der Deutschen Bank

          Der Deutschen Bank droht eine weitere Milliardenstrafe. Im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte vor der Finanzkrise fordert das amerikanische Justizministerium 14 Milliarden Dollar (aktuell 12,5 Milliarden Euro). Eine Übersicht der teuersten Niederlagen der Deutschen Bank:

          April 2015: Die Deutsche Bank muss wegen ihrer Verstrickung in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Das Institut verständigt sich mit Behörden in Amerika und Großbritannien auf einen Vergleich. Es ist die höchste bislang verhängte Buße gegen eine Bank in diesem Fall.

          Ende 2014: Der deutsche Branchenprimus legt 450 Millionen Euro für die Rückzahlung von Gebühren bei Verbraucherkrediten zurück. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass Bearbeitungsgebühren für Konsumentenkredite zusätzlich zu den Zinsen unzulässig sind.

          Februar 2014: Die Bank zieht einen teuren Schlussstrich unter den Dauerstreit um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns. Insgesamt 925 Millionen Euro kostet der am Oberlandesgericht München besiegelte Vergleich. Damit beendete die Bank die juristische Auseinandersetzung um eine Mitverantwortung für die Pleite des Kirch-Konzerns 2002.

          Dezember 2013: Das Institut zahlt 1,9 Milliarden Dollar in einem Streit um Hypothekenpapiere in Amerika. Die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac fühlten sich bei Hypothekengeschäften aus den Jahren 2005 bis 2007 übers Ohr gehauen.

          Dezember 2013: Die EU-Kommission bestraft mehrere Finanzinstitute wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor mit Bußen von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank muss mit 725 Millionen Euro die größte Zahlung leisten.

          Mai 2012: Der Konzern steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte der amerikanischen Tochter MortgageIT gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, fließen 202 Millionen Dollar.

          März 2012: Das Geldhaus legt einen Streit mit der Stadt Mailand über umstrittene Zinswetten gegen eine Millionen-Zahlung bei. Insgesamt erhält die italienische Wirtschaftsmetropole 455 Millionen Euro. Die Entschädigungszahlung teilen sich vier Banken.

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