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Wirtschaftskrise : Russlands Rezession bringt viele Gewinner hervor

  • -Aktualisiert am

Wechselkurse in Moskau Bild: Reuters

Russlands Wirtschaftskrise macht den Unternehmen zu schaffen. Aber nicht jeder leidet. Von der Krise profitieren sogar Firmen, die eigentlich kaum konkurrenzfähig sind.

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          Es kann nicht immer nur nach unten gehen. Diese Binsenweisheit hat sich für leidgeprüfte russische Aktienanleger in diesem Jahr ausgezahlt. Investoren in Russland mussten im Krisenjahr 2014 viel erdulden, da war das Abwärtspotential im Jahr 2015 offenbar begrenzt. Denn obwohl sich die Wirtschaftslage in dem großen Schwellenland weiter verschlechtert hat und das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis September um 3,7 Prozent schrumpfte, standen diesmal die Börsen anderer aufstrebender Nationen als Verlierer da: Der MSCI-Aktienindex für Schwellenländer hat seit Jahresbeginn 14 Prozent verloren. Der russische Benchmark-Index Micex hingegen gewann mehr als 25 Prozent auf 1752 Punkte und schnupperte im November sogar am höchsten Stand seit fünf Jahren. Der Leitindex RTS hingegen, der in Dollar notierte Aktien derselben Konzerne abbildete, hat im Vergleich mit dem Jahresbeginn rund ein Prozent auf 781 Punkte verloren.

          Hier forderte die Schwäche des Rubels ihren Tribut. Dessen Verfall schlägt sich automatisch in den Dollar-Aktien russischer Firmen nieder, damit diese im Vergleich mit den Rubel-Aktien nicht zu teuer sind – der Aktienmarkt sorgt für ein Gleichgewicht. Und der Rubel steht immer noch unter Druck, auch knapp ein Jahr nach den größten Wechselkurskapriolen seit der russischen Finanzkrise von 1998. Ein Euro ist derzeit 77 Rubel wert, 8 Prozent mehr als zu Jahresbeginn.

          Ein Dollar steht bei 70 Rubel – ein Plus von 20 Prozent. Hinter der Schwäche der Währung steckt die Schwäche des Preises für Erdöl, Russlands wichtigstem Exportgut. Ein Fass der Nordseesorte Brent ist derzeit unter 40 Dollar wert, vor anderthalb Jahren waren es noch 110 Dollar.

          Öl-Produktion auf Rekordniveau

          Ein schwacher Rubel kann die Einbußen beim in Dollar abgerechneten Erdölverkauf etwas ausgleichen. Deshalb, und weil große Teile ihrer Kosten in Rubel anfallen, stehen die russischen Erdölfirmen sowohl mit ihren Geschäftszahlen wie auch jenen an der Moskauer Börse besser da, als man vermuten sollte: Aktien des staatlich kontrollierten Branchenprimus Rosneft haben seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel an Wert gewonnen. Valoren des zweitgrößten Produzenten Lukoil avancierten immerhin noch um 4 Prozent.

          Rosneft und Lukoil haben trotz spürbarer Umsatzrückgänge in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres Gewinn erwirtschaftet – bei Rosneft betrug er umgerechnet 4,3 Milliarden Dollar, bei Lukoil 2,3 Milliarden Dollar. Ihre Förderung hat die Branche trotz des niedrigen Ölpreises nicht eingeschränkt: Russland produziert rund 10,8 Millionen Fass Erdöl am Tag, ein Rekordhoch seit dem Ende der Sowjetunion.

          Ähnliche Werte kann der staatlich kontrollierte Erdgasriese Gasprom nicht vermelden. Vielmehr wird der Konzern in diesem Jahr wahrscheinlich so wenig Gas fördern wie noch nie seit der Wende. Von Januar bis November waren es knapp 7 Prozent unter Vorjahresniveau. Gasprom selbst rechnet mit knapp 430 Milliarden Kubikmetern, Analysten sind deutlich zurückhaltender. Wegen des warmen Wetters und der politischen Schwierigkeiten lahmen die Exporte Richtung Westen, und im Inland wächst die Konkurrenz – auch Rosneft expandiert im Gasgeschäft immer schneller. Die Gasprom-Aktien pendeln seit 2014 unter 150 Rubel, fast die Hälfte unter dem Hoch des Jahres 2011.

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