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Delistings : Prominente Namen nehmen Abschied von der Börse

Die Nasdaq in Manhattan, New York Bild: REUTERS

In nächster Zeit werden einige Unternehmen die Börse verlassen - oft aus finanziellen Gründen und um dem Erfolgsdruck zu entgehen. Im Blickpunkt stehen Douglas, MAN, Dell und Nasdaq OMX.

          3 Min.

          In Deutschland und Amerika könnten in nächster Zeit prominente Unternehmen den Kurszettel verlassen. Delistings von der Börse hat es von größeren Unternehmen seit Jahren nicht mehr gegeben. In Deutschland waren zuletzt 2008 Unternehmen aus dem streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse genommen worden. In den vergangenen Wochen deuteten sich aber immer mehr prominente Fälle an.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Einfach ist ein solches Unterfangen nicht. Die Hauptversammlung muss dem Vorhaben zustimmen. Und den Minderheitsaktionären muss ein angemessenes Abfindungsangebot unterbreitet werden. Die genaue Höhe der Abfindung ist nicht geregelt, weswegen juristische Auseinandersetzungen um ein Delisting keine Seltenheit sind.

          Im vergangenen Sommer hat das Bundesverfassungsgericht jedoch festgestellt, dass ein Delisting den Schutz des Eigentums nicht verletzt, Aktionäre also den Rückzug ihres Unternehmens von der Börse und damit den Wegfall des öffentlichen Börsenhandels ihrer Anteilsscheine hinnehmen müssen. Meistgenannter Beweggrund für ein Delisting ist der Wegfall der teuren quartalsweisen Berichterstattung und damit einhergehend eine Unternehmensentwicklung ohne den kurzfristigen Erfolgsdruck gemessen an der Aktienkursentwicklung.

          Am weitesten auf dem Weg zum Delisting ist die Douglas Holding, zu der die Douglas-Parfümerien gehören, Hussel Süßwaren (als Hussel AG feierte das Unternehmen im Jahr 1966 sein Börsendebüt), Christ Juweliere, Thalia Buchhandlungen und Appelrath Cüpper Mode. Der Finanzinvestor Advent verfügt schon über mehr als 95 Prozent der Aktien. Mitte Januar äußerte Advent „das förmliche Verlangen“, die Hauptversammlung möge die Übertragung der Aktien der übrigen Aktionäre gegen Gewährung einer „angemessenen Barabfindung“ beschließen.

          Die Hauptversammlung soll im Mai stattfinden. Danach soll Douglas - bis Dezember noch im M-Dax und im F.A.Z.-Index vertreten - von der Börse genommen werden. Auch der deutsche Pressenhersteller Schuler könnte bald von der Börse verschwinden. Im Jahr 2012 hatte sich das Unternehmen aus Göppingen aus dem Prime Standard in den General Standard zurückstufen lassen. In der vergangenen Woche stimmten die Kartellbehörden der Übernahme von Schuler durch den österreichischen Maschinenbauer Andritz zu.

          Umstrittener ist der Börsenabschied von Dell. In der vergangenen Woche hatte ein Konsortium um den Unternehmensgründer Michael Dell und den Finanzinvestor Silver Lake ein Übernahmeangebot im Umfang von gut 24 Milliarden Dollar abgegeben. Der gebotene Preis lag mit 13,65 Dollar rund ein Viertel höher als der Börsenkurs vor Beginn der Übernahmespekulationen. Die Investmentgesellschaft Southeastern Asset Management, größter Aktionär des Unternehmens nach Michael Dell, teilte jedoch schon mit, 24 Dollar je Aktie für einen angemessenen Preis zu halten. Dell will das Unternehmen übernehmen, um es abseits der Börsenöffentlichkeit zu sanieren.

          Das prominenteste Delisting hierzulande könnte in näherer Zukunft dasjenige von MAN werden. Der Volkswagen-Konzern hält gut 75 Prozent der Aktien des Münchener Lastwagenherstellers. Derzeit bereitet Volkswagen einen Beherrschungsvertrag vor, der ein Abfindungsangebot an die übrigen Aktionäre erforderlich macht. Damit könnte Volkswagen seinen Anteil an MAN auf mehr als 90 Prozent erhöhen, die übrigen Aktionäre mit einer Zwangsabfindung aus dem Unternehmen drängen („Squeeze-out“) und die Titel von der Börse nehmen. MAN war 1988 Gründungsmitglied im Dax und wurde im September in den M-Dax zurückgestuft.

          Wenig rühmlich wäre es zudem für die Börsen, die seit Jahren weitgehend vergebens um Börsengänge werben und davon leben, das Unternehmen börsennotiert sind, wenn sich die jüngsten Gerüchte aus New York bestätigten. Demnach deutete sich ein Börsenabschied des Börsenbetreibers Nasdaq OMX an. Die Beteiligungsgesellschaft Carlyle habe mit dem Unternehmen nach übereinstimmenden Medienberichten kürzlich über eine Übernahme gesprochen. Die Verhandlungen scheiterten aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die seit Anfang 2011 amtierende Finanzchefin von Carlyle, Adena Friedman, hatte früher in gleicher Funktion für die Nasdaq gearbeitet.

          Die Nasdaq soll im Vorjahr auch mit zwei anderen Finanzinvestoren vorläufige Übernahmegespräche geführt haben. Die Geschäftsführung der Börse ist seit langem der Ansicht, dass das Unternehmen im Vergleich zu seinen Konkurrenten unterbewertet ist. Der Aktienkurs der Nasdaq reagierte am Montag mit einem Aufschlag von 3 Prozent auf die Carlyle-Meldung. Seit Anfang des Jahres ist der Aktienkurs schon um 22 Prozent gestiegen.

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