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Nervosität an den Märkten : Freigabe des Franken lässt Börsen taumeln

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Die Schweizerische Nationalbank hat am Donnerstag überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben. Bild: Fiechter, Fabian

Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses für den Franken durch die Schweizer Notenbank hat am Donnerstag an den Finanzmärkte Turbulenzen ausgelöst. Der Dax fiel zeitweise um 1,8 Prozent, erholte sich zuletzt aber wieder.

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          Die Freigabe des Schweizer Franken zum Euro hat am Donnerstag zu heftigen Turbulenzen an den Märkten geführt. Der bis dahin deutlich fester notierende deutsche Leitindex Dax stürzte innerhalb weniger Minuten um mehr als 250 Punkte auf ein Tagestief von 9637 Punkte ab, nachdem er am Vormittag zeitweise noch über 9940 Zählern notiert hatte. Zuletzt lag der Dax mit 0,4 Prozent noch leicht im Minus bei 9782 Punkten.

          Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Donnerstag überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und zugleich den Zins für Guthaben auf Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent gesenkt.
          Mit der Aufhebung des Mindestkurses dürfte die SNB an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betont habe, kommentierte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba. Chefanalyst Jörg Rohman vom Broker Alpari sagte: „Die Entscheidung der SNB wird den europäischen Aktienmärkten perspektivisch Liquidität entziehen, die bisher über den Ankauf von europäischen Staatsanleihen durch die SNB in den Aktienmarkt geflossen ist.“

          Derweil drückt die überraschende Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank auch den Eurokurs: Der Euro ist am Donnerstag kurzzeitig auf den tiefsten Stand seit November 2003 gefallen. Der Euro fiel zeitweise auf ein Tief von 1,1572 Dollar. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,1690 Dollar. Zur Schwächung der eigenen Währung hatte die schweizerische Notenbank an den Devisenmärkte Euro gekauft. Diese Nachfrage fällt durch die Aufgabe des Mindestkurses jetzt weg.

          Der M-Dax legte unter diesen Vorzeichen nur leicht um 0,1 Prozent zu auf 17.281 Zähler. Der Technologiewerte-Index Tec-Dax büßte zuletzt 0,4 Prozent ein und stand bei 1415 Punkten zu. Der Euro Stoxx 50 als Leitindex der Eurozone sank um 0,2 Prozent.

          Auf Unternehmensseite wartete Beiersdorf am Morgen mit Umsatzzahlen für 2014 auf, die höher als erwartet ausfielen. Der Konsumgüterkonzern wuchs dank neuer Produkte um 2,3 Prozent. Die Kennziffern zeigten, dass Beiersdorf und der gesamte Haushalts- und Körperpflegesektor die Talsohle im dritten Quartal durchschritten hätten, sagte ein Händler am Morgen. Die Beiersdorf-Titel verteuerten sich um knapp 4,5 Prozent und standen damit einsam an der Dax-Spitze.

          Weitere Impulse aus Amerika

          Die baldige Aufnahme von Hella-Aktien in den Kleinwerteindex S-Dax hat die Aktie um 1,5 Prozent nach oben befördert. Wie die Deutsche Börse am Mittwochabend mitgeteilt hatte, steigen die Papiere des Autozulieferers am kommenden Montag in den S-Dax auf. Dafür müssen jene des Öl-und Gasdienstleisters C.A.T. Oil weichen. Dessen Titel verloren 0,3 Prozent.

          Für weitere Impulse könnten am Donnerstagnachmittag frische amerikanische Konjunkturdaten sorgen. Unter anderem stehen Arbeitslosenzahlen, Erzeugerpreise und der Empire-State-Index auf der Agenda.

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