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Dax : Optimisten erwarten Rekordhoch

Bild: F.A.Z.

Das Aktienjahr 2010 hat viele Pessimisten eines Besseren belehrt. Die Banken werden mutiger und trauen dem Index in diesem Jahr im Durchschnitt einen Anstieg um zehn Prozent zu. Allerdings liegen die Prognosen weit auseinander.

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          Das Aktienjahr 2010 hat die Pessimisten eines Besseren belehrt. In vielen Ländern sind die Aktienindizes stärker gestiegen als vorhergesagt – und das trotz der Schuldenkrise in Europa. Deswegen verwundert es eigentlich kaum, dass sich die Anlagestrategen nun mutiger zeigen als noch im Vorjahr. Im Durchschnitt sagen die 26 von dieser Zeitung befragten Banken und Fondsgesellschaften für den Dax in diesem Jahr einen Anstieg um 10 Prozent auf 7618 Punkte voraus.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Behalten die Experten recht, dann wäre dies das dritte positive Aktienjahr in Folge. Denn der Dax hat im vergangenen Jahr 16 Prozent an Wert gewonnen und zählte damit zu den Besten unter den großen Indizes der Welt. Im Jahr davor belief sich der Anstieg sogar auf 24 Prozent. Bei unserer letztjährigen Umfrage trauten die Strategen dem Dax im Durchschnitt für das Jahr 2010 nur ein Plus von 6 Prozent zu. Als Hauptgrund für den gedämpften Optimismus galt vielen damals die recht verhaltenen Konjunkturprognosen. Zwar befürchteten nur sehr wenige eine abermalige Rezession, viele erwarteten aber eine Abschwächung des Wachstums. Das Gegenteil war der Fall. Auch rechnete die Mehrzahl der Kreditinstitute mit einem starken Euro und täuschte sich damit ebenfalls.

          „Kurspotential weitgehend ausgereizt“

          Die Spannbreite der diesjährigen Erwartungen fällt dieses Mal allerdings groß aus. 2100 Punkte liegen zwischen der tiefsten Dax-Prognose und der höchsten. Sehr pessimistisch zeigen sich die Experten der Helaba. Ihre Vorhersage verheißt dem Dax einen Jahresendstand von 6200 Punkten und damit ein Minus von 12 Prozent. Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba, rechnet damit, dass eine nachlassende globale Wachstumsdynamik, die schwelende Schuldenkrise im Euro-Raum und die strukturelle Schwäche des amerikanischen Arbeitsmarktes die beherrschenden Marktthemen bleiben dürften. „Das Kurspotential von Aktien ist weitgehend ausgereizt“, sagt Reinwand: „Da Gewinnenttäuschungen drohen, ist sogar eine ausgedehnte Kurskorrektur zu erwarten.“

          Sechs Banken sehen den Dax zum Ende des Jahres wieder bei mehr als 8000 Punkten. Dieses Niveau erreichte der Auswahlindex zuletzt vor zwei Jahren. Besonders zuversichtlich äußern sich die französische Bank Société Générale und die Schweizer Union Bancaire Privée (UBP). Die Experten beider Institute sagen einen Anstieg auf 8300 Punkte vorher, was einem Plus von 20 Prozent gleichkäme. Damit würde der Dax auch ein Rekordhoch erreichen. Das bisherige stammt mit 8152 Punkten aus dem Juli 2007.

          UBS mit treffsicherster Prognose

          Das Wachstum der Weltwirtschaft werde mit Prognosen von rund 4 Prozent in diesem Jahr unterschätzt, sagt Christophe Bernard, Leiter der Investmentstrategie der UBP. Er rechnet mit etwa 5 Prozent. Zudem dürfte der Euro schwach bleiben, was besonders für die Exportnation Deutschland positiv sei. Auch sollte das Konsumentenverhalten hierzulande positiv überraschen. Jacques Hirsch, dem Aktienstrategen der Société Générale, gefallen der starke deutsche Arbeitsmarkt, die globale Präsenz der Unternehmen, die geringe private Verschuldung und die zudem vernünftige Aktienbewertung.

          Die im vergangenen Jahr mit Blick auf den Dax treffsichersten Prognosen kamen von der Schweizer UBS und der amerikanischen Bank J.P. Morgan. Beide Häuser gaben einen Jahresendstand von 6900 Punkten an, den der Dax um nur 14 Punkte verfehlte. Nur HSBC Trinkaus war mit einer Prognose von 7100 Punkten noch optimistischer. Besonders pessimistisch äußerte sich damals die Weberbank. Ihr Jahresendziel lag mit 5300 Punkten fast ein Viertel unter dem tatsächlichen Wert.

          Während die befragten Experten für den Dax und die amerikanischen Indizes im Jahr 2010 zu pessimistisch waren, zeigten sie sich mit Blick auf Europa zu optimistisch. Statt des erwarteten Jahresanstiegs des Euro Stoxx 50 um 5 Prozent ging es aufgrund der Sorgen über die hochverschuldeten Euro-Peripheriestaaten für den Index um 6 Prozent abwärts. Vielleicht ist dieser Kursrückgang und das deswegen erwartete Nachholpotential auch ein Grund dafür, warum die Analysten nun den möglichen Anstieg des Euro Stoxx 50 in diesem Jahr im Durchschnitt mit 8 Prozent beziffern, während sie für den Dow Jones nur ein Plus von gut 4 Prozent und für den Nasdaq Composite eines von 3 Prozent vorhersagen.

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