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F.A.Z.-Umfrage : Analysten rechnen 2016 mit Rekorden für den Dax

Blick voraus: Der Dax steht während der Handelszeit (fast) niemals still. Bild: Marc-Steffen Unger

Seit sechs Jahren geht es wieder aufwärts an der Börse. In diesem Jahr aber schwankten die Aktienkurse stark. Wie geht es weiter an den Finanzmärkten? Die F.A.Z. hat Analysten aus Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften gefragt.

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          Selten sind Aktienanalysten mit ihren Prognosen so treffsicher gewesen wie in diesem Jahr. Dies gilt sowohl für die Vorhersage neuer Rekorde wie auch für das Dax-Niveau zum Jahresende - zumindest in der Tendenz. Denn nicht nur in jüngerer Vergangenheit schwankten die Aktienkurse zum Teil sehr deutlich wie am Montag, als sich das Tageshoch und -tief im Dax um 300 Punkte oder 3 Prozent unterschieden. Behalten die Fachleute mit ihren Prognosen auch im kommenden Jahr recht, dann dürfte der Dax aus jetziger Sicht um 11 Prozent steigen. Dies jedenfalls ergibt eine Umfrage dieser Zeitung unter 22 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern. Viele rechnen zudem abermals mit neuen Rekorden für den Dax.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im Durchschnitt trauen diese Marktprofis dem deutschen Auswahlindex zum Jahresende ein Niveau von 11.859 Punkten zu. Am Mittwoch waren es für den Dax zeitweise rund 10.700 Punkte. Damit würde das Dax-Jahr 2016 etwas erfolgreicher werden als es dieses bislang war. Denn seit Jahresbeginn liegt der Dax aktuell rund 9 Prozent im Plus. Ehrlicherweise war es im Jahreshoch am 10. April ein Aufschlag von rund 26 Prozent und ein Rekordniveau von 12.391 Punkten, bevor Kursverluste die deutschen Standardwerte Ende September wieder auf bis zu 9325 Punkte drückten. Zum Vergleich: In der letztjährigen Umfrage verhieß die Prognose der damals befragten Finanzinstitute für 2016 im Durchschnitt ein Dax-Plus von 9 Prozent auf rund 10.773 Punkte.

          Bild: F.A.Z.

          Deutlich daneben lagen die Fachleute gleichwohl mit ihrer Sicht auf den amerikanischen Aktienmarkt. Der Dow-Jones-Index sollte demnach in diesen Tagen in der Nähe von 18 547 Punkten liegen. Doch nicht nur die lange diskutierte und in der vergangenen Woche endlich vollzogene Zinswende in den Vereinigten Staaten und damit das Ende der ultralockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed haben die Märkte gebremst. Auch Wachstumsorgen haben immer wieder das Marktgeschehen geprägt. Und so liegt denn auch der Dow-Jones-Index mit aktuell rund 17.500 Punkten sogar etwa 2 Prozent tiefer als noch zu Jahresbeginn.

          Nur aus der Sicht eines europäischen Anlegers wird durch die Schwäche des Euros zum Dollar noch ein beachtliches Jahresplus von rund 8 Prozent daraus. Doch auch hier lagen die befragten Fachleute im Vorjahr ziemlich daneben. Im Durchschnitt hatten sie zum Ende dieses Jahres einen Euro-Dollar-Kurs von 1,17 Dollar vorhergesagt. Aktuell kostet ein Euro allerdings nur noch 1,09 Dollar. Im kommenden Jahr sind die Analysten für den Euro noch negativer eingestellt als bisher schon und sagen - jedenfalls im Durchschnitt - eine weitere Abwertung um 4 Prozent auf dann 1,05 Dollar vorher.

          Die Spannbreite der Prognose ist groß

          Etliche Institute nähern sich dabei in ihren Prognosen der Parität beider Währungen an. Andere, allen voran die Deutsche Bank, setzen mit Kursen von weniger als 1 Dollar auf einen noch schwächeren Euro. Für den amerikanischen Aktienmarkt und insbesondere den Dow-Jones-Index ergibt die Umfrage für 2016 nun ein durchschnittliches Plus von 6 Prozent.

          Der Euro Stoxx 50, ein Auswahlindex für den Euroraum, dürfte nach den Ergebnissen der Umfrage ähnlich wie der Dax in zwölf Monaten um 11 Prozent höher liegen als derzeit. Auch hier waren die Umfrageteilnehmer im vergangenen Jahr zu optimistisch. Der Index ist bisher unter dem Strich nur um 4 Prozent gestiegen. Vorhergesagt hatten die befragten Analysten jedoch ein Indexplus von 9 Prozent.

          Die Spannbreite der Prognosen ist gleichwohl groß. Besonders optimistisch für den Dax äußert sich die Commerzbank mit ihrer Vorhersage von 12.600 Punkten zum Jahresende 2016. Trifft diese Prognose zu, dann würde der Dax im kommenden Jahr um 18 Prozent steigen und in der Spitze zeitweise sogar auf einen neuen Rekord von 13 000 Punkten klettern - ein Plus von 21 Prozent. Ähnlich optimistisch sind Santander und die WGZ Bank mit ihrer Prognose von 12.500 Dax-Punkten zum Jahresende.

          Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass eine weiterhin lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die andauernde Abschwächung des Euros mit der Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne und höhere Dividenden für deutsche Aktien sprächen. Auch im Jahr 2016 sollten Anleger zwischenzeitliche Rücksetzer als Kaufgelegenheit nutzen. Europäische Aktien insgesamt sollten dabei vom anziehenden Wachstum im Euroraum profitieren können. Mit der Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der Fed hingegen gewönnen in den Vereinigten Staaten weniger risikoreichere Alternativen an Attraktivität. Diese relativ rasch erwarteten Erhöhungen unterstützten den Dollar. Eine Zinspause der Fed im Frühjahr oder Sommer könnte den Markt aber vorübergehend irritieren.

          Besonders pessimistisch ist dagegen Unicredit mit nur 10.800 Dax-Punkten in zwölf Monaten. Aus jetziger Sicht käme dies lediglich einem hauchdünnen Kursplus gleich. Doch auch nach Ansicht der optimistischen Commerzbank-Analysten ist für den Dax im Jahresverlauf ein Fall bis auf 10.400 Punkte möglich. Die befragten Institute rechnen zur Jahresmitte meist mit niedrigeren Kursen als Ende 2016. Die Dekabank, M.M.Warburg und eben auch Unicredit sehen das anders. Ihre Jahresendprognosen für den Dax liegen tiefer als die Vorhersagen zur Jahresmitte. So rechnet M.M. Warburg in der ersten Jahreshälfte mit Dax-Niveaus von mehr als 12.000 Punkten. Die erwarteten, wenn auch wohl moderaten Zinserhöhungen der Fed, Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und vergleichsweise ambitionierte Erwartungen für die Unternehmensgewinne bei gleichzeitig nicht mehr günstigen Aktienbewertungen könnten es für den Dax allerdings schwierig machen, diese Marke bis zum Jahresende zu verteidigen, sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt des Bankhauses.

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          Die in jüngerer Vergangenheit eher pessimistische Helaba liegt in diesem Jahr mit ihrer Dax-Prognose von 12.000 Punkten in etwa im Durchschnitt. Markus Reinwand, der Aktienstratege dieser Landesbank, geht davon aus, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2016 zwar an Dynamik zunehmen, aber das Wachstumstempo in den meisten Ländern moderat bleiben werde. Aktien würden sich dann im Spannungsfeld hoher Bewertungen und dem Mangel an Anlagealternativen bewegen. Dabei sei davon auszugehen, dass sich auch angesichts der Reife des Aktienzyklus die Volatilität weiter erhöhen dürfte. Der V-Dax New, ein Maß für die Schwankungsbreite (Volatilität) des Dax, lag in dieser Woche zeitweise bei gut 24 Prozent. Er gibt die von den Marktteilnehmen in den kommenden 30 Tagen erwartet Schwankungsbreite des deutschen Auswahlindex an. Vor einem Jahr lag dieses Risikomaß bei rund 22 Prozent, vor zwei Jahren waren es noch 14 Prozent.

          Auch nach Ansicht der Anlageexperten von M.M.Warburg werden sich die Anleger auf deutliche Kursschwankungen an den Aktienmärkten einstellen müssen. Dies läge nicht zuletzt daran, dass das erwartete Konjunkturszenario zwar ein moderates Wirtschaftswachstum unterstelle, der „Sicherheitsabstand“ zu einem möglichen Abgleiten in eine Rezession aber weiterhin gering sei. Dennoch gehen die Analysten von M.M.Warburg angesichts ihrer positiven Konjunktureinschätzung davon aus, dass auch im kommenden Jahr Aktien die interessanteste und vielversprechendste Anlagekategorie sein werden. Allerdings werde die Kursentwicklung eben nicht geradlinig verlaufen, vielmehr stehe ein volatiles Aktienjahr bevor.

          Treffsicher in Prognosen: Commerzbank und WGZ Bank

          Ihren Optimismus begründet die Helaba damit, dass die niedrigen Rohstoffpreise - inklusive Rohöl, die voraussichtlich fortgesetzte Euro-Schwäche sowie eine Stabilisierung der Schwellenländer den Aktien hierzulande in die Hände spielten. Angesichts der ultralockeren Geldpolitik der EZB werde es vermutlich noch zu einer spürbaren Ausweitung der Bewertungen von europäischen Aktien kommen. Dabei seien für den Dax vorübergehend auch Niveaus von deutlich mehr als 12.000 Punkten möglich, sagt Reinwand. Gleichwohl dürfte dem Index dann auch rasch die Puste ausgehen. Wie schon in diesem Jahr werde daher in der Aktienanlage weiterhin sehr viel taktisches Geschick gefragt sein. Indexstände von deutlich mehr als 12 000 Punkten sollten unter Bewertungsaspekten zum Verkauf von Aktien genutzt werden, mögliche deutliche „Abtaucher“ hingegen für den Aufbau von Aktienpositionen.

          Im vergangenen Jahr besonders treffsicher in ihren Dax-Prognosen waren aus aktueller Sicht die Commerzbank sowie die WGZ Bank mit 10.800 Punkten, was in etwa dem Durchschnittswert der gesamten Umfrage entspricht. Mit 11.500 Punkten viel zu optimistisch waren dagegen die Deutsche Bank, die Postbank und die Schweizer UBS, die in diesem Jahr auf eine Dax-Prognose verzichtet hat, sowie J.P. Morgan mit 11.400 Punkten. Am unteren Ende der Prognosen lagen mit 9500 Punkten die DZ Bank, gefolgt von der Helaba mit 9800 Punkten. Nun gehört die DZ Bank abermals zu den Pessimisten.

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