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Marktbericht : Dax auf Rekordhoch

  • Aktualisiert am

Das Lauern auf die 10.000 Punkte gehört an der Börse derzeit zum Business as usual Bild: Reuters

Die Börse freut sich über gute Arbeitsmarktdaten aus Amerika: Der Dax klettert zeitweilig sogar bis auf 10.093 Punkte.

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          Überraschend starke Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und Deutschland haben den Dax am Freitag auf einen frischen Rekordstand getrieben. Der Leitindex setzte kurz vor Handelsende eine neue Bestmarke bei 10.093,03 Punkten – er schloß 2,4 Prozent höher bei 10.087,12 Zählern. Auch an den anderen europäischen Börsen ging es aufwärts - der EuroStoxx legte 2,7 Prozent auf 3277,38 Punkte zu.

          Angefeuert wurde die Rally zum Wochenschluss von einem starken amerikanischen Arbeitsmarktbericht: Die amerikanische Wirtschaft schuf im November so viele Stellen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Insgesamt entstanden 321.000 neue Jobs - Ökonomen hatten lediglich mit einem Zuwachs von 230.000 gerechnet. „Damit hat sich die Wahrscheinlichkeit einer ersten Leitzinsanhebung der Fed im Sommer 2015 noch weiter erhöht“, urteilte NordLB-Analyst Tobias Basse. Ungeachtet dessen brachten die ermutigenden Konjunktursignale aus der weltgrößten Volkswirtschaft die Anleger in Kauflaune.

          Für den Dollar ging es nach den Daten kräftig aufwärts: Der Euro fiel im Gegenzug unter die Marke von 1,23 Dollar und notierte mit 1,2273 Dollar so niedrig wie seit August 2012 nicht mehr. In der Spitze rutschte er fast um einen Cent ab. An den amerikanischen Börsen war die Stimmung ebenfalls freundlich: Sie lagen zum Handelsende in Europa rund 0,4 Prozent im Plus.

          Auch die Aufträge der deutschen Industrie überzeugten die Börsianer: Sie stiegen im Oktober um 2,5 Prozent zum Vormonat - Analysten hatten lediglich ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Die Daten signalisierten, dass sich die Konjunktur in Deutschland nach der Schwächephase im Sommer wieder stabilisiert habe, urteilte Stefan Kipar von der BayernLB.

          Am Donnerstag hatten Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi zum geldpolitischen Kurs im Euro-Raum für Enttäuschung gesorgt. Börsianer nahmen Draghi krumm, dass er sich nicht auf einen konkreten Zeitpunkt für weitere Geldspritzen festgelegt hat. Er ließ sich jedoch alle Optionen offen. Neue Lockerungsmaßnahmen seien damit nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben, sagte Gregor Kuhn von IG Markets.

          Als geeignetes Mittel zum Öffnen der Geldschleusen gilt der Ankauf von Staatsanleihen, wie ihn andere Notenbanken - etwa in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien - bereits eingesetzt und damit die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder in Schwung gebracht haben.

          Bei den zweitägigen Beratungen am Mittwoch und Donnerstag sprachen einige Befürworter einer sogenannten Quantitativen Lockerung nach Informationen der F.A.Z. für ein Volumen von mehr als 1000 Milliarden Euro aus. „Es ging um mehr als die eine Billion Bilanzausweitung, die bislang öffentlich ist“, sagte ein Eurosystem-Insider der F.A.Z.

          Daimler erfreut Anleger mit Absatzzahlen

          Zu den größten Gewinner im Dax zählten die Verlierer des Vortages: Die Deutsche Bank und die Commerzbank legten 3,6 und 3,5 Prozent zu. Am Donnerstag hatten sie 2,4 beziehungsweise 3,3 Prozent nachgegeben. Auch an den anderen Handelsplätzen in Europa waren Bankenwerte auf Erholungskurs: Der Branchenindex stieg um 3,1 Prozent. Ebenfalls gefragt waren die Papiere von Daimler, die um 3,6 Prozent vorrückten. Dank des starken China-Geschäfts und neuer Modelle hat der Autobauer im November mehr Autos verkauft und steuert ein Rekordjahr an.

          Einsamer Dax-Verlierer waren mit einem Minus von einem Prozent auf 39,41 Euro die Aktien von Lanxess. Die Commerzbank hatte das Kursziel auf 39 von zuvor 50 Euro gesenkt.

          In Mailand blieben die Aktien von Saipem nach dem Aus für die Gas-Pipeline „South Stream“ auf Talfahrt. Die Aktien des italienischen Öl-Dienstleisters fielen um 6,2 Prozent auf 9,31 Euro, den tiefsten Stand seit knapp zehn Jahren. Zeitweise wurde der Handel wegen der fortschreitenden Kursverluste angehalten. Saipem fürchtet durch den Verlust des Projektes Einbußen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro.

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