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Spin-Off-Aktie Uniper : Reich werden mit Eons Resterampe?

Was am Ende dazu führte, dass die deutschen Atomkraftwerke im Portfolio von Eon verblieben, während Uniper (mit Ausnahme von einer Beteiligung an drei schwedischen Atomkraftwerken) diese Bürde nicht auch noch tragen musste. Aus Anlegersicht lässt sich dazu nur sagen: Glück gehabt! Natürlich ist allein das noch kein Kaufargument für die Aktie.

Aber interessanterweise tragen auch die technischen Feinheiten des Börsengangs dazu bei, sie attraktiver zu machen. Denn Uniper unterscheidet sich deutlich von anderen Börsengängen.

Ein „Spin-Off“ mit Uniper-Aktie

Wenn am Montag die Finanzmärkte öffnen, findet jeder Eon-Aktionär für jeweils zehn Eon-Aktien zusätzlich eine Uniper-Aktie in seinem Depot – Eon hält dann nur noch knapp die Hälfte an Uniper.

Spin-off nennt sich das Verfahren, und es ist in den Augen vieler Analysten kein Ausweis von Stärke. Denn einen Spin-off wählt nur, wem die Börse auf anderem Wege kein Geld geben würde.

Bild: F.A.Z.

In der Vergangenheit konnten Unternehmen, die auf diese Weise an den Aktienmarkt kamen, aber viel häufiger überzeugen als gedacht, zeigt eine Untersuchung der Frankfurter Vermögensverwaltung „Source for Alpha“. Der Grund: Die große Skepsis gegenüber solchen Aktien verhindert, dass ein Hype um sie entsteht.

Mit anderen Worten: Sie sind oft sehr günstig zu haben. Das bekannteste deutsche Beispiel ist die ehemalige Bayer-Tochtergesellschaft Lanxess, die, einst als „Reste-Rampe“ verspottet, später eine Zeitlang sogar im Dax vertreten war.

Was spricht für die Aktie?

Dass es am Montag mit dem Uniper-Kurs gleich nach oben geht, erwartet aber nicht einmal Eon-Chef Teyssen. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Viele Indexfonds (auch ETF genannt), die die Wertentwicklung des Dax exakt nachbilden, müssen natürlich auch Aktien des Dax-Mitgliedes Eon im Depot haben.

Uniper-Aktien dagegen dürfen sie nicht halten, weil die neue Firma nicht zum Dax gehört. Darum müssen die Fonds die Aktie am Montag sofort verkaufen, was zu einigen Turbulenzen führen kann: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Uniper-Kurs am ersten Tag stark fällt, ist hoch.

Ohnehin ist unsicher, welchen Börsenwert die Anleger Uniper überhaupt zubilligen werden. Eon hatte die Tochtergesellschaft zu einem Wert von zwölf Milliarden Euro in den Büchern stehen, viele Analysten gehen aber von einem deutlich niedrigeren Wert aus. Zwischen drei und sechs Milliarden Euro liegen die Schätzungen. Angesichts solcher Zahlen mag sich mancher fragen, was da noch für die Aktie sprechen soll.

Je geringer der Wert an der Börse, desto besser

Daniel Stelter von der Denkfabrik „Think beyond the obvious“ plagen solche Zweifel nicht. Je geringer die Bewertung an der Börse, umso besser, findet er. Schließlich macht eine niedrigere Bewertung den Aktienkauf billiger. „Uniper ist nichts für Anleger, die die Aktie einmal ihren Kindern vererben wollen oder die auf hohe Kursgewinne hoffen. Aber sie kann sich für alle lohnen, die von hohen Dividenden profitieren wollen.“

Tatsächlich hat Uniper seinen Aktionären eine beträchtliche Ausschüttung von insgesamt 200 Millionen Euro für 2016 in Aussicht gestellt. Legt man die Schätzungen der verschiedenen Analysten zum Börsenwert zugrunde, ergibt sich daraus eine Dividendenrendite zwischen fünf und fast zehn Prozent.

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