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Dax-Mitgliedschaft : Metro könnte K+S ersetzen

Das Hauptquartier des Düngemittelherstellers K+S in Kassel Bild: dpa

Erholt sich die K+S-Aktie im Laufe des August nicht von ihrem Kursrutsch, muss der Wert im September den Dax verlassen. Noch drängt sich aber kein allzu bedrohlicher Nachrücker auf.

          Der Kursrutsch der K+S-Aktie um 40 Prozent binnen einer Woche gefährdet die Dax-Mitgliedschaft des Kasseler Düngemittelherstellers aufs Höchste. Der Börsenwert der frei handelbaren Aktien („Free Float“) ist am Dienstag nochmals um 10 Prozent auf nurmehr 2,7 Milliarden Euro gefallen. Damit landet K+S nur noch auf Rang 41 der für den Dax in Frage kommenden Unternehmen. K+S müsste wenigstens Platz 40 erreichen, um im Dax zu bleiben.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Die Entscheidung über die Dax-Zusammensetzung fällt die Deutsche Börse Anfang September auf Basis der Rangliste Ende August. Wirksam werden die Entscheidungen am 23. September. Für die Ranglisten ist der durchschnittliche Börsenwert der vorherigen 20 Handelstage entscheidend, also die Daten dieser Woche und der kommenden drei. In dieser Zeit kann sich noch einiges ändern. Der Abstieg von K+S ist damit noch längst nicht sicher.

          Der Aktienkurs von K+S müsste sich jedoch deutlich besser entwickeln als einer der unmittelbar davor plazierten Titel. Dies sind aktuell MAN, Pro Sieben Sat 1, Hannover Rück und MTU. Die Deutsche Börse versucht in ihrem Dax-Leitfaden eine möglichst große Indexkontinuität und eine gute Handelbarkeit der Aktien sicherzustellen. Deswegen sind im Dax nicht die 30 wertvollsten deutschen Aktiengesellschaften enthalten. Aus Gründen der besseren Handelbarkeit wird nur der Börsenwert der frei handelbaren Aktien berücksichtigt.

          Unternehmen mit einem Großaktionär und damit einem geringen Anteil frei handelbarer Aktien werden im Dax - anders als zum Beispiel im F.A.Z.-Index - kleiner gerechnet. Rein vom Börsenwert her gehörten EADS, MAN, Evonik und RTL sonst locker in den Dax. Aus Gründen der Indexkontinuität dürfen sich Dax-Gesellschaften auch Schwächephasen leisten und bis auf Platz 35 oder gar 40 zurückfallen, ohne den Index verlassen zu müssen. In der Free-Float-Rangliste gehören derzeit drei Dax-Titel nicht zu den größten 30: Die Commerzbank liegt auf Platz 31, Lanxess auf 34 und K+S auf Rang 41.

          Ein Hindernis für Aufstiegskandidaten ist der Börsenumsatz

          Dennoch droht allenfalls K+S der Abstieg. Erst wenn ein Unternehmen nicht mehr zu den 35 größten gehört, muss es den Index verlassen und das aber auch nur, falls ein Unternehmen, das bisher nicht im Dax enthalten ist, mindestens auf Platz 30 kommt. Das schafft derzeit nur Kabel Deutschland auf Platz 27. Ein weiteres Hindernis für Aufstiegskandidaten ist der Börsenumsatz. Der muss im Durchschnitt eines Jahres ebenfalls mindestens für Platz 30 reichen. Da sich aber der Aktienhandel stark auf die 30 Dax-Werte fokussiert, ist es für Aufstiegskandidaten nahezu unmöglich, die Phalanx der Dax-Unternehmen zu durchbrechen.

          Kabel Deutschland kommt nach der Rangliste der Deutschen Börse für Ende Juli auf Rang 32. Der Abstand zu Platz 30 ist im August jedoch kaum noch aufholbar, da der Jahresdurchschnitt relevant ist. Da kein Unternehmen außerhalb des Dax nach Börsenwert und Umsatz zu den größten 30 gehört, droht für die Dax-Mitglieder erst ein Abstieg, wenn sie hinter Platz 40 zurückfallen. Dann reicht für die Aufstiegskandidaten jeweils Platz 35. Dies erfüllt neben Kabel Deutschland derzeit nur die Metro. Uwe Streich, Indexexperte der Landesbank Baden-Württemberg, hält die Metro für den aussichtsreichsten Aufstiegskandidaten, da Vodafone den Kabel Deutschland-Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht hat.

          „Es spricht einiges dafür, dass die Übernahme im September zustande kommt“, sagt Streich: „Sollte die Übernahme jedoch scheitern, dürfte Kabel Deutschland in den Dax kommen, ansonsten Metro.“ Brenntag gehört zwar zu den 30 größten Unternehmen nach Börsenwert, liegt beim Umsatz aber nur auf Platz 37, Gea auf Rang 41. Auch EADS scheitert am Umsatzkriterium. Nach Börsenwert liegt der M-Dax-Wert sogar auf Platz elf. Die vor allem an der Euronext gehandelte Aktie kommt in Frankfurt aber nur auf Platz 59 im Börsenhandel.

          In den M-Dax aufsteigen wird Börsenneuling Evonik, ebenso wie RTL, deren Aktien nach der Plazierung eines größeren Aktienpaketes des Großaktionärs Bertelsmann Ende April in Frankfurt nun wesentlich reger gehandelt werden. Puma und Baywa kommen im M-Dax auf die geringsten Börsenwerte und müssten absteigen. Rational wird durch den geringen Handelsumsatz gefährdet.

          Die Börsenneulinge Kion und Deutsche Annington dürften zunächst in den S-Dax aufgenommen werden, haben jedoch jeweils Perspektiven für einen Aufstieg in den M-Dax, wenn sich die Finanzinvestoren von ihren Aktienpaketen trennen. Pro Sieben Sat 1 hat sogar eine Dax-Perspektive. Nach dem Beschluss, die Vorzugs- und Stammaktien zusammenzulegen, können die beteiligten Finanzinvestoren ihre Papiere über die Börse abstoßen. Derzeit halten sie 44 Prozent des Kapitals. Eine höhere Zahl frei handelbarer Aktien könnte Pro Sieben Sat 1 von ihrem aktuellen Rang 39 bis in die Region um Platz 30 klettern lassen. Osram dürfte nach der Abspaltung von Siemens in den Tec-Dax aufgenommen werden.

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