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Wochenausblick : Berichtssaison könnte dem Dax unter die Arme greifen

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Auf Unternehmensseite ist der Kalender diese Wocheprall gefüllt, unter anderem berichtet der Autobauer Daimler über die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal Bild: dpa

Nach dem jüngst holprigen Ritt am deutschen Aktienmarkt dürfte in der neuen Woche die Quartalsberichtssaison deutscher Konzerne den Ton angeben.

          Ob sich der Dax auf dem aktuellen Niveau halten könne oder ein weiterer Rücksetzer vom Rekordhoch drohe, dürften auch die Unternehmensgewinne und-aussichten bestimmen, sagte Marktstrategin Sarah Brylewski vom Handelshaus Ayondo. Zudem erhoffen sich Anleger von Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten Hinweise auf die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed.

          Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung durch die Fed nach der globalen Finanzkrise sowie die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten den Kurs des Euro in den vergangenen Monaten auf Talfahrt geschickt. Das lieferte zusätzlichen Treibstoff für die Rekordjagd des Dax, der vor zwei Wochen - nach einem Plus von 26 Prozent allein im bisherigen Jahresverlauf - bei 12 390 Punkten seine jüngste Bestmarke erklommen hatte. Seither ging es um rund 5 Prozent nach unten - auch wegen Sorgen um eine drohende Staatspleite Griechenlands. Zudem fällt laut Brylewski angesichts der jüngsten Stabilisierung des Euro ein wichtiger Kurstreiber weg.

          Durchwachsene Konjunkturdaten aus Amerika hatten zuletzt die Hoffnungen vieler Investoren genährt, dass sich die Fed beim Abschied von ihrer Nullzinspolitik noch Zeit lassen könnte. Große Bedeutung kommt daher am Mittwoch Daten zum Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten im ersten Quartal zu. Die Experten der Landesbank Helaba erwarten einnnur geringes Wachstum. Das dürfte aber auch am kalten Winter und dem Streik in den Westküsten-Häfen gelegen haben, schrieben sie in einer Studie. Deshalb rechnen sie im weiteren Jahresverlauf mit einer Gegenbewegung. Entsprechend viel Interpretationsspielraum werden die Daten den Anlegern wohl eröffnen.

          Als im Grunde ausgeschlossen gilt, dass die Fed den Zins auf ihrer geldpolitischen Sitzung in der neuen Woche anrühren wird. Die Leitzinsen sollten unverändert bleiben und die Aussagen zur Entscheidung dürften keine konkreten Hinweise auf den möglichen Zeitpunkt einer Zinserhöhung liefern, schrieben die Analysten der Postbank. Am Freitag, dem 1. Mai, steht dann in Amerika mit dem ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe noch ein wichtiger Konjunkturindikator auf der Agenda. Wegen der feiertagsbedingten Pause können die Anleger hierzulande aber erst in der folgenden Woche darauf reagieren.

          Auf Unternehmensseite ist der Kalender ab Dienstag prall gefüllt. Dann berichtet der Autobauer Daimler über die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal. Analyst Tim Rokossa von der Deutschen Bank rechnet mit starken Resultaten und einem weiterhin optimistischen Jahresausblick des Managements. Zur Wochenmitte öffnen Daimler-Konkurrent Volkswagen und die Deutsche Börse Bei VW ist nach dem Abgang von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zwar der Machtkampf mit Konzernchef Martin Winterkorn entschieden, dafür muss der größte deutsche Autobauer nun ein empfindliches Machtvakuum füllen.

          Die Deutsche Bank  hat ihre Bilanz bereits am Sonntag veröffentlicht und einen halbierten Überschuss für das erste Quartal präsentiert. Zwar konnten die Einnahmen um fast ein Viertel deutlich verbessert werden, doch machten Altlasten erneut den Aufschwung im Tagesgeschäft zunichte.
          Die Aktionäre der Deutschen Bank dürften sich allerdings viel mehr für die neue Strategie des Finanzkonzerns interessieren. Das Institut will sich von der Mehrheit der Postbank trennen, wie es am späten Freitagabend nach einer Aufsichtsratssitzung bekanntgegeben hatte. Die Postbank werde „entkonsolidiert“, hieß es in einer Mitteilung. Damit hält sich das Institut die Art der Trennung offen. Möglich ist ein Komplettverkauf oder auch die Platzierung größere Aktienpakete an der Börse. Die Bank wolle ihren Anteil an dem Bonner Institut „mindestens unter 50 Prozent verringern“, sagte ein Sprecher.

          Am Donnerstag geht der Zahlenreigen der Dax-Konzerne dann mit dem Dialysespezialisten FMC dem Medizinkonzern Fresenius und dem Chemiekonzern BASF weiter. Anleger erwarten von diesen Unternehmen ebenso wie vom Gase-Produzenten Linde sowie dem Pharma- und Chemiekonzern Bayer einiges. Fallen die Geschäftszahlen gut aus, dürfte aus dem jüngsten Rückschlag des Dax kaum etwas Größeres werden, so ein Marktteilnehmer. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes fehlten schlicht attraktive Anlagealternativen. Zwar bleibe die Entwicklung im Schuldendrama um Griechenland ein Risiko, doch sei das Drohpotenzial vorerst begrenzt. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass sich der griechische Staat bis Juni finanziell über Wasser halten kann.

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