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200-Tage-Linie : Der Dax liefert ein charttechnisches Kaufsignal

Ein Kaufsignal: Der Dax hat sich seit mehreren Tagen recht deutlich oberhalb der 200-Tage-Linie etabliert. Bild: Reuters

Der Index hat die 200-Tage-Linie im Sturm genommen – aus charttechnischer Sicht ist das als Kaufsignal zu verstehen. Doch viele Analysten sind langfristig vorsichtig.

          Charttechnik ist eine umstrittene Form der Aktienanalyse. Sie besitzt glühende Anhänger ebenso wie gnadenlose Verächter. In den vergangenen Jahren haben aber auch viele Fondsmanager, die eigentlich in ihrer Aktienauswahl nur auf Unternehmens- und Wirtschaftsdaten blicken, begonnen, technische Indikatoren als ergänzende Informationen aufzunehmen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Die Zahl technischer Indikatoren ist sehr groß. Ein Indikator, der schon sehr alt ist und für langfristige Prognosen auch heute noch gelegentlich herangezogen wird, hat in den vergangenen Tagen für den Dax ein Kaufsignal generiert. Es handelt sich um die sogenannte 200-Tage-Linie, die für jeden Handelstag den Durchschnittskurs der vergangenen 200 Handelstage angibt. Der Dax hat diese 200-Tage-Linie nun von unten durchschnitten und sich seit mehreren Tagen recht deutlich oberhalb etabliert. Dies ist aus charttechnischer Sicht als ein Kaufsignal zu verstehen.

          Wie alle technischen Indikatoren, ist auch dieser natürlich nicht unfehlbar. Auch die 200-Tage-Linie sendet gelegentlich Fehlsignale: Garantierte Gewinne kann ein Anleger durch ihre Anwendung nicht erzielen. Die Orientierung an dieser Linie hat aber zumindest einen Vorteil: Der Anleger wird in einer schweren Baisse rechtzeitig aus dem Markt „herausgeworfen“, so dass er das Tal nicht durchschreiten muss.

          Analysten: Aussichten für 2016 keineswegs rosarot

          So generierte die 200-Tage-Linie im vergangenen September bei rund 11.000 Punkten ein Verkaufssignal. Wer sich als Anleger daran orientierte, war während des anschließenden Kursverfalls, der kurzzeitig bis unter 9500 Punkte führte, nicht dabei. Freilich gab dieser Indikator im Tal auch kein Kaufsignal. Dies kommt erst jetzt, also wiederum bei rund 11.000 Punkten. Ein Anleger mag sich mit gutem Grund fragen, ob es im Nachhinein sinnvoll war, bei rund 11.000 Punkten Aktien zu verkaufen oder mit Optionen gegen Verluste zu sichern, um einige Wochen später wieder zu einem ähnlichen Kurs wieder einzusteigen. Schließlich verursacht der Handel mit Aktien ebenso Kosten wie eine Absicherung mit Optionen.

          In diesem Fall mag das so sein, aber in einer schweren Baisse, die sich ja nicht voraussehen lässt, können andere Rechnungen zustande kommen. Ende 2007 lag der Dax knapp über 8000 Punkten. Dann begann ihn die ausbrechende Finanzkrise mächtig zu drücken und die 200-Tage-Linie sendete Mitte Januar 2008 bei rund 7700 Punkten ein Verkaufssignal. Wer damals verkaufte, hatte es im Nachhinein betrachtet gut getroffen. Der Dax fiel über einen sehr langen Zeitraum, ehe er im März 2009 bei unter 3700 Punkten endlich einen Boden fand. Ein Kaufsignal sendete der Indikator dann im Herbst 2009 bei knapp 5000 Punkten.

          Das aktuelle Kaufsignal kommt in einer Zeit, in der viele an Wirtschaftsdaten ausgerichteten Analysten zwar vor allem wegen einer wahrscheinlichen weiteren Lockerung der Geldpolitik im Euroraum noch ein Kurspotential sehen, das den Dax in Bereiche um 12.000 Punkte schicken könnte. Aber die Aussichten für das kommende Jahr sind nach Ansicht der Analysten keineswegs rosarot. Vorausgesagt werden deutliche Schwankungen des Index und Jahresendstände, die zumeist nicht weit über den aktuellen Niveaus liegen. So prognostiziert die Deutsche Bank einen Jahresendstand 2016 von 11.700 Punkten.

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