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Delisting : Und plötzlich ist die Aktie verschwunden

Neue Regelung gilt als Schutz vor „räuberischen Aktionären“

Betroffen von Delistings sind vor allem Unternehmen mit einem Großaktionär. Bei Schuler hält die österreichische Andritz-Gruppe gut 95 Prozent der Aktien. „Bei einem so geringen Freefloat ist der Kapitalmarkt für uns kein geeignetes Finanzierungsinstrument mehr“, begründete der Vorstandsvorsitzende Stefan Klebert im April die Vorstandsentscheidung zum Börsenrückzug. „Wir wollen im Interesse des Unternehmens auf die umfassenden Publizitätspflichten börsennotierter Aktiengesellschaften verzichten.“ Durch den Wegfall von Ad-Hoc-Pflichten und der Quartalsberichte erwartet sich Schuler jährliche Einsparungen im sechsstelligen Bereich. Eine Hauptversammlung müssen aber auch Aktiengesellschaften abhalten, die nicht mehr börsennotiert sind. „Wir haben uns entschieden, die Hauptversammlung aller delisteten Unternehmen zu besuchen“, sagt Tüngler. Schließlich gelte es auch dort noch die Interessen der Minderheitsaktionäre zu vertreten. Diese müssen sich die Käufer für ihre Aktien nun andernorts suchen. Die Vorteile eines regulierten Börsenplatzes gibt es nicht mehr. Anbieter wie die Valora Effekten Handel AG machen sich dies zunutze und bieten den Handel einiger nicht mehr an Börsen notierter Wertpapiere an. Für viele Aktionäre ist dies der letzte Ausweg, wenn sie ihre Aktie verkaufen wollen.

Die Anlegerschützer zeigen sich aber nicht nur vom Gesetzgeber enttäuscht, sondern auch von den Börsen, denen es freisteht, in ihre Börsenordnung andere Regelungen zu schreiben. Einzig die Börse Düsseldorf sieht jedoch die Verpflichtung zu einem Hauptversammlungsbeschluss und einem Abfindungsangebot vor. Eine reine Fristenlösung - in der Regel sechs Monate zwischen der Ad-Hoc-Mitteilung und dem Delisting; im Freiverkehr oft sogar nur sechs Wochen - werde dem nach dem Börsengesetz zu beachtenden Anlegerschutz nicht gerecht. Der BGH habe zudem den Aktionären alle privatrechtlichen Möglichkeiten genommen, die Entscheidung gerichtlich überprüfen zu lassen. Die Börse Düsseldorf war schon im April davon ausgegangen, dass der Gesetzgeber die „Lücke im Anlegerschutz“ bald schließen werde. Doch bis heute ist nichts geschehen. „Wie wir aus dem Markt hören, raten Anwälte den Unternehmen, sich mit einem Delisting zu beeilen, weil es ein einmaliges Zeitfenster sei, um billig aus dem Aktienmarkt zu kommen“, sagt Thomas Dierkes, Geschäftsführer der Börse Düsseldorf. „Das zeigt schon das Bewusstsein, dass die aktuelle Regelung eigentlich nicht richtig ist.“

Die Deutsche Börse wiederum stellt sich auf einen anderen Standpunkt: „Die Börse kann und darf keine Einbahnstraße sein. Wir können keine Emittenten aufnehmen und sie dann nicht wieder in einem planbaren und geordneten Verfahren entlassen“, sagt Cord Gebhardt, Geschäftsführer der Frankfurter Börse. Die Börse Stuttgart sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Entsprechende Regelungen seien durch den Gesetzgeber zu formulieren.

Die neue Regelung gilt auch als Schutz vor „räuberischen Aktionären“. Als solche werden Aktionäre bezeichnet, die sich unter anderem gezielt an Unternehmen beteiligen, um von Abfindungen an Minderheitsaktionäre zu profitieren und diese gegebenenfalls in juristischen Auseinandersetzungen in die Höhe zu treiben. Es handelt sich dabei aber nur um eine überschaubare Zahl an Berufsklägern.

Negativ könnte sich die Regel auch auf die generelle Bereitschaft von Anlegern zum Aktienengagement auswirken, wenn jederzeit mit dem Entzug der Handelbarkeit der Aktie gerechnet werden muss. Die Unternehmen könnten aber auch in ihre Satzung schreiben, dass sie die Handelbarkeit der Aktie an einer Börse sicherstellen. Doch daran scheinen immer weniger Unternehmen Interesse zu haben.

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