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Debatte über Trennbankensystem : Universalbanken haben an der Börse einen Makel

  • -Aktualisiert am

Unrühmliche Spitze: Die Citigroup gehört zu den größten Kursverlierern Bild: dpa

Seit dem Ende des Trennbankengesetzes im Jahr 1999 haben sich klassische Kreditinstitute an der Wall Street besser entwickelt als große Konglomerate. Nun wird darüber debattiert, ob sich die Zerschlagung von Großbanken für Investoren lohnen würde.

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          Sanford Weill, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der amerikanischen Großbank Citigroup und eine Art lebende Legende an der Wall Street, ist immer noch für Kontroversen gut. Seine Forderung nach einer Zerschlagung von Großbanken, zu deren Entstehung er Ende der neunziger Jahre entscheidend beigetragen hatte, hat in dieser Woche auch eine Debatte darüber angestoßen, ob sich eine Aufspaltung für Investoren lohnen würde.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Mein Bauch sagt mir, dass alle diese Megabanken in ihren Einzelteilen mehr wert sind als zusammen“, sagt Bill Black, geschäftsführender Direktor beim Hedgefonds Consector Capital. Weill plädierte in einem Fernsehinterview für eine Trennung des als risikoreicher geltenden Investmentbanking, zu dem der Wertpapierhandel zählt, vom traditionellen Einlagen- und Kreditgeschäft. „Wir sollten wahrscheinlich das Investmentbanking vom Bankgeschäft trennen“, sagte er. Hinter dieser Idee steht offenbar Weills Frustration über die niedrige Börsenbewertung der Citigroup, deren Aktionär er immer noch ist. Weill wies in dem Interview darauf hin, dass die Citigroup, die drittgrößte amerikanische Bank, derzeit nur zur Hälfte ihres materiellen Buchwertes gehandelt wird. Das ist eine gebräuchliche Kennzahl für den bilanziellen Nettowert eines Unternehmens.

          Sowohl Kreditgeschäft als auch Investmentbanking

          Die Bank of America, die Nummer zwei der Branche, die unter den Großbanken neben der Citigroup am stärksten unter der Finanzkrise gelitten hatte, kommt auf eine ähnlich schwache Bewertung. Marktführer JP Morgan Chase, dessen Aktienkurs kürzlich wegen eines überraschenden Milliardenverlustes mit spekulativen Wertpapiergeschäften unter Druck geraten war, wird an der Börse etwas besser bewertet. Alle drei Finanzgiganten sind Universalbanken, die sowohl Kreditgeschäft als auch Investmentbanking betreiben.

          Investoren fürchten, dass diese Finanzriesen zu groß und zu komplex geworden sind, um sie noch richtig kontrollieren zu können. Der prominente Hedgefonds-Manager Bill Ackman hat nach den Verlusten bei JP Morgan und dem Skandal um die Manipulation des Londoner Referenzzinssatzes Libor durch eine Reihe von Banken seine Anteile an der Citigroup verkauft.

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          Banken, die nicht so stark im Investmentgeschäft engagiert sind, werden an der Börse derzeit höher bewertet. Nach Angaben des Informationsdienstes Factset kommt eine Gruppe von 50 amerikanischen Regionalbanken mit einem Börsenwert zwischen 1 Milliarde und 25 Milliarden Dollar aktuell auf ein durchschnittliches Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,5. Die überregionalen Großbanken Wells Fargo und US Bancorp, gemessen an der Bilanzsumme die Nummer vier und fünf der Branche und ebenfalls hauptsächlich im Kreditgeschäft tätig, werden noch höher bewertet. Das spiegelt sich auch in der Marktkapitalisierung wider. Wells Fargo ist gemessen am Börsenwert mit 178 Milliarden Dollar die wertvollste amerikanische Bank vor Marktführer JP Morgan Chase, der 135 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage bringt. US Bancorp ist mit einem Börsenwert von 63 Milliarden Dollar nicht weit von der Citigroup und der Bank of America entfernt, die beide 77 Milliarden Dollar wert sind.

          Wells Fargo und US Bancorp weisen unter den größten amerikanischen Banken auch die beste Aktienkursentwicklung auf, seitdem das Trennbankengesetz im November 1999 vom Kongress gekippt wurde und Universalbanken möglich machte. Am schlechtesten schnitt dabei die Citigroup ab (siehe Grafik). Die Citigroup war 1998 entstanden, als der von Weill geführte Finanzdienstleister Travelers, zu dem eine Investmentbank gehörte, mit dem großen Kreditinstitut Citicorp fusionierte.

          Zahlreiche Fusionen und Übernahmen

          Der Zusammenschluss hebelte das seit den dreißiger Jahren geltende Trennbankengesetz aus, das in Amerika Investmentbanking und Kreditgeschäft unter einem Dach untersagte. Mit dem Trennbankensystem sollte vermieden werden, dass risikoreiche Wertpapiergeschäfte die Einlagen von Sparern gefährden. Nach der Citigroup wurden dann auch JP Morgan und die Bank of America durch zahlreiche Fusionen und Übernahmen zu Universalbanken.

          Aber auch Regionalbanken ohne Investmentbanking waren nicht vor den Auswirkungen der Finanzkrise und Kursverlusten gefeit. Seit Ende des Trennbankensystems sind auch die Aktienkurse von Instituten wie Suntrust, Fifth Third oder Keycorp deutlich gefallen. Zahlreiche kleine Banken brachen zusammen, weil sie zu große Kreditrisiken eingegangen waren. William Harrison, der ehemalige Vorstandschef von JP Morgan Chase, hält eine Zerschlagung von Großbanken deswegen für Unsinn. „Es kommt auf das Management der eingegangenen Risiken an, und das kann man sowohl bei einer kleinen oder einer großen Bank vermasseln“, sagt Harrison.

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