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Delivery Hero : Pizzaboten für die Börse

Anleger zeigen sich überzeugt von den drei Firmen. Grub-Hub-Aktien legten seit Erstnotiz um 52 Prozent zu, Just Eat um 36 Prozent und Takeaway um 49 Prozent. Allerdings ist es bisher nur den beiden angloamerikanischen Firmen gelungen, profitabel zu arbeiten. Takeaway dagegen hat seinen Umsatz 2016 zwar stark auf 112 Millionen Euro steigern können, doch fiel auch der Verlust mit 31 Millionen Euro happiger aus als im Jahr zuvor.

Vieles deutet darauf hin, dass Delivery Hero die Investoren mit einer global angelegten Wachstumsstory für sich gewinnen will. Die drei Konkurrenten konzentrieren sich bei ihrem Wachstum jeweils auf nur wenige Märkte. Takeaway ist außer in seiner niederländischen Heimat und auf dem heiß umkämpften deutschen Markt in lediglich sieben Ländern aktiv.

Bild: F.A.Z.

Delivery Hero dagegen hat in den vergangenen Jahren in aller Welt eifrig zugekauft und beliefert mittlerweile hungrige Kunden in 42 Ländern. Im Zuge dessen ist der Umsatz im vergangenen Jahr um 71 Prozent auf 347 Millionen Euro gestiegen. In Südosteuropa und dem Nahen Osten verdienen die zu Delivery Hero gehörigen Lieferdienste sogar Geld, allen voran die vor zwei Jahren übernommene türkische Yemeksepeti, die auch in Griechenland und dem Nahen Osten Bestellplattformen betreibt.

„Delivery Hero wächst auf Gruppenebene dynamischer als vergleichbare Unternehmen und hat durchaus weiter großes Wachstumspotential, unter anderem wegen der breiteren geographischen Präsenz“, sagt Lucas Boventer, Analyst bei Warburg Research. Anders als bei Takeaway und seiner Marke Lieferando sei daher „die Abhängigkeit vom deutschen Markt nicht so groß“.

Nur einer kann gewinnen

Es geht den Lieferdiensten um nicht weniger als die Marktführerschaft, andernfalls ist kaum Geld zu verdienen. So haben sich sowohl Delivery Hero als auch Takeaway aus England zurückgezogen, weil sie gegen den Platzhirsch Just Eat nicht ankamen.

In 35 Ländern reklamieren die Berliner die Marktführerschaft für sich, gemäß dem Motto, das Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg schon vor Jahren ausgegeben hat: Er wolle seine Firma zum Google unter den Lieferdiensten machen. Das heißt: Delivery Hero soll beim Verbraucher stets die erste Wahl sein.

Der Vergleich ist insofern passend, weil Kunden einem einmal ausgewählten Lieferdienst in der Regel treu bleiben wie der Internetsuchmaschine. Studien haben gezeigt, dass vier von fünf deutschen Bestellern keine Veranlassung sehen, von einem Lieferdienst zum anderen zu wechseln.

Hart umkämpft

Was Anleger auch im Auge haben sollten: Angriffslustige Firmen wie der Fahrdienst Uber und der Online-Händler Amazon steigen zunehmend in die Lieferwelt ein. „Die Marktstellung ist praktisch nicht dauerhaft zu verteidigen“, sagt Vermögensverwalter Leber über Delivery Hero. „Und die Erfahrung mit Rocket Internet zeigt, dass im Zweifel der Anleger verliert.“ Mit großem finanziellen Aufwand für schnelles Wachstum zu sorgen und dabei ständig Verlust zu machen wirkt abschreckend.

Weil die Loyalität der Kunden groß ist, fällt es den Lieferdiensten schwer, sich Kunden abspenstig zu machen. Seit geraumer Zeit überbieten sich Lieferheld und Lieferando hierzulande darin, Gutscheine unter die Leute zu bringen. Die Marketingausgaben schießen entsprechend in die Höhe, mehr als 50 Millionen Euro gibt Lieferando aus. Wie viele Millionen Delivery Hero sich sein Wachstum kosten lässt, werden Anleger demnächst erfahren.

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