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Bewertungen : Deutsche Aktien sind nicht extrem teuer

Bild: Jonas Wresch

Das Börsenjahr 2016 hat viele Anleger mit hohen Verlusten kalt erwischt. Aber deshalb sollten sie nicht gleich die Nerven verlieren - die Anzeichen für eine Belebung der Konjunktur in Europa häufen sich.

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          Wer auf die Wall Street schaut, kann Gründe für Skepsis finden. Amerikanische Aktien sind, gemessen an einem unverdächtigen und gebräuchlichen Indikator wie dem Verhältnis von Aktienkurs und Unternehmensgewinn (KGV), im langfristigen Vergleich hoch, wenn auch vielleicht nicht extrem hoch, bewertet. Hinzu kommt, dass in den Vereinigten Staaten die Entwicklung der Unternehmensgewinne in den vergangenen Monaten viele Analysten enttäuscht hat.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Und dann zeigt der amerikanische Aktienmarkt auch noch Anzeichen von Übertreibungen: Dazu zählen hohe Preise bei vielen Fusionen und Übernahmen ebenso wie zahlreiche Programme zum Rückkauf eigener Aktien. Das ist ein bekanntes Mittel, um den eigenen Aktienkurs ein wenig zu „dopen“. Bedenklich ist auch, das im vergangenen Jahr nur wenige Unternehmen, darunter im Nasdaq notierte Technologieunternehmen, den Aufschwung an der amerikanischen Börse getragen haben.

          Daraus ist nicht zu schließen, dass die amerikanische Börse vor einem Einbruch steht. Nur spricht das Umfeld auch nicht für ein brillantes Aktienjahr. „Die Bewertungen amerikanischer Aktien wirken nach unterschiedlichen Kriterien erhöht“, meint Russ Koesterich, Anlagestratege bei der weltgrößten Fondsgesellschaft Blackrock. „Die Gewinnmargen der Unternehmen werden vermutlich wegen steigender Löhne unter Druck bleiben. Zudem sollte eine weitere Aufwertung des Dollars exportorientierte Unternehmen belasten.“

          Bild: F.A.Z.

          So mancher Anflug von Übertreibung, der den amerikanischen Aktienmarkt kennzeichnet, lässt sich beim Blick auf den deutschen und den europäischen Aktienmarkt nicht erkennen. Mit Blick auf das Verhältnis von Kursen und Gewinnen ist der Dax moderater bewertet als die Wall Street. Dies gilt auch für manche anderen europäischen Aktienmärkte.

          Anzeichen für Belebung der Konjunktur

          Zudem häufen sich die Anzeichen für eine Belebung der Konjunktur auf dem Alten Kontinent. Die jüngsten Stimmungsindikatoren für die Wirtschaft in der Eurozone sahen zumindest ordentlich aus, und die neuesten Daten aus der Statistik der Europäischen Zentralbank sprechen für eine Belebung des Kreditgeschäfts von Banken und Sparkassen mit Unternehmen und Privatpersonen.

          Nicht alle Prognostiker gehen so weit wie die Ökonomen der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, die für das neue Jahr in den Vereinigten Staaten wie im Euroraum ein identisches Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent erwarten. Die Deutsche Bank erwartet für 2016 ein durchschnittliches Wachstum der europäischen Unternehmensgewinne im hohen einstelligen Bereich. Das ist zwar keine Versicherung gegen vorübergehende kräftige Kursverluste, aber doch eine gute Nachricht.

          Nicht nur China steht vor einer wirtschaftlichen Transformation. Ein schwierigeres Exportgeschäft für Industriekonzerne bei einer gleichzeitigen Belebung der Binnenwirtschaft könnte 2016 zum Jahr der Konsumaktien werden lassen.

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