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Aktienmarkt : Die Kurse laufen den Gewinnen davon

Trader an der New Yorker Börse: Steigen die Aktienwerte weiter? Bild: AP

Der MSCI-World-Index ist einer der wichtigsten Maßstäbe zur Beurteilung von Aktienkursen. Er gibt interessante Aufschlüsse: Die Entwicklung der Aktien entspricht nicht mehr dem der Gewinne. Kommt ein Absturz?

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          Die seit einigen Wochen an den internationalen Finanzmärkten zu verspürende Unsicherheit hat auch die Aktienmärkte erreicht, aber sie hat zumindest bisher keine schweren Verwerfungen erzeugt. Einen interessanten Blick auf die Verfassung der wichtigsten Aktienmärkte der Welt wirft eine Grafik: Sie zeigt, dass Aktien derzeit alles andere als günstig sind. Dividendenpapiere sind hoch bewertet, aber die Bewertungen befinden sich nicht in schwindelerregenden Höhen.

          Die Grafik vergleicht die tatsächliche Kursentwicklung des MSCI-World-Index mit der Entwicklung des Index, die dieser bei einer kontinuierlichen Bewertung mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 16 genommen hätte. Der MSCI-World-Index ist ein häufig verwendetes Maß zur Beschreibung der Aktienmärkte in den Industrienationen. Ende September enthielt er 1615 Aktien von Unternehmen aus 23 Ländern, womit er 85 Prozent aller frei handelbaren Aktien auf der Welt abbildet.

          Nach den Blasen folgt das Tief: Der MSCI-World-Index im Lauf der Zeit
          Nach den Blasen folgt das Tief: Der MSCI-World-Index im Lauf der Zeit : Bild: F.A.Z.

          Angesichts der großen Bedeutung des amerikanischen Aktienmarktes machen amerikanische Unternehmen derzeit rund 56 Prozent des Börsenwertes aller in dem Index enthaltenen Unternehmen aus. Ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 16 dient als Referenz, weil es auch angesichts des niedrigen Zinsniveaus für die wichtigsten Aktienmärkte der Welt von vielen Experten als Ausdruck einer langfristig annehmbaren Bewertung akzeptiert werden dürfte.

          Die Grafik verdeutlicht zunächst die extrem hohe Bewertung der Aktien in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, die überwiegend auf den Boom der Technologiewerte zurückzuführen ist. Damals hatten sich viele Aktienkurse weit von fundamental vertretbaren Werten entfernt. Die starke Überbewertung der Aktien baute sich nach dem Crash des Jahres 2000 in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends langsam ab.

          Um das Jahr 2005 dann „passten“ die Aktienkurse recht gut zu den Schätzungen für die Unternehmensgewinne, während gleichzeitig an den Immobilienmärkten in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Irland und Spanien Preisblasen entstanden und die Nachfrage nach handelbaren Kreditverbriefungen deutlich zunahm. Diese Exzesse gingen der im Jahre 2007 ausgebrochenen Finanzkrise voraus. Doch selbst nach dem Untergang von Lehman Brothers im Herbst 2008 verliefen die Aktienkurse und die Unternehmensgewinne einige Zeit parallel.

          Ab der Jahresmitte 2009 nahm die Börse mit höheren Kursen eine Konjunkturerholung vorweg, die sich ab 2010 auch in den Unternehmensgewinnen zeigte. Seit dem Jahr 2011 passen die Aktienkurse und die Unternehmensgewinne nicht mehr sehr gut zusammen. Bis zum Sommer 2013 waren Aktien keineswegs sehr teuer, aber seitdem sind die Kurse den Unternehmensgewinnen ein Stück weit davon gelaufen. Möglicherweise finden sie bald wieder zusammen.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war vom Untergang von Lehman Brothers im Herbst 2009 die Rede. Tatsächlich muss es 2008 heißen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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