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Wochenausblick : Börsianer zwischen Konjunktursorgen und Rekordhoffnungen

  • Aktualisiert am

Die neuen Börsenwoche wird nicht nur für die Händler an der Wall Street spannend. Bild: Reuters

Die Weichen für den deutschen Aktienmarkt werden neu gestellt. In den letzten September-Tagen könnte sich entscheiden, wohin die Reise für den Rest des Jahres geht.

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          Zum Auftakt der neuen Woche trauen sich Aktienanleger wohl nicht so Recht aus der Deckung, nachdem der Dax schon am Freitag 0,4 Prozent tiefer bei 10.626,97 Punkten geaschlossen hatte. Dabei könnte diese Woche entscheidend werden.

          Die Meinungen unter den Experten gehen nämlich bezüglich des letzten Börsenquartals dieses Jahres weit auseinander: Während die einen nach den jüngsten Notenbank-Entscheidungen in den Vereinigten Staaten und Japan den Dax  schon auf dem Weg zu einem neuen Jahreshoch sehen, mahnen andere angesichtszu erwartender schwacher Konjunkturdaten vor einem Rückschlag.

          "Nachdem die Notenbanken die Börsen zuletzt nach oben getrieben hatten, wäre eine Bestätigung durch überzeugende Makrodaten wichtig", erklärt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Viel Hoffnung macht er Anlegern dabei aber nicht: "Wir gehen bei den anstehenden Stimmungsindikatoren für Europa und Amerika insgesamt von einem überwiegend gedämpften Niveau aus."

          Die Experten von Merck Finck achten aus Amerika insbesondere auf den Dienstleistungs-Einkaufsmanagerindex und das Verbrauchervertrauen am Dienstag, auf die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter am Mittwoch sowie auf die Konsumausgaben am Freitag. Aus Deutschland haben sie vor allem das GfK-Konsumklima am Mittwoch sowie die Arbeitslosenzahlen und Verbraucherpreise am Donnerstag im Blick.

          Ebenfalls am Donnerstag wird sich zeigen, wie es um die Stimmung in der gesamten EU-Wirtschaft bestellt ist. Am Montag berichtet bereits das ifo-Institut über das Geschäftsklima in Deutschland. "Anleger sollten angesichts der Risiken - trotz der jüngsten Erholung der Aktienmärkte - vorsichtig sein", mahnte Merck-Finck-Chefstratege Greil.

          Dax steht an entscheidender Marke

          Zuletzt hatten sich die Zeichen aus der Weltwirtschaft etwas eingetrübt. Die Börsen legten trotzdem kräftig zu - aber nur dank der unverändert niedrigen Leitzinsen in Amerika und der auch in Japan weiter lockeren Geldpolitik. Zwischenzeitlich stieg der Dax über die Marke von 10.700 Punkten. "Damit rückt das Jahreshoch von 10.802 Punkten wieder in den Fokus", schreibt Charttechniker Christian Schmidt von der Helaba im Ausblick auf die neue Woche. "Spätestens an dieser Marke wird sich zeigen, ob der Dax über weitere Kraft verfügt."

          Neben den Konjunkturdaten spielen dabei auch die Geschäftsergebnisse der Unternehmen eine gewichtige Rolle - denn das dritte Quartal ist fast vorbei. Nur wenn die Notierungen zunehmend auch durch steigende Unternehmensgewinne untermauert würden, dürfte der Aufwärtstrend bei den Kursen anhalten, gibt Analyst Markus Reinwand von der Helaba zu bedenken.

          Einige Konzerne mit einem gebrochenen Geschäftsjahr legen schon in der letzten Woche des Monats ihre Zahlen vor: Am Dienstag ist der weltgrößte Sportartikel-Konzern Nike.mit seinem ersten Geschäftsquartal an der Reihe - mit möglichen Auswirkungen auch auf die Kurse der Rivalen Adidas und Puma. Am Mittwoch berichtet der Autolicht-Spezialist Hella  aus Lippstadt über das erste Quartal.

          Und dann wäre da noch die große Politik: In der Nacht von Montag auf Dienstag findet das erste TV-Duell zwischen den Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump statt. "Eine Präsidentschaft Trumps als Risikofaktor für die Märkte wird noch immer völlig unterschätzt", erklärt ein Marktteilnehmer.
          "Natürlich macht die Geldpolitik Aktien fast alternativlos, vor heftigen Rückschlägen kann sie den Markt aber auch nicht bewahren. Und Trump ist allemal geeignet, die Märkte durchzuschütteln."

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