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Deutsche Bank : Ackermanns Zurückhaltung belastet Aktienkurs

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Harte Zeiten Bild: ddp

Die schlechten, nunmehr endgültigen Zahlen, die die Deutsche Bank für das vergangene Jahr vorlegte, waren keine Überraschung mehr. Als Kursbelastung erweist sich eher dass der Optimismus des Vorstandsvorsitzenden deutlich gedämpft ist.

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          Es ist gerade einmal drei Wochen her, da schien das Image der Deutschen Bank als Hort der Stabilität in einem niedergehenden Bankensystem zu zerbröseln, als das Institut bekannt geben musste, dass es im vierten Quartal einen Verlust in Höhe von 4,8 Milliarden Euro und darob auch im Gesamtjahr von 3,9 Milliarden Euro verzeichnen würde. Zudem wurde eine Kürzung der Dividende angekündigt.

          Am Donnerstag legte die Deutsche Bank nun die endgültigen Zahlen vor, die zwar im wesentlichen nicht von den vorläufigen abweichen, die aber dennoch insofern nicht gut ankommen, als der Aktienkurs um 3 Prozent auf 20,60 Euro fällt.

          Verwässerter Optimismus

          Dabei nimmt die Deutsche Bank für sich in Anspruch, nach dem Rekordverlust erfolgreich in das neue Geschäftsjahr gestartet zu sein. Vorstandschef Josef Ackermann sagte, im Januar habe die Bank Erträge von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, was deutlich über dem Vergleichswert des vergangenen Jahres und nur unwesentlich unter dem Spitzenwert von 2007 liege. Und daher sei man zuversichtlich für 2009 und werde aus der Krise gestärkt hervorgehen.

          Doch der Manager schüttete sogleich Wasser in den Wein. Von gebotener Vorsicht bei der Prognose war die Rede - und davon, dass sich die Finanzbranche weltweit in einer „schweren Krise“ befinde. Wenn sich die „Cashflows“ nicht verbesserten, könnten noch weitere Abschreibungen drohen. Dabei sei nicht so sehr die aktuelle Situation problematisch, sondern die Erwartung dessen, was noch in den Büchern stehe.

          Die Wirtschaftskrise werde zudem zu einer Zunahme der Kreditausfälle führen, der Anpassungsbedarf in den Vereinigten Staaten und Europa werde groß sein, in vielen Industrien eine Konsolidierungswelle einsetzen.

          Ein „gutes Gefühl“

          Für das Kreditportfolio der Deutschen Bank habe er aber ein „gutes Gefühl“, sagte Ackermann. Es gebe natürlich neue Risiken. Die Bank sei aber in problematischen Bereichen wie dem Konsumenten- und Immobilienkreditgeschäft vergleichsweise wenig engagiert. Das Haus werde sich auf die Restrukturierungs-, die Finanzierungs- und M&A-Beratung fokussieren und dort weitere Marktanteile gewinnen.

          Betrachtet man die Äußerungen, stellt sich unwillkürlich die Frage, wie sich Branchen- und Konjunkturpessimismus einerseits und die vergleichsweise optimistische Einschätzung der eigenen Lage andererseits so recht miteinander vertragen. Auch im vergangenen Jahr ist die Deutsche Bank von der Krise nicht verschont geblieben, räumte auch Ackermann ein. Die Gesamterträge des Hauses lagen bei 13,5 Milliarden Euro und damit bei weniger als die Hälfte des Vorjahres.

          Analysten schließen Revision der Gewinnschätzungen nicht aus

          Unter diesen Umständen erscheint es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass es der Deutschen Bank auch nicht in diesem Jahr gelingen wird, der Krise zu entziehen, wenngleich sie sich besser als andere schlagen mag. Und Ackermann bremst weiter: Prognosen für das erste Jahresviertel wollte er nicht wagen. „Keiner kann sagen, wie sich der Februar und der März entwickeln.“ Es könnten auch noch dramatische Erschütterungen kommen. Die Frage von neuen Belastungen und Abschreibungen müsse im derzeitigen Umfeld jeden Monat neu angeschaut werden.

          Commerzbank-Analyst Michael Dunst schloss nicht aus, die Schätzungen für den Gewinn je Aktie für die Jahre 2009 und 2010 nach unten revidieren. Im Durchschnitt rechnen die Analysten noch mit einem Gewinn von 4,41 bzw. 5,59 Euro je Aktie. Das ist weniger als die 13,05 Euro, die die Deutsche Bank 2007 oder die 11,48 Euro, die sie 2006 auswies.

          Nicht bloß ein Schnupfen

          Auf Basis der Prognosen liegt ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 5 bzw. 4. Das ist zwar nur die Hälfte der Bewertung, mit der die Aktie zu ihren besten Zeiten gehandelt wurde. Andererseits sind die Risiken ungleich größer. Beispielsweise hatte die Bank im November 2006 für das Jahr 2008 einmal einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro angepeilt. Das war schon damals mutig und tatsächlich verzeichnete sie einen Verlust von 5,7 Milliarden.

          Es geht hier nicht um einen kleinen konjunkturellen Einbruch. Es geht um eine Systemkrise, in der niemand seriös sagen kann, welches Institut am Ende noch steht und vor allem nicht mit irgendeiner Form von Exaktheit, wie es ihm in der Krise ergehen wird. Das versucht letztlich noch nicht einmal der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank selbst.

          Bewertungsabschläge scheinen gerechtfertigt

          Zur Zeit scheint die Deutsche Bank etwas besser gerüstet als andere Institute. Doch im Laufe der Finanzkrise reihte sich gerade in Bezug auf Banken eine Fehleinschätzung an die nächste, änderten sich die Verhältnisse so rasch, dass etwas anderes als Vorsicht fehl am Platz wäre. Und so scheint ein Bewertungsabschlag von 50 Prozent gegenüber den besten Zeiten nicht zu hoch angesetzt.

          Im Rahmen der brüchigen kurzfristigen Stabilisierung ist am ehesten zu erwarten, dass der Aktienkurs zunächst in der Spanne von 16,875 Euro (dem im Januar markierten 15-Jahres-Tief) und etwa 22,50 Euro seitwärts läuft.

          Doch auch diese Prognose ist unsicher. Gerade Banken-Aktien reagieren derzeit extrem, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Eine als sensationell eingestufte Nachricht, etwa die Einrichtung einer „Bad Bank“ oder der massenhafte Ankauf fauler Vermögenswerte durch Staat oder Zentralbank vermag ihren Kurs an einem einzigen Tag um 20 Prozent nach oben zu treiben - und eine Hiobsbotschaft in die andere Richtung. Und vielleicht ist es daher doch das beste für längerfristig orientierte Privatanleger, wenn sie vorläufig von Banken-Aktien die Finger lassen.

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