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Regierungschefs in Deutschland  : Der Kanzlerzyklus an den Aktienmärkten

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Der weitere wichtige Analyse-Aspekt des Kanzlerzyklus ist die relative Stärke beziehungsweise relative Schwäche des Dax in den verschiedenen Amtszeiten gegenüber einem anderen wichtigen Aktienindex wie zum Beispiel dem Euro Stoxx 50. Diesen Index gibt es sowohl als Kursindex, bei dem die Dividenden nicht berücksichtigt sind, als auch als Performance-Index, bei dem die – um die landesspezifische Steuer reduzierte – Dividende ebenfalls anteilig in Kursgewinne des Euro Stoxx 50 Performance-Index umgerechnet werden. Sowohl der Kursindex als auch der Performance-Index des Euro Stoxx 50 starteten am 31. Dezember 1991 bei 1000 Punkten. In der Zeitspanne von 1992 zum Sommer 1998 hatten der Dax und der Euro-Stoxx-50-Performance-Index in der damaligen Hausse einen Gleichlauf.

Dies änderte sich in den Wochen vor der damaligen Bundestagswahl 1998, wobei der Dax eine moderate relative Schwäche herausbildete. Mit dem Start der Regierung von Gerhard Schröder verfestigte sich diese relative Schwäche des Index. Hervorzuheben sind hier besonders die ersten sechs Monate – parallel zur Amtszeit des damaligen Finanzministers Lafontaine – mit einer sehr ausgeprägten relativen Schwäche des Dax. Diese relative Schwäche setzte sich in abgeschwächter Form bis Mitte 2000 fort. Danach kam es vom Sommer 2000 bis zum Regierungswechsel im Herbst 2005 – abgesehen von kleineren Schwankungen – wieder zu einem Gleichlauf zwischen dem Dax und dem Euro-Stoxx-50-Performance-Index.

Mit der Etablierung der großen Koalition ab dem Herbst des Jahres 2005 drehte der Dax in eine relative Stärke gegenüber dem Euro-Stoxx-50-Performance-Index, die sich auch unter Schwarz-Gelb (2009 bis 2013) und der weiteren großen Koalition (2013 bis 2017) fortgesetzt hat. Diese relative Stärke des Dax lag vor, obwohl die damals im Dax hochgewichteten Versorger ab dem Jahr 2008 mit einer ausgeprägten Kursschwäche zu kämpfen hatten und ab dem Jahr 2015 der ebenfalls hochgewichtete Automobilsektor der Dax-Entwicklung nicht folgen konnte.

Nächstes Allzeithoch im Blick?

Für technisch motivierte Investments am deutschen Aktienmarkt bleibt festzuhalten, dass – vergleichbar zum amerikanischen Präsidentenzyklus – das Strategieelement „auf den (die) Kanzler(in) kommt es an“ im Umfeld der anstehenden Bundestagswahl und bei der Analyse der aktuellen technischen Gesamtlage im Dax berücksichtigt werden sollte. Der Dax befindet sich seit März 2009 (Startniveau: 3589 Punkten) in einem technischen Hausse-Zyklus, der von einem zentralen, achteinhalbjährigem Hausse-Trend (Trendlinie zurzeit bei etwa 10.200 Punkten) begrenzt wird.

Begleitet von dem damals schwachen Euro war der Dax im Jahr 2015 bis auf die alten Allzeithochs um 12.391 Punkte (April 2015) gestiegen. Danach kam es zu einer technischen Korrektur, die sich bis zum Februar 2016 mit dem Rutsch auf 8700 Punkten zu einer Zwischenbaisse ausweitete. Nachdem der Index die insgesamt dreijährige Unterstützungszone von 8700 bis 9350 Punkte verteidigen konnte, sorgte das Investment-Kaufsignal (August 2016; Verlassen des Zwischenbaisse-Trends) für die Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends. Dieser weitete sich aufgrund von politischen Impulsen wie der amerikanischen Präsidentenwahl, dem Verfassungsreferendum in Italien oder der französischen Präsidentenwahl aus und mündete im Juni 2017 bei 12951 Punkten auf einem neuen Allzeithoch in einer mittelfristig überkauften Struktur.

Deshalb überrascht es nicht, dass der Dax – auch mitbewirkt durch den zuletzt festen Euro und die Schwäche des Autosektors – diesen feinen, mittelfristigen Aufwärtstrend (Juli 2016 bis Juni 2017; Kursanstieg: 9325 bis 12.591) mit einem Gewinnmitnahmesignal in eine Konsolidierung zum Abbau der überkauften Lage verlassen hat. Diese Konsolidierung wird von der Unterstützungszone von 11.700 bis 12.000 (dort liegt auch die steigenden 200-Tage-Linie bei aktuell rund 11.900 Punkten) und der Widerstandszone von 12.900 bis 13000 (Umfeld der Allzeithochs) begrenzt. Die technische Gesamtlage deutet eine zeitlich Ausweitung dieser Konsolidierung an. Für den weiteren Jahresverlauf besteht weiterhin eine gute Chance, dass sich der Dax wieder in Richtung der Allzeithoch vorarbeitet.

Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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